Mohamed Youssef (links) und Eric Omowe (rechts, beide DJK) versuchen, den Anspacher Marvin Akkus Rodriguez zu stoppen. FOTO: Heiko Rhode
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Mohamed Youssef (links) und Eric Omowe (rechts, beide DJK) versuchen, den Anspacher Marvin Akkus Rodriguez zu stoppen.

Fußball Hochtaunus

Gruppenliga: Ein Hochtaunus-Trio ist noch verlustpunktfrei

  • vonRobin Kunze
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Der FC Neu-Anspach hat in doppelter Überzahl bei DJK Bad Homburg keine Mühe. Trainer Jörg Loutchan bezeichnet das Spiel nach dem 4:0-Sieg seiner Mannschaft als "komisch", der Schiedsrichter steht im Kreuzfeuer der Kritik.

Hochtaunus-Die rund 200 Zuschauer, die sich am frühen Samstagabend auf der Sportanlage Wiesenborn eingefunden hatten, kamen sicherlich in freudiger Erwartung. Schließlich war mit dem FC Neu-Anspach ein hochgehandelter Gruppenligist bei der ebenfalls stark eingeschätzten DJK Bad Homburg zu Gast. Ein fußballerisches Feuerwerk wurde aus dem Derby, das die Gäste mit 4:0 gewannen, jedoch nicht, was verschiedene Gründe hatte.

Zunächst tasteten sich die Teams vorsichtig ab, wohlwissend um die Stärken des jeweils anderen. Chancen gab es auch schon in dieser Phase, etwa durch Marco Weber (2.) und Marvin Akkus Rodriguez (10.), doch wirklich mitreißen konnte die Partie trotzdem nicht. Und so warteten die Zuschauer auf den einen Fehler, der eine der Mannschaften in Rückstand bringen und damit zu mehr Mut zwingen würde.

Als Kirdorfs Eric Omowe in der 13. Minute Anspachs Niklas Kraus foulte, war das dieser Fauxpas: Die Gäste bekamen einen Strafstoß, den Torjäger Weber mit einem Flachschuss souverän zum 1:0 verwandelte. Danach kam zwar nicht wirklich Tempo auf, es gab dafür einen weiteren kapitalen Lapsus. Den erlaubte sich aber der Unparteiische.

In der 35. Minute kam Weber in der gegnerischen Hälfte an den Ball und kurz darauf an der Mittellinie zu Fall. Joel Tekie hatte versucht, seinem Gegenspieler den Ball vom Fuß zu spitzeln, kam jedoch einen knappen Augenblick zu spät und brachte Weber aus der Balance. Klarer Fall: Ein Foulspiel, das möglicherweise auch eine Gelbe Karte nach sich ziehen kann. Doch Schiedsrichter Amir Amirian aus Wiesbaden zückte sofort und bei guter Sicht auf die Aktion Rot. Das verwunderte nicht nur die fortan in Unterzahl agierenden Gastgeber. "Ich war zutiefst überrascht, denn es war kein gefährliches Spiel und noch nicht mal ein taktisches Foul", gestand auch Jörg Loutchan, Trainer des FC Neu-Anspach. In der Folge erlebte nicht nur er ein "sehr komisches Spiel". Die DJK schlug sich ordentlich, kam aber kaum zu zwingenden Abschlussmöglichkeiten. Der FCNA riss in Überzahl keine Bäume aus, traf jedoch kurz vor der Pause zum 2:0.

Amir Amirian zeigt Ibrahim El Ouahiani (verdeckt, 2. v.li.) die Rote Karte. Soufian Chihab (Nr. 10) redet auf den Schiedsrichter ein.

Wieder brachte ein Strafstoß den Erfolg, diesmal war die Szene umstritten. Jean-Luc Jänsch und Rene Gilles beackerten sich auf der Jagd nach einem Ball gegenseitig, am Ende ging Gilles zu Boden und sein Team dank Webers zweitem Elfmeter mit 2:0 (42.) in die Pause. Von der Zuschauergeraden aus war ein eindeutiges Foulspiel nicht zu erkennen. Loutchan hatte eine bessere Sicht. Er nahm diesmal den Referee in Schutz. "Der Spieler der DJK hatte bereits abgeschaltet, Gilles zog an ihm vorbei und wurde dann zu Fall gebracht", berichtete der Trainer.

