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Bild mit Symbolcharakter: Brett Breitkreuz (Löwen Frankfurt, links) hat gegen Dustin Sylvester (EC Bad Nauheim) das Nachsehen.

Die Serie der Bad Nauheimer Roten Teufel wird immer beängstigender – Zum zwölften Mal in Folge ein Sieg

Spiele gegen die Badestädter sind für die Löwen wenig ertragreich. Im vierten Duell der beiden Hessenclubs gibt es den dritten Sieg für Christof Kreutzers Cracks.

Irgendwie war’s am Ende dann doch ein fast ganz normales Heimspiel. Bad Nauheim hat gewonnen. Wie eigentlich immer. Zum zwölften Mal in Folge schon. Die Roten Teufel haben die beste Heimbilanz aller Klubs der Deutschen Eishockey-Liga 2. Am Sonntag hat’s vielleicht aber noch ein bisschen mehr Spaß gemacht. Ein Derby eben, mit einer passenden Dramaturgie; mit Enttäuschungen, mit Glückseligkeit und ein bisschen Spott für den Nachbarn aus Frankfurt.

„In den Playoffs schmeißen wir euch raus“, hatte es am Sonntagabend aus dem Colonel-Knight-Stadion hinaus in den Kurpark gehallt, ehe der EC Bad Nauheim für sein irres Comeback und den dritten Sieg im vierten Duell mit den Löwen überschwänglich gefeiert wurde; mit dem „EC Nauheim“-Walzer, dem „Derbysieger“-Banner, einer Raupe übers Eis und vielen, vielen Schulterklopfern. In der DEL 2 wird seit Wochen schon mit großem Respekt in die Wetterau geblickt. Sechs Spieltage vor Abschluss der Hauptrunde haben die Roten Teufel gegen Ravensburg (4:5 nach Verlängerung) und Frankfurt (5:4 nach Penaltyschießen), gegen die beiden Top-Klubs der Liga, ihren vierten Platz verteidigt. Der Lohn: ein trainingsfreier Tag. „Sonderurlaub! Das haben sich die Jungs mehr als verdient“, sagt Christof Kreutzer, der Trainer.

Dutzendfach waren zum Spielende hin die Handys gezückt worden. Noch spätabends flimmerten die Jubel-Videos aus allen Perspektiven durch die sozialen Netzwerke – eine Eishockeyregion scheint ihr Glück derzeit kaum fassen zu können. Bei Heimspielen gegen die unmittelbaren Verfolger Bietigheim und Kaufbeuren sowie Crimmitschau und den Gastspielen in Deggendorf, Heilbronn und Bayreuth ist den Roten Teufeln zuzutrauen, ihr Vorjahrsresultat – die beste Saison seit 2004 – noch zu toppen.

Nach rund dreieinhalb Jahren war das Stadion zum ersten Mal wieder ausverkauft. Mehr als 5000 Tickets – so viele Anfragen lagen vor – hätten die Roten Teufel verkaufen können. Am Spieltag selbst – die Abendkasse blieb geschlossen – hatte so mancher Spätentschlossene versucht, irgendwie Einlass zu bekommen, schließlich gab es mit ganz wenigen Ausnahmen über all die Jahre immer die Last-Minute-Möglichkeit zum Ticketkauf. Die wohl kurioseste Variante diesmal: eine Frau, die kurz vor Spielbeginn auf der Geschäftsstelle berichtete, ihren Lebensgefährten spontan mit einem Heiratsantrag auf dem Eis überraschen zu wollen und deshalb unbedingt zwei Karten benötige.

Das Spiel hat Bad Nauheim letztlich in gleicher Weise gewonnen, wie die Partie 48 Stunden zuvor verloren worden war. In Ravensburg waren die Roten Teufel mit einer Zwei-Tore-Führung in die Schlussphase gegangen, hatten sich letztlich aber dann zu viele kraftraubende Strafen erlaubt. Kurios: Gleich viermal (!) jagten die Hessen den Puck aus dem eigenen Verteidigungsdrittel auf die Tribüne. „Das habe ich so auch noch nie erlebt“, sagt Kreutzer.

Ein Unglücksrabe war ausgerechnet Zach Hamill, eigentlich der Mann mit dem außergewöhnlichen Auge, dem feinen Händchen. „Ich wollte ihn über die Mittellinie heben und habe gehofft, dass wir eine Konterchance haben. Das ist mir in den letzten zehn Jahren auch nur ein einziges Mal derart misslungen“, haderte der Kanadier. Er stand dann auch im Heimspiel im Fokus. Als Vorbereiter, als Torschütze, als Wühler, Kämpfer und eiskalter Penaltyschütze. Diesmal waren die Roten Teufel nach Zwei-Tore-Rückstand zurück ins Spiel gekommen.

Einen effektiven Einstand hatte Louke Oakley. Vier Punkte hat der Kanadier, der weitgehend unauffällig agiert, dann aber richtig steht, in zwei Spielen schon gesammelt und sich damit als echte Alternative angeboten. Cody Sylvester, dessen Position Oakley am Wochenende einnahm, hat nach seiner Verletzung das Eistraining wieder aufgenommen und soll in dieser Woche weiter belastet werden. Ob er am Wochenende seinen Trainer vor die Qual der Wahl bei den Kontingentpositionen stellen kann, ist noch offen.

Unklar ist aktuell zudem die Personalie Garret Pruden. Der junge Verteidiger hatte am Freitag einen Schuss mit dem Fuß geblockt und die Partie vorzeitig beenden müssen. Eine Knochenfraktur konnte immerhin schon ausgeschlossen werden. Zu Wochenbeginn soll eine MRT-Aufnahme Klarheit über die Verletzung bringen. In Herne, beim Kooperationspartner in der Oberliga, wird aktuell Nico Kolb nach langer Pause wieder herangeführt. Ob der Stürmer am Wochenende sein Comeback in Bad Nauheim feiert, ließ Kreutzer am Montag noch offen.

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