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Harter Elfmeterpfiff raubt Hadamar den Nerv - Dietkirchen verspielt 2:0-Vorsprung leichtfertig

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Thomas Wilhelmy (SV Rot-Weiß Hadamar, vorne) schirmt den Ball geschickt gegen den Steinbacher Fabian Wiegand ab.
Thomas Wilhelmy (SV Rot-Weiß Hadamar, vorne) schirmt den Ball geschickt gegen den Steinbacher Fabian Wiegand ab. © Patrick Jahn

In der Fußball-Hessenliga hatten der SV Rot-Weiß Hadamar und der TuS Dietkirchen am Samstag nichts zu lachen. Die Fürstenstädter verloren auf eigenem Platz gegen den SV Steinbach mit 1:2, während die Reckenforstler trotz früher 2:0-Führung beim SC Waldgirmes mit 2:5 unter die Räder kamen.

VON PATRICK JAHN

SV Rot-Weiß Hadamar – SV Steinbach 1:2 (1:2). Was für ein aus Hadamarer Sicht grausamer Start: Der Sekundenzeiger hatte noch keine volle Umdrehung hinter sich, da lag das „Ei“ schon im „Nest“. Homan Halimi war bald nach dem Anstoß über die linke Seite durchgebrochen, passte auf den zweiten Pfosten, wo Trainersohn Petr Paliatka zum 0:1 einschoss. Der Treffer zeigte sichtlich Wirkung. Die Rot-Weißen wirkten verunsichert und hätten nach zehn Minuten schon aussichtslos hinten liegen können; nach einer Kopfballverlängerung von Sebastian Bott visierte Dumitru Neacsu das Außennetz an (4.), Alexander Reith zielte von der Strafraumgrenze knapp vorbei (5.), und Max Stadler schoss völlig freistehend nach Vorarbeit von Luca Uth über den Kasten (10.).

Dann aber – es war Hadamars erster ernstzunehmender Angriff – waren die Spieler von Trainer Stefan Kühne zurück im Spiel: Dillon Fosuhenes langer Einwurf in den Sechzehner hatte in Mirko Dimter den perfekten Abnehmer gefunden. Sein Kopfball landete im langen Eck zum 1:1-Ausgleich (14.). Und plötzlich gewannen die Fürstenstädter Oberwasser, waren giftig und gallig in den Zweikämpfen und kauften den Osthessen den Schneid ab. Fünf Minuten vor dem Kabinengang fing das Drama wieder von vorne an: Luca Teller rempelte Homan Halimi im Strafraum um – Elfmeter. Eine ziemlich harte Entscheidung von Schiedsrichter Timo Hager, aber auch keine krasse Fehlentscheidung. Alexander Reith, Dreh- und Angelpunkt der Steinbacher, ließ sich nicht zweimal bitten und verwandelte zum 1:2-Pausenstand (40.).

Nach Wiederbeginn wirkte der Tabellenletzte gewillt, war im Spiel nach vorne aber zu fehlerbehaftet und meist harmlos. Bis auf einen 16-Meter-Schuss Mirko Dimters (50.) und eine Großchance von Larion Kosuchin, der nach Vorarbeit von Marian Dillmann an der Fußabwehr Philipp Bagus‘ scheiterte (64.), passierte wenig. Die Steinbacher hingegen hätten der Partie schon vorzeitig den Entscheidungs-Stempel verpassen können. Alexander Reiths Freistoß küsste die Latte (55.), Max Stadlers Heber ging ebenso knapp vorbei (66.) wie Petr Paliatkas Versuch nach Doppelpass mit Max Stadler (74.). Und bei einem Kopfball von Dumitru Neacsu reagierte Torwart Leon Hasselbach genauso prächtig (85.) wie drei Minuten später gegen den völlig freien Fabian Göb (88.). In der Nachspielzeit ergab sich für Meris Ramcilovic dann doch noch eine Ausgleichschance, sein Schuss war aber sichere Beute von Philipp Bagus (90.+4).

Stefan Kühne nach Spielende: „Für den Abstiegskampf war das nicht der Männerfußball, den ich mir erwartet hätte. Wir waren zu ängstlich und mit Ball am Fuß zu hektisch. Daran müssen wir arbeiten. Uns ist bewusst, dass wir im Abstiegskampf stecken, wir hatten aber auch Pech, dass so ein Elfmeter gegen uns gepfiffen wird. Den muss man wirklich nicht geben.“

Hadamar: Hasselbach, Fosuhene, Dimter, Kittel, Teller (85. Ott), Zouaoui, Wilhelmy (61. Paul), Dillmann, Burggraf, Kosuchin, Sumak (61. Ramcilovic) – Steinbach: Bagus, F. Wiegand, Stadler, Uth, Halimi (66. Wittke), Hütsch, Bott (40. M. Wiegand), Paliatka, Neacsu, Kehl, Reith (83. Göb) – SR: Hager (Ginsheim) – Tore: 0:1 Petr Paliatka (1.), 1:1 Mirko Dimter (14.), 1:2 Alexander Reith (40./FE) – Zuschauer: 220.

