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Zwei zentrale Spieler in ihren Teams: Jonas Herdering (links), der mit dem SV Rot-Weiß Hadamar noch keine einzige Minute verpasst hat, und Kevin Kratz (rechts), der mit dem TuS Dietkirchen den Klassenerhalt anstrebt. 

Serie: Winterpause im NNP-Land

SV RW Hadamar und TuS Dietkirchen in der Duell-Arena

Winterpause im NNP-Fußball-Land. Das ist die Gelegenheit, die Spielklassen von den Oberligen abwärts bis zu den Kreisligen C Limburg-Weilburg etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Heute blicken wir hinter die Kulissen der Hessenliga mit dem etablierten SV Rot-Weiß Hadamar und Neuling TuS Dietkirchen.

VON PATRICK JAHN

Nicht wenige Experten hatten dem SV Rot-Weiß Hadamar nach einer tollen Saison 2018/2019 eine schwierige Spielzeit prophezeit, schließlich waren mit Jann Bangert und Yves Böttler die besten Torschützen gegangen. Wer sollte also die Tore schießen? Die Befürchtungen schienen sich zu bestätigen, denn gleich im Auftaktspiel gegen Aufsteiger TuS Dietkirchen setzte es eine 0:1-Pleite, die die Schwächen gnadenlos aufdeckte. Schon in der letzten Runde waren die Fürstenstädter miserabel gestartet und hatten sich ziemlich zügig im Abstiegskampf wiedergefunden. Auch in diesem August hatte es wieder schlecht ausgesehen, denn nach vier Partien standen lediglich drei Punkte auf der Habenseite. Zu allem Überfluss kassierten die Rot-Weißen auch im Rückspiel in Dietkirchen eine 1:2-Niederlage.

Der "Glücksgriff": Leon Burggraf

Es musste sich zweifelsfrei was ändern, denn auch der neue Trainer Stefan Kühne stand zuweilen in der Kritik. Doch dann kam der "Glücksgriff": Mit Leon Burggraf holten die Verantwortlichen den Torjäger zurück, den sie sich erträumt hatten. Bei der Rückspiel-Niederlage in Dietkirchen war er bereits erfolgreich, so richtig platzte der Knoten bei dem 22-Jährigen in den Wochen danach. Aus den folgenden fünf Spielen sammelte Hadamar elf Zähler - sieben Treffer steuerte Leon Burggraf bei. Gegen Regionalliga-Absteiger Eintracht Stadtallendorf setzte es zwar eine 0:2-Niederlage, doch auch das tat dem Vorhaben, sich kontinuierlich nach oben zu arbeiten, keinen Abbruch. Der SVH startete eine neue Serie und sorgte zuweilen für Angst und Schrecken in der Liga. Sage und schreibe 20 Zähler heimste die Truppe um Kapitän Jonas Herdering in den folgenden acht Spielen ein.

Längst war die Mannschaft von Stefan Kühne wieder da angekommen, wo sie schon in der Vorsaison gestanden hatte: im oberen Tabellendrittel. Die Automatismen des Trainers sollten greifen, Hadamar war für alle Gegner extrem unangenehm zu bespielen. Und vor allem: Auch wenn mit Leon Burggraf, der mit 20 Treffern die Torschützenliste der Hessenliga anführt, einer ganz besonders hervorsticht, wirken die Fürstenstädter unberechenbar. Gleich 14 verschiedene Torschützen offenbaren, dass nahezu jeder im Team in der Lage ist, den Ball über die Linie zu bringen.

Dass es aber für ganz oben noch nicht reicht, zeigte sich im Spitzenspiel beim damaligen Tabellenführer FC Eddersheim. Die Elf aus dem Main-Taunus-Kreis war an diesem Nachmittag zu abgezockt und brachte den Hadamarern seit langer Zeit die erste Pleite bei (3:1). Zum Abschluss des Jahres ließen es die Fürstenstädter aber noch einmal so richtig krachen: Gegen Abstiegskandidat SV Steinbach hieß es 8:0 - eine Demonstration der rot-weißen Offensivwucht. Das unmittelbar folgende Rückspiel in Osthessen sollte den schlechten Platzverhältnissen zum Opfer fallen.

