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Günter Linn.

Nachruf

Große Trauer um Schiedsrichter Günter Linn 

Er war der wohl hochklassigste Fußball-Schiedsrichter der Region. Nun ist der Altendiezer Günter Linn am Dienstag im Alter von 85 Jahren für viele unerwartet verstorben.

Egal, ob Bundesliga, DFB-Pokal, UEFA-Cup oder Länderspiel: Es gibt fast keine Kategorie im Fußball, die Linn in seiner langen Karriere als aktiver Schiedsrichter nicht selbst geleitet hat. Dabei wäre er beinahe gar kein Schiedsrichter geworden: Erst nach mehreren Verletzungen hing er 1958 die Fußballschuhe als aktiver Kicker bei seinem Heimatverein VfL Altendiez, in dem er 70 Jahre Mitglied war, an den Nagel und widmete sich anschließend mit großem Erfolg dem Schiedsrichterwesen. 

Hierbei erlebte er allerlei Premieren: Als Linienrichter stand der seinerzeit 28-Jährige am ersten Bundesliga-Spieltag 1963 in Bremen an der Außenlinie und erlebte prompt das erste Tor der Bundesliga-Geschichte von Timo Konietzka (Borussia Dortmund) mit. Auch beim ersten DFB-Pokalspiel, das im Elfmeterschießen entschieden wurde, war Günter Linn im Dezember 1970 an der Pfeife dabei. 

Auf insgesamt 129 Bundesliga-Spiele in 16 Jahren blickte der Altendiezer bei seinem Karriereende auf nationaler Ebene 1982 zurück. Zudem stand Günter Linn von 1979 bis 1982 auf der FIFA-Schiedsrichter-Liste, was ihm auch internationale Weihen einbrachte.

Nach seiner aktiven Karriere bekleidete Günter Linn gleich mehrere Aufgaben auf Funktionärsebene im Laufe der Jahrzehnte. Verbandsschiedsrichter-Obmann im Fußball-Verband Rheinland, Schiedsrichter-Ausschuss-Vorsitzender des Fußball-Regional-Verbandes Südwest, Mitglied des DFB-Schiedsrichter-Ausschusses waren nur einige Ämter, die der 85-Jährige innehatte. Einen besonderen Schwerpunkt legte er auch auf das Beobachtungswesen, in dem er unter anderem auf DFB- und UEFA-Ebene unterwegs war. „Das war ja quasi ein Full-Time-Job“, sagte Linn einst über sein zeitintensives, ehrenamtliches Hobby.

Für seine Verdienste wurde Günter Linn unter anderem mit der höchsten Auszeichnung im DFB-Schiedsrichterwesen, der Dr.-Peco-Bauwens-Plakette, der Ehrenmitgliedschaft des Fußball-Verbandes Rheinland und der Verdienstmedaille des Landes Rheinland-Pfalz ausgezeichnet.

Nach seinem Rückzug als Beobachter im Sommer 2014 wurde es auch gesundheitsbedingt ruhiger um Günter Linn, der zuletzt in einem Diezer Seniorenwohnpark lebte. „Günter war eine große Schiedsrichterpersönlichkeit. Das, was er von seinen Schiedsrichtern verlangt hat, hat er auch vorgelebt. Er ist mit den Schiedsrichtern immer offen, ehrlich und respektvoll umgegangen. Das hat mir imponiert. Günter stand immer allen mit Rat und Tat zur Verfügung“, würdigte der aktuelle Schiedsrichterobmann des FV Rheinland, Erich Schneider, im Gespräch mit dieser Zeitung die Verdienste des 85-Jährigen für die Schiedsrichter-Zunft. Günter Linn, der neben seiner Frau zwei erwachsene Töchter hinterlässt, soll im neuen Jahr in seiner Altendiezer Heimat beigesetzt werden. sfe

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