Entwarnung bei Wallau und Diedenbergen in Bezug auf Herpes und Corona. Dennoch ist noch fraglich, ob Lina Born von der RSG Rosshof Diedenbergen wirklich in diesem Jahr beim vereinseigenen Turnier an den Start gehen kann. foto: marcel lorenz
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Entwarnung bei Wallau und Diedenbergen in Bezug auf Herpes und Corona. Dennoch ist noch fraglich, ob Lina Born von der RSG Rosshof Diedenbergen wirklich in diesem Jahr beim vereinseigenen Turnier an den Start gehen kann.

Reitsport im Main-Taunus Kreis

Heimische Reitvereine trotzen den Krisen

  • Volker Hofbur
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Keine Herpes-Fälle bei heimischen Vereinen, aber wenige Wettkämpfe in Sicht

Als brächte das Coronavirus nicht schon genug Unannehmlichkeiten mit sich, müssen sich die Reitsportvereine im Frühjahr 2021 auch noch mit dem Herpes-Virus EHV-1 und dessen todbringender Mutation herumschlagen. Auch an den Main-Taunus-Klubs gehen diese Krisen nicht spurlos vorbei

Wallau/Diedenbergen -Die gute Nachricht zuerst: Im hiesigen Kreis sind keine Fälle bekannt, bei denen Pferde von dem Virus aus Valencia infiziert oder gar getötet worden sind. Entweder haben die Pferdesportler- und Züchter ihre Tiere schon gegen EHV-1 impfen lassen oder stehen mit ihnen auf einer Liste für die Verabreichung des Vakzins.

"Das ist auch nicht anders als beim Impfen gegen Corona", erklärt Kerstin Atzbach, "alle wollen den Impfstoff, aber bis er überall ankommt, dauert es eben eine Weile." Die ehemalige Vorsitzende und aktuelle Beisitzerin des RV Wallau sieht ihren Reitverein in Zeiten von Corona und dem Herpes gut aufgestellt. Auch wenn im Hofheimer Stadtteil noch auf die Impfungen gewartet wird. Diese könnten den Verlauf einer Herpes-Infektion stark abmildern. Schon im letzten Jahr hat Atzbach selbst ein Covid-19-Hygienekonzept ins Leben gerufen, das nun wegen des EHV1-Virus' nochmals streng angepasst wurde. Auswärtige Besucher dürfen den Fohlenhof aktuell nicht besuchen, und die über 100 Pferde werden nicht mit Tieren aus anderen Ställen in Kontakt gebracht. Bis zur Impfung.

Wirtschaftlich keine Probleme in Wallau

Wirtschaftlich muss sich die Beisitzerin keine Sorgen um ihren Verein machen. "Wir sind Holger Baum und allen Sponsoren sehr dankbar", stellt Atzbach klar. Auf dem Fohlenhof gibt es kaum laufende Kosten. Andere Höfe stehen vor dem Ruin, weil sie ihre Anlagen und Boxen nicht mehr bezahlen und auch keine Einnahmen durch Reitturniere oder Weihnachtsfeiern generieren konnten. Solche Fälle hat auch Sprecherin Atzbach auf dem Schirm: "Da fühlen wir uns schon privilegiert." Durch die günstigen Bedingungen in Wallau konnte im vergangenen Spätsommer sogar ein "Late Entry Turnier" über zwei statt vier Tage, mit späten Nennungen und abgespeckten Prüfungen durchgeführt werden. "Für die Pferde ist nicht nur die Bewegung wichtig, sondern auch das Wettkampfgefühl", findet Atzbach. Dass Zuschauer bei dem Turnier nicht zugelassen werden konnten, mussten die Wallauer in Kauf nehmen.

"Für uns macht so etwas ohne Zuschauer gar keinen Sinn", stellt Nicole Blätterlein klar. Im Vergleich zum Nachbarverein, vier Kilometer weiter westlich, zeichnet die Pressesprecherin vom Rosshof in Diedenbergen ein anderes Bild: "Nur für Pferde und Reiter ein Turnier auszurichten, ist nicht möglich, weil die Kosten zu hoch sind", stellt sie klar. Dabei sind die über 60 Pferde bei der Familie Born schon gegen das Herpes-Virus geimpft. Die Corona-Restriktionen machen allen Reitsportfreunden im Verein zu schaffen. "Dass wir als Individualsport eingestuft und deswegen privilegiert sind, kann ich nur teilweise unterschreiben", stellt Blätterlein klar. Schließlich fehlen Mensch und Tier trotzdem die Routinen, Bewegungen und Abläufe. "Wir halten uns an die Regeln der FN (reiterlicher Dachverband; Anm. d. Red.) und machen deswegen kein Training, sondern bewegen die Pferde nur. Das sind die gleichen Probleme wie in Zoos oder Tierparks." Während die Wallauerin Franziska Baum auf Profiturnieren unterwegs und dort auch ziemlich erfolgreich war, bestritten Linus und Vater Manfred Born aus Diedenbergen kein Turnier im vergangenen Jahr und sind auch 2021 im Wartestand.

Am 1. Mai wäre das Erbenheimer Turnier im hiesigen Reitkalender der erste große Eintrag. "Da darf man gespannt sein, ob und wie das stattfinden wird", meint Kerstin Atzbach in Zeiten von Corona-Inzidenzen klar über der 100er-Marke. Ob die Wallauerin auch in diesem Jahr ein Turnier auf dem Fohlenhof ausrichten kann, ist kaum absehbar.

Auch auf dem Diedenbergener Rosshof soll die zweijährige Turnierpause beendet werden. Allerdings sind die Verantwortlichen in der Planung vorsichtig und auf kurzfristige Restriktionen eingestellt. Die traditionellen Turniere in den Hofheimer Stadtteilen wurden von den Verantwortlichen zeitlich im Spätsommer beziehungsweise in den Herbst verlegt. "Wir peilen die Tage zwischen dem 26. und 29. August an", verrät Atzbach. Und Blätterlein spricht vom "zweiten September-Wochenende". "Vielleicht klappt es ja." Alle Beteiligten hoffen, dass nicht nur das EHV-1-Herpes-, sondern auch das Coronavirus dann endlich eingedämmt sind. Alexander Wolf

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