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Nach dem Schlusspfiff im Aufstiegsrückspiel gegen Pohlheim gibt es für Spieler, Betreuer und Fans auf dem Weilersberg kein Halten mehr.

RSV Weyer

Das grün-weiße Sommermärchen

Der RSV Weyer hat weder den Meistertitel in der Fußball-Gruppenliga Wiesbaden noch den Kreispokal gewonnen. Dennoch ist er einen Blick hinter die Kulissen wert, denn mit dem Überraschungs-Aufstieg in die Verbandsliga Mitte hat das Grün-Weiß-Team den größten Erfolg der Vereinsgeschichte realisiert.

VON PATRICK JAHN

Vor der Saison 2018/2019 war das Ziel bei Verein, Offiziellen und Spielern klar: Nach 19 Jahren am Stück in der Fußball-Gruppenliga Wiesbaden (damals: Bezirksoberliga) wollte der RSV Weyer es unbedingt schaffen, auch im 20. Jahr in dieser Spielklasse aktiv zu sein. Dieses Jubiläum haben Wissenbach & Co. zerstört, allerdings nicht, weil die Grün-Weißen abgestiegen sind. Auf dem Weilersberg feiert man stattdessen den bisher größten Erfolg der Vereinsgeschichte – den Aufstieg in die Verbandsliga Mitte. 

Das Spieljahr hatte ausgeglichen begonnen: Gegen Aufsteiger SC Meso-Nassau Wiesbaden gab es zum Auftakt ein 4:2, die Woche danach setzte es gegen die SG Oberliederbach eine 0:3-Heimniederlage. Während die Weyerer in der Vorsaison bereits durch seltsame Serien aufgefallen waren (fünf Siegen folgten sechs Niederlagen und wieder vier Siege), ging es zunächst nur in eine Richtung – und zwar in eine beängstigend gute. Nach zehn Spielen war die Truppe von Trainer Frank Wissenbach plötzlich Tabellenführer. Die beeindruckende Bilanz bis dahin: acht gewonnene Spiele, ein Unentschieden und nur die eine Niederlage vom 2. Spieltag. 

Noch hat zu diesem Zeitpunkt aber auf dem Weilersberg niemand daran gedacht, wohin die Reise gehen könnte. Schon gar nicht, als die Formkurve des RSV plötzlich steil nach unten gezeigt hatte. Vier Niederlagen in Serie, darunter zwei Pleiten in Kreisderbys beim SV Rot-Weiß Hadamar 2 (1:2) und gegen die SG Kirberg/Ohren/Nauheim (2:3), sorgten für ein Abrutschen auf Tabellenplatz sechs. Zwar sollten danach wieder zwei Siege folgen, doch bis zur Winterpause blieb das Wissenbach-Team eher auf dem absteigenden Ast. In Oberliederbach (1:2) und Eltville (0:3) setzte es ebenso Niederlagen wie zu Hause gegen Herbstmeister FC Bierstadt (3:8). 

Weyer nutzte die Pause und sammelte sich neu. Dennoch war es Jammern auf sehr hohem Niveau. Mit dem Thema Abstiegskampf hatte Weyer angesichts von 13 Zählern Vorsprung wenig zu tun, doch auch auf Platz zwei waren es immerhin satte neun Punkte Rückstand. Trotzdem waren die Verantwortlichen in Weyer mit 31 Punkten unter dem Weihnachtsbaum alles andere als unglücklich. 

 

Trotz der Auftaktniederlage bei Hellas Schierstein Ende Februar (3:4) glaubten beim RSV wohl die allermeisten an ein sorgenfreies Jahr, auch wenn der Blick natürlich auch noch einmal nach unten gewandert war. Spätestens, als die Grün-Weißen aber dreimal nach Gang erfolgreich waren und die 40-Punkte-Marke bereits Mitte März geknackt war, herrschte in Weyer eitel Sonnenschein. 

Nach überraschenden Punktverlusten gegen den SV Elz (1:3) und TuRa Niederhöchstadt (3:3) stellte sich einigen schon die Frage, in welche Richtung es gehen soll. Wollten die Spieler eine insgesamt erfolgreiche Saison nun ausklingen lassen, oder sollte noch einmal ein Angriff nach oben gestartet werden? Es schien möglich, denn die Ausgeglichenheit der Gruppenliga sorgte dafür, dass es nur fünf Pünktchen Rückstand auf Platz zwei waren. Herbstmeister FC Bierstadt präsentierte sich komplett von der Rolle und gewann kein Spiel mehr, und auch die SG Oberliederbach und Hellas Schierstein wirkten wie Wundertüten. Als die Jungs vom Weilersberg plötzlich vier Wochen später zehn von möglichen zwölf Zählern eingefahren hatten, war es passiert: Tabellenrang zwei. 

Innerhalb dieser Wochen spürte auch Frank Wissenbach, dass Richtung Vizemeisterschaft etwas möglich sein könnte: „Der Gedanke hat sich während unserer Siegesserie natürlich verschärft. Im Training hat man gemerkt, dass die Jungs heiß sind und Lunte gerochen hatten. Als dann klar wurde, dass Oberliederbach auf einen möglichen Aufstieg verzichten würde, wuchs die Hoffnung.“ Zu diesem Zeitpunkt war der Übungsleiter schon mächtig stolz auf ganz andere Fakten: „Es ist uns gelungen, in Weyer eine Beständigkeit zu erreichen. Ich bin kein Freund davon, jede Saison fünf Spieler abzugeben und fünf neue dazuzubekommen. Jeder Spieler hatte uns frühzeitig die Zusage für die neue Saison gegeben, und das, als noch nicht einmal klar war, wo die sportliche Reise hingehen würde. Das sind alles feine Jungs, es macht einfach Spaß. Und noch ein Vorteil: Wenn man sich lange kennt, durchsteht man auch schlechte Phase.“ 

Schock gegen SG Hoechst

Weyer schien obenauf, doch am vorletzten Spieltag der große Schock: Gegen die SG Hoechst verlor der RSV auf eigenem Platz 3:4. Bis auf Hellas Schierstein patzte aber auch die Konkurrenz, so dass sich nichts Wesentliches verändert hatte. Es war klar: Ein „Dreier“ am letzten Spieltag in Hornau würde zur Teilnahme an der Aufstiegsrunde reichen. Und, na klar, Weyer gewann 2:1. 

Bei TuBa Pohlheim gab es zum Auftakt ein 1:3, die Voraussetzungen vor dem Rückspiel waren schlecht, keineswegs aber aussichtslos. Das Rückspiel verlief phänomenal aus RSV-Sicht: Die Pohlheimer wurden mit 5:0 von der „Platte“ gebügelt, der Aufstieg in die Verbandsliga war unter Dach und Fach. Da spielte es auch keine Rolle mehr, dass TuBa wegen vermehrten Aufstiegs mit nach oben gehen durfte. Für Frank Wissenbach waren diese 90 Minuten ganz klar das persönliche Highlight schlechthin: „Ich hatte Tränen in den Augen, das hat mich einfach geflasht. Der ganze Tag war ein unbeschreibliches Gefühl.“ Neben dem zweiten persönlichen Höhepunkt, „dass alle Spieler auch in der nächsten Saison bei uns spielen“, gibt der Coach noch einen Ausblick auf die neue Runde: „Wir sind natürlich alle realistisch. Der Klassenerhalt ist das klare Ziel. Die gesamte sportliche Herausforderung wird für uns eine Riesennummer. Aber: Unser Zusammenhalt ist ein großes Plus.“ Und abschließend: „Jetzt nehme ich auch in Kauf, dass ich dem Verein das 20-jährige Gruppenliga-Jubiläum versaut habe“, schmunzelt Frank Wissenbach. 

Stolz dürfen sie in Weyer alle sein. Und auch die Nassauische Neue Presse gratuliert zum Aufstieg in die Verbandsliga Mitte und wünscht dort viel Erfolg!

Kaum Veränderungen

Der RSV Weyer verzeichnet nach seinem Aufstieg in die Verbandsliga Mitte nach Aussage von Spielausschuss Jürgen Erlemann keinerlei Abgänge. Neu zum Team von Frank Wissenbach hinzugestoßen sind Maxim Kettenbach und Dennis Hertling (beide SV Wallrabenstein) sowie Torwart Marc Kohlhepp (TSG Wieseck).

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