Knackpunkt in der 55. Minute

Nach der Pause zeigte die DJK dennoch eine intakte Moral und kam quasi mit dem Wiederanpfiff zu einem Lattentreffer durch den Ex-Anspacher Kyle Howie (46.). "Wir hatten einen Plan, wie wir in Unterzahl agieren wollten", erzählte DJK-Coach Ibrahim Cigdem, "und das hat auch funktioniert. Kurz darauf gab es dann aber die zweite Rote." Der kurz zuvor eingewechselte Ibrahim El Ouahiani hatte in der 55. Minute nur Augen für den Ball, traf dabei den herauseilenden Torhüter Mario Schreiber in der Magengegend und flog dafür vom Feld. Danach war die Partie mehr oder weniger gelaufen.

Lars Günther erhöhte nach einem Eckstoß auf 3:0 (61.), Marvin Akkus Rodriguez verwandelte einen weiteren Foulelfmeter zum 4:0 (82.). Der dritte Elfmeter ging in Ordnung, denn Niklas Kraus kreuzte im Strafraum clever den Laufweg eines Verteidigers und nahm den anschließenden Kontakt dankend an. "Man hätte es jedoch in doppelter Überzahl insgesamt besser ausspielen können, als wir das getan haben", resümierte Loutchan, "und das der eine oder andere bei uns am Schluss meinte, er müsse die Bälle nur noch mit der Hacke spielen, fand ich unnötig. Aber mit den sechs Punkten aus den zwei Spielen bin ich natürlich sehr zufrieden." ROBIN KUNZE

Bei keiner anderen Sportart wie dem Fußball kann man so häufig beobachten, wie aus gestandenen Männern, die sich ungerecht behandelt fühlen, schlagartig motzende Kinder werden. Grund, sich ungerecht behandelt zu fühlen, hatte man bei der DJK Bad Homburg am Samstag allemal. Sogar berechtigten. Dennoch verließen die Kirdorfer Spieler am Ende der 0:4-Pleite im Hochtaunus-Derby den Platz an der Landgrafenstraße mit erhobenem Haupt. Kein Motzen, Meckern, Hadern oder Zetern war während der vorangegangenen 90 Minuten seitens der Gastgeber zu vernehmen gewesen.

"Diesbezüglich wurden wir heute auf die Probe gestellt, aber wir haben sehr gute Charaktere in unserer Mannschaft", lobte Ibrahim Cigdem. Der DJK-Coach lebte die Sachlichkeit an der Seitenlinie vor, suchte nur nach dem Abpfiff kurz und in ruhigem Tonfall die Aussprache mit Schiedsrichter Amir Amirian. Ein Dialog kam zwischen Trainer und Referee jedoch nicht zustande.

Dafür versammelte Cigdem sein Team rund 20 Minuten lang im Tagungsraum des Sportlerheims, um die frustrierende Partie aufzuarbeiten. Erst danach ging es in die Kabine und zum Duschen. Schon davor fand DJK-Kapitän Soufian Chihab die richtigen Worte: "Man kann es nicht ändern. Weiter geht's, beim nächsten Mal gibt es wieder einen Sieg für uns!"

FSV Friedrichsdorf - Türk. SV Bad Nauheim 6:4 (2:0): Obwohl die Sonne über dem Sportpark an der Edouard-Desor-Straße kräftig schien, brach über die Gäste der erbarmungslose Winter herein. Gemeint ist Außenbahnspieler Dennis Winter, der seit dieser Saison in Diensten des FSV Friedrichsdorf steht und den Türk. SV Bad Nauheim gleich zu Beginn einer mit zehn Toren ungewöhnlich torreichen Partie der Fußball-Gruppenliga Frankfurt West mächtig unter Druck setzte. Schon in der 5. Minute setzte Winter in der gegnerischen Hälfte zur sauber getimten Grätsche an, drei Minuten später setzte er gleich zweimal nach. Den Ballgewinn veredelte der schnelle und technisch starke Spieler mit einem herrlichen Schlenzer zum 1:0 (8.). Auch in der 26. Minute ließ Winter nicht locker, zwang seinen Gegenspieler zu einem schlechten Pass. Er ging an Torhüter Kamber Koc vorbei, so dass der clever lauernde Denis Schäfer auf 2:0 erhöhen konnte. 

Mit diesem Ergebnis ging es in die Kabine, da Stanley Ike Ugochukwu einen Strafstoß für die Gäste verschossen hatte (32.). Das Spiel schien entschieden: Zu aggressiv präsentierte sich der FSV, zu behäbig dagegen der „TSV“. Doch per Kopf stellte der wuchtige Ugochukwu in der 57. Minute den Anschluss her, ehe er nach einem Bock von FSV-Keeper Nick Voigt frei zum Ausgleich einschieben konnte (60.). 

Die Hausherren waren kaum geschockt, gingen schon kurz darauf durch Patrick Bussian wieder in Führung (64.). Schäfer hatten den rechten Mittelfeldspieler mit viel Übersicht in Szene gesetzt. Die ging der Hintermannschaft des FSV in der 70. Minute allerdings flöten – zu zweit konnte ein Ball nicht geklärt werden, was Spielertrainer Tufan Tosunoglu mit dem Treffer zum 3:3 ausnutzte. Drei Minuten später veredelte Moritz Kulick aber schon wieder einen Eckball zum 4:3. Namanja Petkovic hatte den Ball stark abgelegt. Die Entscheidung brachte „Joker“ Francesco Marino, der die Tore fünf und sechs für Friedrichsdorf überragend vorbereitete. Das 5:3 (85.) durch den ebenfalls eingewechselten Adrian Bitiq leitete Marino mit einem genialen Heber über die Abwehrreihe ein, vor dem 6:3 (88.) „sezierte“ er die gegnerische Viererkette mit einem Ball auf den umsichtig eingelaufenen Kulick, der nervenstark im Eins-gegen-eins mit Keeper Kamber Koc verwandelte. Das 6:4 durch Ugochukwu, der nach einer Freistoßflanke erneut per Kopf traf, fiel in der Nachspielzeit und damit zu spät, um den Sieg des FSV noch zu gefährden. 

Nach dem Abpfiff versammelte Trainer Metin Yildiz seine Elf zum Gespräch und betonte, man möge jetzt erstmal die guten Aspekte sowie die sechs Punkte aus zwei Spielen feiern, ehe man am Dienstag im Training das Negative erörtern werde. Der Taunus Zeitung gab er eine kleine Vorschau. „Unsere Defensivleistung war wirklich schwach. Da waren zwei, drei Dinger dabei, die uns nicht passieren dürfen“, sagte Yildiz, „wir haben sie zu den Toren förmlich eingeladen.“ Da aber auch Bad Nauheim enorm großzügig war, gab es ein Spektakel mit Happy End.

Olympia FC Fauerbach – Usinger TSG 0:6 (0:1): Vom Endresultat sollte man sich nicht täuschen lassen. „Das ist deutlicher, als es der Spielverlauf, speziell in der ersten Halbzeit, hergab“, betonte UTSG-Coach Marius Walz. Sein Team kam auf dem kleinen Spielfeld im Friedberger Stadtteil nur schwer in Gang und hatte in der 8. Minute Glück, als Tim Botschek den Pfosten traf. Vier Minuten später erzielte Max Miot Paschke auf der anderen Seite das 1:0, mit dem es auch in die Kabine ging. 

