+
Mit Filzkugeln kennt er sich bestens aus: Der Usinger Tim Pütz (r.) feierte im Doppel mit Frederik Nielsen schon beachtliche Erfolge.

Tennis, Australian Open

Grand-Slam-Turnierspieler Tim Pütz aus Usingen erzählt von "Bubbles" und Quarantäne

  • Thorsten Remsperger
    vonThorsten Remsperger
    schließen

Die Australian Open sorgen schon vor Beginn am Montag für Schlagzeilen. Schuld ist die Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen auf den Sport. Der Usinger Tennisprofi Tim Pütz hat in Corona-Zeiten auch schon ungewöhnliche Turnier-Abläufe hinter sich.

Usingen/Frankfurt – Ein bisschen blutet ihm schon das Herz. Tim Pütz ist seit kurzem Vater eines gesunden Sohnes und genießt als Tennisprofi deshalb ausgiebig die Zeit außerhalb des Platzes. Jedoch verfolgt er auch interessiert das Geschehen auf der anderen Seite der Erdkugel, wo von Montag an in Melbourne das erste Grand-Slam-Turnier des Jahres über die Bühne gehen wird.

Tim Pütz, in Usingen aufgewachsen, in Frankfurt wohnhaft, ist mittlerweile 33 Jahre alt, aber das Feuer für Tennis brennt in ihm unverändert. Vielleicht auch gerade deshalb, weil dem im deutschen Trikot ungeschlagenen viermaligen Davis-Cup-Spieler bewusst ist, dass er auf der ATP-Tour nicht mehr ewig spielen wird.

„Als Profi bist du normalerweise 25 Wochen im Jahr unterwegs“, sagt Pütz, „du kannst das auch mit Reisen verbinden, aber mal schauen, wie wir das alles als Familie hinbekommen.“ Kurz vor dem Interview hat er eine Trainingseinheit bei seinem Verein Eintracht Frankfurt beendet.

Was für den Doppelspezialisten, der im Einzel 2014 mit dem Einzug in die zweite Runde von Wimbledon seinen größten Erfolg feierte, schon früh glasklar war: Auf die Reise nach Australien wird er diesmal verzichten. Einfach zu weit weg wäre er dann von seiner schwangeren Freundin gewesen. Und: „Garantiert vier Wochen nicht hier.“ Denn durch das besondere Corona-Konzept des Veranstalters hätte Pütz in einer der Charter-Maschinen sitzen müssen, die aus aller Welt am 14. und 15. Januar in Melbourne eingeflogen sind. Um nach Verordnung der Regierung für zwei Wochen in Quarantäne zu gehen – mit der Ausnahme von fünf Stunden am Tag, in denen trainiert werden durfte.

So war es angedacht, ehe aus mehreren Flugzeugen Corona-Fälle bekannt wurden. Jeweils die komplette Besatzung musste sich für zwei Wochen in Isolation begeben, unabhängig von negativen Tests. Betroffen war zum Beispiel Grand-Slam-Siegerin Angelique Kerber. Auch Kumpel Philipp Oswald, mit dem Pütz chattete. „Die Spieler durften nicht einmal auf den Flur zum Laufen, das ist natürlich ein klarer Wettbewerbsnachteil“, meint Pütz.

In der "Bubble" beim Grand-Slam-Turnier: Der Kampf gegen die Langeweile

Bei den French Open in Paris, wo er mit dem Dänen Frederik Nielsen bis ins Viertelfinale vordrang, und bei den US Open in New York (Aus in der Qualifikation) hat der Mann aus dem Taunus schon in sogenannten Bubbles gelebt. So nennt man es, wenn Profi-Sportler Corona-bedingt nur zwischen Hotel und Sportanlage pendeln dürfen. „Das wird dann schon langweilig, man konnte auch niemanden zu den Turnieren mitnehmen“, erzählt Pütz, der in der spiel- und trainingsfreien Zeit auf dem Hotelzimmer viel online gewesen sei.

Beschweren würde sich der 62. der aktuellen Doppel-Weltrangliste darüber jedoch nicht. Im Gegensatz zu manchem gesunden Profi aus der Quarantäne in Melbourne. „Wir sind als Tennisspieler Privilegierte, dürfen weiterhin in andere Länder reisen. Was von den Veranstaltern alles unternommen wird, um Turniere überhaupt durchzuführen, darf man nicht vergessen. Der Spaß am Tennis sollte im Vordergrund stehen.“

Für kurze Zeit: Am Rande der Australian Open ohne Maske leben

Was den Aktionsradius betrifft, hat sich für viele Spieler inzwischen wieder einiges geändert. Es sei denn, sie wohnen in jenem Hotel, in dem gestern ein Corona-Fall bekannt wurde, woraufhin Hunderte in Isolation mussten. Die meisten Profis dürfen nach zwei Wochen im Hotel beziehungsweise auf dem Trainingsplatz wieder ein Leben führen, fast wie es vor der Pandemie war. Ohne Maskenpflicht. Viele Spieler hätten sich jetzt Apartments genommen, weiß Pütz. Davis-Cup-Kumpel Jan-Lennard Struff wohne mit seinem derzeitigen Doppelpartner Kevin Krawietz zusammen, Frederik Nielsen habe Besuch von seiner Frau bekommen.

Es ist auch das Leben auf der Tour, das Pütz so mag. Gerne würde er es bald wieder führen. „Planen ist jedoch eine Katastrophe.“ Das ärgert ihn – wie ganz viele andere Menschen derzeit auch. Aber er sagt es recht entspannt.

Eigentlich sei er in zweieinhalb Wochen für das ATP-Turnier in Montpellier gemeldet. In Frankreich soll die Tour nach den Spielen in Australien fortgesetzt werden. Jedoch herrschten strikte Regeln für Einreisende, die eine siebentägige Quarantäne vorsehen. Mal sehen, was wird. Bis dahin trainiert Tim Pütz einfach weiter auf dem Gelände von Eintracht Frankfurt, lernt für seinen Master in Sportmanagement und genießt sein neues Familienleben, so gut es geht.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare