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Hoch hinaus ging es für Andreas Bechmann ? bis auf 4,70 Meter, dann war Schluss für den Mehrkämpfer der LG Eintracht.

Leichtathletik

Andreas Bechmann bei den Hessischen Hallenmeisterschaften: Das große Vorbild fiebert mit

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Andreas Bechmann holte vor den Augen von Trainingspartnerin Carolin Schäfer bei den Hessischen Hallenmeisterschaften der Leichtathleten drei Medaillen.

Frankfurt - Der Abschluss war „geil“. Zweimal, erst auf 7,19, dann auf 7,24 Meter, hatte Andreas Bechmann bei den Hessischen Hallenmeisterschaften der Leichtathleten in Frankfurt-Kalbach seine bisherige Bestleistung im Weitsprung gesteigert. Auch sonst durfte der damit in der Einzeldisziplin zweitplatzierte Mehrkämpfer der LG Eintracht Frankfurt nach einer zweiwöchigen Testphase, die mit dem Sportfest der Leistungsgemeinschaft sieben Tage zuvor begonnen hatte, resümieren, dass er sich „in die richtige Richtung“ bewegt. Zwar lief so früh im Jahr noch nicht alles glatt, nachdem der 19-Jährige mit seinem Trainer Jürgen Sammert einige technische Veränderungen vorgenommen hat. Der neue Stab erwies sich im Ernstfall, der im besten Versuch über 4,70 Meter führte, als zu weich, der umgestellte Anlauf vor der ersten Hürde beim 8,56 Sekunden schnellen Sprintrennen noch als kleines Hindernis. Doch mit drei Medaillen – zweimal Silber, einmal Bronze – in der Tasche die Titelkämpfe zu beenden, war für Bechmann nur einer der Gründe zum Strahlen.

Auf dem Sprung: Nathalie Buschung.

In Gedanken war der ehrgeizige Sportler schon vor der letzten Siegerehrung ein Stück weiter. „In einer Woche um diese Zeit laufe ich 1000 Meter“, erklärte Bechmann. Nicht unbedingt seine Lieblingsstrecke. Aber der Start bei den Deutschen Hallenmeisterschaften in Halle wird ein ganz besonderer für ihn. Erstmals misst sich der gerade der U20 entwachsene Allrounder mit den Männern, und die sind hierzulande gerade besonders stark. Neun Zehnkämpfer schafften im vergangenen Jahr den Sprung über die 8000er-Marke, vier davon haben auch für den unterm Dach aus sieben Disziplinen beschränkten Wettbewerb an der Saale gemeldet.

Ziel ist die U23-EM

„Es wäre utopisch, da an einen Sieg zu denken“, sagt Bechmann, der mit seiner Vorleistung auf dem siebten Platz rangiert. Vielmehr gehe es für ihn darum, einen „ordentlichen Mehrkampf“, möglichst mit Bestleistungen, zu zeigen, der belegt, „dass man in der U23 mit mir rechnen muss“. Dort will der Achte der U20-Weltmeisterschaften 2018 den Sprung zu den kontinentalen Titelkämpfen Mitte Juli in Schweden schaffen. Die Qualifikation findet Anfang Juni beim Junioren-Meeting in Bernhausen statt. Dort hatte Bechmann auch im Vorjahr seinen ersten internationalen Einsatz für den Deutschen Leichtathletik-Verband klargemacht.

Doch der Wechsel der Altersklasse bringt schwerere Wurfgeräte und damit modifizierte Bewegungsabläufe mit sich. 2019 sei für ihn deshalb „ein Umstellungsjahr“, betont Bechmann, der aber auch dieses hundertprozentig motiviert angeht. Neben dem, was für ihn vielleicht möglich ist, nährt das Trainingsumfeld den Willen des Nachwuchsmannes. Seit zwei Jahren übt er gemeinsam mit der Europameisterschaftsdritten Carolin Schäfer bei deren Coach. „Das empfinde ich als Ehre, und es macht mich superhappy“, erklärt Bechmann. Einerseits, weil der erfahrene Fachmann Sammert immer wieder zeige, „dass er das richtige Händchen hat“ und seinen Sportlern zu entscheidenden Fortschritten verhilft. Andererseits aber auch, wie der aufstrebende Athlet angibt, weil er in der erfolgreichen Siebenkämpferin die beste Trainingspartnerin habe, die man sich vorstellen könne. „Caro ist unglaublich. Ich kenne niemanden, der wie sie in jedem Training 200 Prozent gibt und trotzdem einen kühlen Kopf bewahrt.“