Den Knoten zum Platzen brachte der eingewechselte Nicolai Dörnte, der mustergültig von Tim Tilger bedient wurde und den Ball aus spitzem Winkel volley zum 2:0 (47.) in die Maschen jagte. Zehn Minuten später flog zudem Fauerbachs David Clement wegen wiederholtem Foulspiel vom Platz. „Das 2:0 und die Gelb-Rote haben uns sehr geholfen“, sagte Walz. Zudem fälschte Jamel Atkinson den Ball nach scharfer Hereingabe von Miot Paschke ins eigene Tor ab (0:3, 59.). Das vierte Tor schoss der starke Miot Paschke wieder selbst, nachdem Vladislav Fomin quergepasst hatte. Besonders erfreut war Walz über den Treffer zum 5:0 durch Gzim Berisha, der sein erstes Jahr im Seniorenfußball bestreitet. Nach einer Flanke von Fomin köpfte das Talent den Ball mit voller Wucht aus elf Metern in den Winkel. Den Schlusspunkt setzte Christian Kaus, der aus 16 Metern das Spielgerät zum 6:0 (88.) unter die Latte hämmerte.

Die Vorarbeit lieferte „Knotenlöser“ Dörnte, der aufgrund von Adduktorenproblemen pausieren sollte, zur Pause aber grünes Licht gab und maßgeblich am zweiten Sieg im zweiten Spiel beteiligt war. Mit sechs Punkten und 11:2 Toren grüßt die Usinger TSG nun von der Tabellenspitze.

1. FC-TSG Königstein – FG Seckbach 0:1 (0:1): Nach der Niederlage stehen null Punkte aus zwei Spielen für die Königsteiner zu Buche. Klingt komisch, stimmt aber: Nach der Partie war das Stimmungsbild innerhalb des Clubs dennoch ein positives. „Die Mannschaft war um Klassen besser als gegen Neu-Anspach, insgesamt bekamen die Zuschauer ein wirklich munteres Spiel von zwei Mannschaften mit offenem Visier zu sehen“, sagte Sportchef Till Sommerfeld.

Chancen gab es auf beiden Seiten zahlreiche, nur das mit dem Vollstrecken wollte nicht wirklich klappen. Allein Aaron Schlünz vergab zwei „Hundertprozentige“. Trotzdem hat man in Königstein großes Vertrauen in ihn. „Er kann für uns ein Stürmer sein, der 10 bis 15 Saisontore macht“, sagt Sommerfeld, „es muss nur der Knoten platzen. Wir glauben daran, dass das schon bald passiert.“ Sommerfeld muss es wissen, schließlich trainierte er Schlünz in der Jugend, wo der Angreifer mehrmals die Marke von 40 Saisontoren knackte. Wie’s klappen kann, machte Julen Herrero Cennamo in der 45. Minute vor. Nach einem langen Ball von May erzielte er den Siegtreffer (45.). „Seckbach hat eine erfahrene, tolle Truppe. Sie waren einfach ein Stück cleverer, doch wir haben mit unserer jungen Mannschaft toll dagegen gehalten“, lobte Sommerfeld.

SV Steinfurth – FV Stierstadt 3:1 (2:0): Im Duell der Aufsteiger hatte der Vertreter aus dem Hochtaunus in den ersten 20 Minuten dreifach Pech. Zunächst traf Torjäger Tim Pelka den Innenpfosten (10.). Kurz darauf musste der Führungsspieler ausgewechselt werden (12.). Dann erwischte es auch Leistungsträger Daniel Maric – ebenfalls mit einer Zerrung (18.). „Schlechter hätte es für uns eigentlich nicht laufen können“, sagte Sportausschusschef Marco Hentsch. Doch es kam noch schlimmer. Infolge einer Ecke und eines Strafstoßes lag Stierstadt zur Pause mit 0:2 hinten. Im zweiten Durchgang schüttelte sich die junge Truppe, nach einem Steilpass von Murid Escandar umrundete Marvin Diehl den Torwart und schob lässig ein. „Doch fast im Gegenzug fangen wir uns das 1:3“, ärgerte sich Hentsch, „danach haben wir uns hängenlassen.“

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