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Vom Ersatzmann in den USA zur Stammkraft gereift: Luc Happel von den Bad Homburg Sentinels, rechts sein College-Teamkollege K. J. Hayes.

American Football, Bad Homburg Sentinels

Welche Erfahrungen "Panther" Luc Happel in den USA machte

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Wir erzählen aus der Zeit vor Corona die Geschichte von Luc Happel. Der Youngster des Football-Regionalligisten Bad Homburg Sentinels machte sich als Nobody am College in den USA einen Namen.

Seinen Traum von einer längeren Reise in die Vereinigten Staaten von Amerika konnte er sich erfüllen. Und bei seinem fünfmonatigen Aufenthalt im US-Bundesstaat Georgia hat Luc Happel, Nachwuchs-Footballer bei den Bad Homburg Sentinels, viele Erfahrungen gesammelt sowie zusätzlich an Selbstvertrauen gewonnen. Diese Zeit, sagt der 16-Jährige, "hat mich nach vorne gebracht - man wird dort viel mehr gefordert, auch die Einstellung ist größer".

Für ein Semester war Happel an der Georgia Southern University in Statesboro, die etwa 26 000 Studierende zählt, im Südosten der USA, gelegen zwischen dem historischen Savannah und Augusta. Und in der höchsten College-Liga spielte er für die örtlichen Portal Panthers. Bei den schwarzen Raubkatzen musste er sich erst einmal bewähren. Große Sprünge waren da zunächst nicht möglich. Aber in der Endphase der Saison stieg der Wide Receiver dann vom Ersatzspieler zur Stammkraft auf.

Wie bei den College-Teams ein Gemeinschaftsgefühl entfacht wird, kannte er aus hiesigen Gefilden nicht. "Der Zusammenhalt, die Fokussierung auf die vorgegebene Aufgabe war groß. Jeder steht für seinen Kameraden ein, und bei den Spielen gibt's Rückhalt von der ganzen Schule", schildert Happel.

Bei einer Gastfamilie lebte der junge Mann, der sonst in Bad Homburgs wohnt. "Ich wollte eine neue Kultur kennenlernen. Und meine Erfahrungen waren hauptsächlich positiv. Ich hätte nicht erwartet, wie freundlich dort die Menschen sind", sagt Luc Happel und kommt zu dem Fazit: "Ich kann dies definitiv empfehlen. Jeder, der die Chance hat, sollte sie nutzen." Ganz so günstig war das fünfmonatige Abenteuer allerdings nicht. "Mit allem Drum und Dran, also auch mit Taschengeld", sagt Happel, habe dies etwa 10 000 Euro gekostet.

Und was für ihn auch wichtig ist: dass er in Deutschland kein Schuljahr verliert. "Ich habe den Anschluss relativ schnell wieder gefunden, die schulischen Leistungen sind auf gleichem Niveau", betont Happel. Und seine neuen Fertigkeiten, die er bei den Panthers erlernt hat, will er baldmöglichst im U19-Team der Sentinels einbringen. Auch ihn bremst das Coronavirus derzeit aus.

Eric Hoerl ebnet den Sprung

Außer Luc Happel haben von den Sentinels weitere Spieler wie zum Beispiel Benny Sadtler den Sprung über den Großen Teich gewagt. Ermutigt, dies zu tun, hatte sie Eric Hoerl. Der 40 Jahre alte US-Amerikaner, der deutsche und österreichische Vorfahren hat, ebnet jungen Sportlern hierzulande den Weg, in den USA Sport und Schule zu verbinden. Seit rund vier Jahren kümmert sich der kräftige Mann aus Milwaukee (US-Bundesstaat Wisconsin) darum.

"Luc war ein Durchschnittsspieler. Diese Monate haben alles geändert", sagt er und fügt hinzu: "Ich biete das nicht nur für Footballer an, sondern auch für alle anderen Sportler, zum Beispiel Fußballern und Basketballern." Über ein oder zwei Semester läuft dann das Programm. Für das längere sind die Fixkosten in Relation deutlich preiswerter.

Hoerl, einst Semiprofi in den USA, war 2003 nach Deutschland gekommen. Der Defensivspezialist wechselte nach den Stationen Magdeburg Virgin Guards, Darmstadt Diamonds, Weinheim Longhorns, Marburg Mercenaries und Frankfurt Universe 2015 zu den Sentinels, lebt seit zwei Jahren auch in Bad Homburg. Hoerl war bis zu seinem Rücktritt im Februar als Jugendleiter und -trainer maßgeblich am Aufbau erfolgreicher Nachwuchsarbeit bei den Sentinels beteiligt.

Trotz dieses Bruchs mit dem Verein gebe es von Bad Homburger Jugendspielern weiterhin Interesse an einem Aufenthalt in den USA. Doch konkret seien die Anfragen wegen der aktuellen Lage nicht. Hoerl: "Wir müssen sehen, was mit Corona passiert."

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