„Krasse Mentalität“

Hatte er selbst vor dem Wechsel in die Gruppe gedacht, nicht schlecht trainiert zu haben, musste er diese Einstellung danach sofort revidieren. Angesichts der „krassen Mentalität“ der Weltmeisterschaftszweiten müsse er sich zusammenreißen, denn Schäfer verlange von jedem genauso viel wie von sich.

Sie helfe ihm aber nicht nur in sportlicher Hinsicht, sondern gerade auch, wenn es darum geht, die richtige Einstellung zu finden, betont der Student des Internationalen Managements. Schließlich hat die 27-Jährige viel von dem durchgemacht, was Bechmann noch bevorsteht, und weiß, wie man mit diesen Situationen umgeht.

Am Sonntag verfolgte Schäfer, die selbst die Hallensaison diesmal auslässt, die Leistungen ihres Kollegen von der Tribüne aus. Für die routinierte Sportlerin eine Selbstverständlichkeit, wenn das eigene Programm ihr Zeit dazu lässt. Die Trainingspartner begleiteten sie schließlich auch zu wichtigen Wettkämpfen. Zudem macht ihr das Zusammenarbeiten mit dem Jüngeren Spaß. „Ich erkenne in ihm mich selbst wieder, wie ich mal war“, sagt die frühere U20-Weltmeisterin: Von großem Ehrgeiz getrieben noch ein bisschen ungestüm. Diese Energie in die richtigen Bahnen zu lenken, das wird die gemeinsame Aufgabe in der Zukunft sein.

Info: Buschung will aus dem Tief springen

Das vergangene Jahr hatte Nathalie Buschung sich anders vorgestellt. Die Anfang 2018 vom Wiesbadener LV zur Frankfurter Eintracht gewechselte Weitspringerin wollte am Main eigentlich zusammen mit der Siebenkämpferin Claudia Salman-Rath trainieren. Bundestrainer Uli Knapp sollte aus der Ferne, von seinem Standort Saarbrücken aus, die beiden Athletinnen im Blick behalten. Doch das Projekt ging schief.

Salman-Rath entschloss sich, die Saison aus- und stattdessen noch einmal ihr Knie operieren zu lassen. Damit fehlte sie ihrer Einzeldisziplinkollegin als Trainingspartnerin. Ohne ständige Kontrolle schlichen sich bei Buschung Fehler ein. Eine neue Lösung musste her, um die an ihren Studienort in der Landeshauptstadt gebundene zukünftige Innenarchitektin voranzubringen. Seit einer Woche ist diese gefunden. Eintracht-Coach Michael Krichbaum hat Buschung unter seine Fittiche genommen. Die ersten positiven Entwicklungen seien schon zu erkennen, erklärt die frühere Deutsche Jugendmeisterin.

Bei den Hessischen Hallenmeisterschaften am vergangenen Wochenende in Frankfurt-Kalbach reichten der 22-Jährigen 5,84 Meter zum zweiten Platz hinter der nur im zweitbesten Versuch weiter gesprungenen Carolin Klupsch aus Vellmar. „Es fehlt noch ein bisschen an Geschwindigkeit“, erklärte die gebürtige Hünfelderin. Doch für den Neustart, als den sie den ersten Wettkampf des Jahres ansah, sei das ganz in Ordnung gewesen.

Zudem sei der Spaß am Training zurückgekehrt. Auch Knapp habe die Idee, unter Krichbaum zu trainieren, gut gefunden: „Die beiden haben sich ausgetauscht und offenbar die gleiche Philosophie“, sagt Buschung. Nachdem nach längerer Durststrecke nun wieder „die richtige Richtung“ eingeschlagen sei, stünden die nächsten Ziele fest: die Teilnahme an den Süddeutschen sowie den Hochschul-Meisterschaften und im besten Fall die Qualifikation für die nationalen Titelkämpfe Anfang Februar in Leipzig. Das bedarf zwar noch einer Leistungssteigerung, aber der erste Schritt dorthin sei gemacht.

( kaja)

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