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Eine Spielerin der TSG Ober-Eschbach lehnt sich nach dem Schlusspfiff gegen Mainz enttäuscht gegen die Wand.

Damenhandball, 3. Liga Ost

Das Handball-Drama von Ober-Eschbach

Nach dem 21:23 gegen Mainz müssen die „Pirates“ aber in die Relegation um den Klassenverbleib in der 3. Liga. Das erste Spiel ist am 11. Mai bei der TG Pforzheim. Zunächst gilt es aber die Wunden lecken. Denn die "Pirates" waren schon sehr nah dran am Klassenerhalt.

Eigentlich sollte am Abend des 1. Mai in der Albin-Göhring-Halle gefeiert werden. Das Saisonfinale, der Klassenerhalt, die tolle Rückserie der „Pirates“. Die Krönung einer denkwürdigen Runde, in der zwischendurch kein Trainer, kein Manager und nur eine gerade noch spielfähige Handballmannschaft da waren. Stattdessen setzte nach dem 21:23 gegen den FSV Mainz II ein Schockzustand bei den Handballerinnen der TSG Ober-Eschbach ein, gefolgt von tiefer Enttäuschung.

Lisa Lichtlein, die so gut wie jeder Gegenspielerin der 3. Liga Ost schon davon gelaufen ist, fiel auf die Knie und versteckte ihr Gesicht unter dem Trikot. Greta Bucher, das Talent hatte in den Wochen zuvor jeden Innenblock aufgehebelt, saß kraftlos in der Hocke und blickte ins Leere. Einige Mitspielerinnen vergossen bittere Tränen.

„Natürlich ist die Enttäuschung heute bei allen groß. Gerade, wenn man bedenkt, was wir im letzten halben Jahr hier alles gestemmt haben“, sprach Abteilungsleiterin Antje Salzer ihnen aus der Seele. Ein Punktgewinn hätte den sicheren Ligaverbleib und den Lohn für die großen Mühen bedeutet. Schon in Chemnitz beim 24:25 war er noch in der Schlussminute möglich, gestern ebenfalls. Doch es sollte nicht sein.

Dabei hatte das Spiel so gut für die TSG begonnen. Abermals kamen bestimmt 400 Zuschauer in die Halle, schon lange vor dem Anpfiff wurde das Team lautstark gefeiert. Die Spielerinnen nahmen, angeführt von einer starken Saskia Schwering, den Schwung mit. Nervosität oder Verkrampfung ob der Bedeutung des Spiels war nicht festzustellen. Einzig die extrem offensive Verteidigung musste angesichts von vier Gegentoren in den ersten vier Minuten justiert werden. Mit einer etwas gemäßigteren 3:2:1-Variante erspielten sich die Gastgeberinnen eine 7:4-Führung (8.). Doch das junge, quirlige Gästeteam, das den Ligaverbleib schon in der Tasche hatte, blieb dran.

Zur Halbzeit führte Eschbach zwar verdient mit 12:10, doch es zeichnete sich ein enger Spielverlauf ab. Nach dem Seitenwechsel wirkten die Pirates plötzlich verunsichert. Selbst einfach Pässe wurden plötzlich zur Zitterpartie. Es schien beinahe so, als sei der Mannschaft in der Kabine bewusst geworden, was man in den letzten 30 Minuten der Saison noch verspielen könnte.

„Natürlich ist der Druck bei so einem Finalspiel größer“, erklärte TSG-Mentalcoach Nic Adler, „aber die Mannschaft hat trotzdem ihre Leistung gebracht.“ Warum diese am Ende nicht ausgereicht hatte, wusste Alexander Adamski. Auch das habe mit dem Kopf zu tun gehabt, aber anders. „Wir konnten heute nicht mit dem Kopf durch die Wand“, beschrieb der Trainer, „und die Wand war eine fulminante Mainzer 6:0-Verteidigung.“ Jedes Tor musste hart erarbeitet werden. Bei einem Aufgebot von nur acht Feldspielerinnen wurden die Beine mit jeder Minute schwerer.

Die Gäste konnten mehrere Male in Führung gehen, mit bis zu drei Toren. Doch Eschbach steckte zu keinem Zeitpunkt auf und fand immer wieder Wege, um sich ins Spiel zurück zu kämpfen. Die letzte Führung jedoch gelang in der 47. Minute, was auch an der groß gewachsenen Torfrau Leonie Moormann lag. „Sie war heute überragend“, musste Adamski anerkennen, „sie hat einen Siebenmeter und sechs weitere Bälle stark gehalten.“

Die Herzschlag-Entscheidung gegen Mainz

Zu einem Herzschlagfinale kam es trotzdem. Franziska Chmurski wurde dabei zur tragischen Figur. In der 59. Minute fasste sich die Spielmacherin ein Herz und traf von halblinks zum 21:22. Im nächsten Angriff unterlief ihr aber ein leichter Ballverlust beim Kreuzen, was Milena Deppisch mit einer Parade beim folgenden Mainzer Gegenstoß wettmachte. Auszeit Ober-Eschbach, noch 36 Sekunden auf der Uhr. Chmurski kam nicht durch, nach einem Freiwurf warf Andrea Mertens den Ball halbherzig aufs Tor, so dass Theresa Horstmann per Tempogegenstoß zum 21:23 trifft. Abpfiff.

Adamski sammelte später seine Spielerinnen auf und richtete das Wort an sie. Parallel erklangen die ersten Takte von „The Show Must Go On“. Auch für die TSG Ober-Eschbach geht es in der Relegation weiter. „Wir sind dafür auf jeden Fall gemeldet“, bestätigte Manager Christoph Pohl. Freude über die letzte Chance auf den Klassenerhalt wollte gestern nicht aufkommen.

Pirates: Sophie Löbig, Milena Deppisch – Saskia Schwering (5), Pia Özer (5/1), Lena Riedel (4/1), Lisa Lichtlein (2), Greta Bucher (2), Franziska Chmurski (2), Claudia Mertens (1), Adrienn Zsigmond.

Die Relegation als letzte Chance: Am 11. Mai geht es nach Pforzheim

Durch ihre Siege am letzten Spieltag haben der Thüringer HC II und der HV Chemnitz die TSG Ober-Eschbach in der Tabelle der 3. Liga Ost noch überflügelt. Warum? Im Dreiervergleich der punktgleichen Teams auf Rang acht, neun und zehn haben die Pirates die schlechteste Bilanz (2:6 Zähler). Eigentlich wäre der Zehnte/Drittletzte abgestiegen. Weil jedoch aus der Oberliga Ostsee-Spree weder Meister noch Vizemeister aufsteigen wollen, ist ein Platz in den vier Staffeln der 3. Liga noch frei. Mindestens, denn wer weiß, ob alle Aufstiegskandidaten der anderen Oberligen hoch möchten beziehungsweise dürfen.

Die Spielkommission der 3. Liga hat nun eine Relegationsrunde für die Drittletzten der vier Staffeln angesetzt. Nord-Vertreter TSG Wismar hat verzichtet. Zum ersten Spiel tritt die TSG Ober-Eschbach am 11. Mai um 17.30 Uhr bei der TG Pforzheim (Süd) an. Weiter geht es am 18. Mai mit der Partie TVE Netphen (West) gegen Pforzheim, bevor die "Pirates" zum Abschluss am Samstag, 25. Mai, um 19 Uhr in der Albin-Göhring-Halle gegen Netphen spielen.

ROBIN KUNZE / THORSTEN REMSPERGER

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