Dennoch: Mit 37 Punkten rangieren die Fürstenstädter auf dem starken fünften Platz. Nicht auszudenken, wo diese Mannschaft stehen könnte, würde sie nicht beinahe schon traditionell den Saisonstart in den Sand setzen. Mit 52 Treffern stellt der SV Hadamar im Übrigen zusammen mit Tabellenführer Eintracht Stadtallendorf die drittbeste Offensive der gesamten Liga. Auch wenn es nicht der Anspruch ist, Erster oder Zweiter zu werden, steht fest: Hadamar kann jedem Gegner gefährlich werden und genießt in Hessens Eliteliga einen ausgezeichneten Ruf. Wichtig wird sein, Ende Februar gut aus den Startlöchern zu kommen. Wie Stefan Kühne schon so häufig betont hat, läuft die Marschroute, von Spiel zu Spiel zu denken, ganz hervorragend. Der Blick auf die Tabelle genießt dabei nur die zweite Priorität. Das darf gerne so weitergehen.

Nach einem fulminanten Schlussspurt in der Verbandsliga Mitte und dem Kreispokalsieg startete auch für den TuS Dietkirchen das "Abenteuer Hessenliga". Für die Mannschaft von Trainer und Ex-Profi Thorsten Wörsdörfer, der seine Elf als die "Exoten" der Liga bezeichnete, sollte die Saison wie in einem Märchen beginnen. Dem 1:0-Derbysieg zum Auftakt in Hadamar folgte ein 2:2 gegen Regionalliga-Absteiger Eintracht Stadtallendorf. Alles schien so selbstverständlich. Doch die raue Hessenliga-Luft blies bei der ersten Niederlage in Friedberg (1:4). Für die Reckenforstler dennoch kein Grund, Trübsal zu blasen, denn es folgten zwei atemberaubende Heimspiele: Sowohl gegen Hadamar als auch gegen den SC Hessen Dreieich gab es knappe Siege (2:1, 3:2). Da durfte auch die klare 0:4-Auswärtsniederlage beim FV Bad Vilbel die ausgezeichnete Stimmung beim Liga-Neuling nicht trüben.

Schwarz-Rot war in der Liga angekommen

Spätestens, als dann auch noch beim 1. Hanauer FC der erste Auswärtssieg folgte, waren die Schwarz-Roten mehr als nur in der Liga angekommen. 13 Punkte aus sieben Spielen - für die Dietkircher konnte es besser kaum laufen. Doch dass es auch anders laufen kann, belegten drei zum Teil klare Niederlagen nacheinander. Erst durch den 1:0-Arbeitssieg gegen den FSV Fernwald durften die Verantwortlichen durchatmen. Zudem gesellten sich vier weitere Punkte hinzu: Beim FC Eddersheim erreichte der TuS ein achtbares torloses Remis, ehe der SV Steinbach mit 2:1 besiegt wurde. 20 Punkte. Die Hälfte der magischen "40" war schon vor dem Ende der Hinrunde in trockenen Tüchern.

Ab diesem Zeitpunkt wurde es ungemütlich, denn ab Ende Oktober lief so gar nichts mehr zusammen. Im Sechs-Punkte-Spiel bei Viktoria Griesheim setzte es trotz zwischenzeitlicher 2:1-Führung eine bittere 2:3-Niederlage. Wer weiß, wie es weitergegangen wäre, hätten die Dietkircher diese Partie gewonnen. Niederlagen gegen die SG Barockstadt Fulda-Lehnerz (1:3) und Rot-Weiß Walldorf (0:2) waren zu verschmerzen, doch spätestens das Gastspiel bei Eintracht Stadtallendorf machte deutlich, dass sich alles gegen die Elf von Thorsten Wörsdörfer verschworen hatte. In den Schlussminuten drehte der jetzige Spitzenreiter die Partie und stürzte den TuS ins Tal der Tränen. Vor allem für die Psyche war diese Pleite Gift, das Selbstvertrauen schwand, die Fehler häuften sich, und auch in der Offensive passierte zu wenig.

Es war ein Teufelskreis, denn auch die folgenden drei Partien gingen verloren. Nach wie vor standen 20 Punkte auf der Habenseite - Abstiegsplatz. Doch ans Aufgeben dachte in Dietkirchen niemand. So schwer es auch war, das Team motivierte sich noch einmal für das so wichtige letzte Heimspiel gegen den SV Neuhof. Und siehe da: Es funktionierte. 4:0, ein deutliches Ausrufezeichen im Abstiegskampf und ein weiterer Beleg dafür, dass es eben doch häufig nur Kleinigkeiten sind, die in Hessens höchster Amateurklasse den Unterschied machen.

Der TuS darf mit nunmehr 23 Zählern definitiv vom Klassenerhalt träumen. Aber auch hier wird vor allem der Start ins Jahr 2020 von großer Bedeutung sein, wenn Duelle mit direkten Konkurrenten anstehen. An der Tauglichkeit der Dietkircher für diese Spielklasse dürfte keinerlei Zweifel bestehen. Und klar ist auch: Die Mannschaft hat ihr großes Ziel in der eigenen Hand. Die Basis ist mit einer zwar wechselhaften, insgesamt aber doch zufriedenstellenden Hinrunde gegeben.

Für den FSV Fernwald (8 Punkte), den SV Neuhof (13) und den SV Steinbach (15) dürfte es schon extrem schwierig werden, die Klasse noch zu halten. Ansonsten muss erneut die halbe Liga bangen, denn selbst der Neunte, Viktoria Griesheim, ist mit 29 Punkten noch im "Sumpf".

An der Spitze riecht es aktuell nach einem Dreikampf, in dem Eintracht Stadtallendorf (48 Punkte) die besten Karten hat. Es folgen der FC Eddersheim (43) und der KSV Hessen Kassel (41). Die Hessenliga bleibt auch in diesem Jahr in jeder Hinsicht sehenswert. 


Tabelle:

1. Eintr. Stadtallendorf 21 15 3 3 52:24 48

2. FC Eddersheim 21 13 4 4 43:22 43

3. Hessen Kassel 20 12 5 3 59:26 41

4. SGB Fulda-Lehnerz 21 11 6 4 48:22 39

5. SV RW Hadamar 20 11 4 5 52:28 37

6. VfB Ginsheim 20 11 4 5 55:39 37

7. Hessen Dreieich 21 10 3 8 42:34 33

8. Rot-Weiß Walldorf 21 8 6 7 40:40 30

9. SC Waldgirmes 21 9 2 10 35:41 29

10. Viktoria Griesheim 20 9 1 10 32:51 28

11. Türk Gü. Friedberg 21 7 6 8 31:40 27

12. FC Hanau 93 21 7 5 9 29:43 25

13. KSV Baunatal 21 7 3 11 27:32 24

14. TuS Dietkirchen 21 7 2 12 28:42 23

15. FV Bad Vilbel 20 5 5 10 31:40 20

16. SV Steinbach 19 4 3 12 20:50 15

17. SV Neuhof 20 3 4 13 23:50 13

18. FSV Fernwald 21 2 2 17 33:56 8

Punktabzug wegen fehlender Schiedsrichter: FC Hanau 93 1 Punkt.

Torjäger:

1. Leon Burggraf (SV RW Hadamar) 20

2. Can Cemil Özer (VFB Ginsheim) 18

3. Dominik Rummel (SGB Fulda-Lehnerz) 17

4. Mahir Saglik (KSV Hessen Kassel) 15

5. Turgay Akbulut (FC Eddersheim) 14

6. Nils Fischer (VFB Ginsheim) Laurin Vogt (Eintr. Stadtallendorf) 13

8. Felix Nolte (Eintr. Stadtallendorf) 12

9. Salvatore Bari (1. Hanauer FC) 11 10. Alban Meha (KSV Hessen Kassel) 10

11. Jonas Herdering (SV RW Hadamar) Jascha Döringer (Eintr. Stadtallendorf) Andre Fließ (SGB Fulda-Lehnerz) Shelby Printemps (TG Friedberg) 9

15. Hendrik Dechert (FC Eddersheim) Toni Reljic (SC Hessen Dreieich) 8

17. Guilherme Appel (Eintr. Stadtallendorf) Felix Erben (FSV Fernwald) Nils Herdt (RW Walldorf) Rolf Sattorov (KSV Baunatal) Patrick Schaaf (SGB Fulda-Lehnerz) Sebastian Schmeer (KSV Hessen Kassel) Nicolas Strack (FSV Fernwald) 7

24. Jason Schäfer (TuS Dietkirchen) Maximilian Zuckrigl (TuS Dietkirchen) Adrian Sanchez (KSV Hessen Kassel) Yves Böttler (SGB Fulda-Lehnerz) Petr Kvaca (SV Steinbach) Julian Ludwig (RW Walldorf) Christopher Nguyen (RW Walldorf) Max Schneider (SC Waldgirmes) Erdinc Solak (TG Friedberg) Denis Streker (SC Hessen Dreieich) 6

34. Jerome Zey (SV RW Hadamar) Younes Bahssou (SC Vikt. Griesheim) Masse Bell Bell (TG Friedberg) Maximilian Brauburger (FV Bad Vilbel) Kahraman Damar (1. Hanauer FC) Samir El Fahfouhy (SC Vikt. Griesheim) Radek Görner (SV Neuhof) Jonas Herberg (RW Walldorf) Damijan Heuser (Eintr. Stadtallendorf) Lukas Iksal (KSV Hessen Kassel) Ali Kazimi (SC Vikt. Griesheim) 5

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