SC Waldgirmes – TuS Dietkirchen 5:2 (2:2). Es ist schon ein Stück weit unerklärlich. Die Mannschaft von Trainer Steffen Moritz hatte einen Bilderbuchstart hingelegt und führte nach zehn Minuten durch einen Doppelpack Maximilian Zuckrigls scheinbar komfortabel mit 2:0. Beim ersten Treffer hatte der Torjäger einen Angriff über Gianluca Cicatelli und Dennis Leukel abgeschlossen (7.). Nur 180 Sekunden danach schlenzte „Zucker“ die Kugel aus etwa 14 Metern ins lange Eck zum 0:2 (10.). Was dann passierte, konnte sich auch TuS-Trainer Steffen Moritz nicht erklären: „Wir haben gegen einen Gegner, der nach einer Negativserie alles andere als vor Selbstvertrauen strotzt, einfach nicht weitergemacht und komplett den Faden verloren.“

Vom frühen Pressing und Ballgewinnen war fortan wenig zu sehen. Waldgirmes kämpfte sich ins Spiel und verkürzte durch den starken Maximilian Wiessner auf 1:2, nachdem er zunächst noch an Raphael Laux und dem Pfosten gescheitert war (26.). Bis auf eine Kopfballchance von Patrick Kuczok aus kurzer Distanz passierte in der Offensive der Dietkircher zu wenig. Der nächste Kritikpunkt des Trainers: „Ich habe eine Woche lang gepredigt, wie stark sie bei Standards sind.“ Seine Spieler hatten sich diese Worte scheinbar nicht zu Herzen genommen, denn Henry Erler köpfte einen Freistoß aus dem Halbfeld zum 2:2-Pausenstand in die Maschen (35.).

Der psychologische Vorteil, den sich die Lahnauer zweifelsohne erarbeitet hatten, war auch im zweiten Durchgang zu spüren. Der SCW wirkte trotz einer Kopfballchance von Maximilian Zuckrigl (48.) dominanter und schlichtweg besser. Der verdiente Lohn dafür war das Tor zum 3:2 von Maximilian Wiessner, der sich über wenig Gegenwehr aus Dietkirchens Defensive freute und das Spielgerät ins rechte Eck schoss (65.). Die Reckenforstler setzten alles auf eine Karte und hätten ausgleichen müssen, doch Jannik Schmidt verfehlte nach langem Ball das Ziel denkbar knapp (73.). Vier Minuten vor Ultimo konterte sich die Truppe von Trainer Mario Schappert ins Glück, als Felix Erben die Entscheidung besorgte. Zwar hätte abermals Max Zuckrigl für Spannung sorgen können, doch sein Versuch in der Nachspielzeit landete am Pfosten. Auf der anderen Seite war es wieder ein Konter, den der Sekunden zuvor eingewechselte Nico Götz mit dem 5:2 veredelte (90.+2).

„Wir bekommen weiterhin zu viele Gegentore. Die Niederlage ist sehr enttäuschend, weil der Gegner eben nicht viel besser war. Zudem waren im Spiel nach vorne einige unserer Leute nicht in Topform“, lautete das nüchterne Fazit von Steffen Moritz.

Waldgirmes: Buss, Erler, Schmidt, Golafra, Erben (90.+2 Götz), Stephan, Tega (63. Hartmann), Bartheld (88. Kim), Schneider (90.+3 Ünal), Fürstenau, Wiessner (71. Fürbeth) – Dietkirchen: Laux, Nickmann (77. Schmidt), Hautzel (87. Schmitt), Kratz, Leukel (82. Klöckner), Dankof (87. Böcher), Zuckrigl, Cicatelli, Bergs, Kuczok, Schmitz (58. Stahl) – SR: Marcus Rolbetzki (Marburg) – Tore: 0:1 (7.), 0:2 (10.) beide Maximilian Zuckrigl, 1:2 Maximilian Wiessner (26.), 2:2 Henry Erler (35.), 3:2 Maximilian Wiessner (65.), 4:2 Felix Erben (86.), 5:2 Nico Götz (90.+2) – Zuschauer: 250.

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