Triathlon, Hochtaunus

Henry Graf mischt die deutsche Triathlon-Elite auf

  • Thorsten Remsperger
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Der Königsteiner Henry Graf sprintet in Berlin auf Platz drei. Beinahe hätte der 19-Jährige sogar einen Olympia-Teilnehmer übertrumpft.

Henry Graf (rechts) stößt bei der Flower Ceremony mit Justus Nieschlag (links) und Sieger Tim Hellwig an.

Berlin/Königstein -Der Triathlon stellt für gewöhnlich den Menschen vor extreme körperliche Herausforderungen, aber wie er diese Aufgabe bewältigen sollte, wusste Henry Graf beim besten Willen nicht. Zur Flower Ceremony wurde der junge Königsteiner direkt nach dem Sprint um den deutschen Meistertitel gerufen, denn er hatte gerade mit seinen 19 Jahren als Dritter die nationale Ausdauerdreikampf-Elite mächtig aufgemischt.

Außer Blumen gab's auch ein großes Glas voll Bier für Sieger Tim Hellwig, den Zweitplatzierten Justus Nieschlag, und eben ihn, Henry Graf. Als er die Maske absetzen durfte, habe er sich prompt die kühle Erfrischung in die Kehle laufen lassen. "War leider alkoholfrei", flachst Graf.

Jedoch ging's bald darauf mit der offiziellen Siegerehrung weiter. Und zwar sowohl für den Elite-Wettkampf als auch für die U23-Wertung, in der Graf hinter Hellwig Rang zwei belegte. Abermals bekamen die Top-Trias eine Pulle Gerstensaft in die Hand gedrückt. "Ich habe mir dann ein wenig helfen lassen", so Graf schmunzelnd.

Der groß gewachsene Königsteiner war bester Laune in der Retrospektive auf den Wettkampf, der mit seinem bis dato größten Erfolg endete. Schon mit 17 war der frühere Jugend-Olympia-Teilnehmer bei der Männer-DM dabei gewesen und hatte als Siebter gefinisht. Diesmal war er als deutscher Juniorenmeister am Start, gemeldet für das Triathlon-Team des MTV Kronberg, und die Perspektiven waren nicht so schlecht. Doch dass es Platz drei wurde, "das ist richtig krass, damit habe ich nicht gerechnet. Eine Medaille war eine Traumvorstellung vor dem Rennen", sagt Graf.

Mit dem Darmstädter Team auch über Rang drei gefreut

Mit dem dritten Platz im Teamwettkampf am Donnerstag hatte es schon prima angefangen. Der Wettbewerb war der DM vorgeschaltet und nicht so unwichtig, weil er in Tokio erstmals im olympischen Programm sein wird. Dafür absolvieren zwei Frauen und zwei Männer hintereinander einen Mini-Triathlon über 250 Meter Schwimmen, 5 Kilometer Radfahren und 1500 Meter Laufen. Für das Team von Bundesligist DSW Darmstadt begann Jule Behrens. Als nächstes war Graf an der Reihe, der als Dritter an Finja Schierl übergab. Diese und Schlussläufer Mika Noodt hielten den Bronzerang bis ins Ziel.

Nach nur einem Tag Pause startete Behrens, die in der Leichtathletik das Trikot des Königsteiner LV trägt, im Einzelrennen der Frauen (Platz 15), zwei Tage immerhin hatte Graf zum Regenerieren. "Geht schon", sagt der Physik-Student zum straffen Zeitplan. Das, was der Youngster dann über die Sprintdistanz (750 Meter Schwimmen, 20 Kilometer Radfahren, 5 Kilometer Laufen) ablieferte, sei schon nah dran "am perfekten Rennen" gewesen.

Hinter Hellwig stieg Graf als Zweiter aus dem Wannsee. In der Wechselzone ging es aber nicht so schnell vonstatten, wie er sich das wünschte. Auch mit dem Fahrrad blieb er hängen. Also fand er sich in der Verfolgergruppe eines vierköpfigen Spitzenquartetts wieder. Zwischendurch musste er "richtig hart fahren", um ranzukommen.

Auf der Laufstrecke hängte sich Graf sogar an den führenden Hellwig dran, weil er sich noch "gut fühlte", jedoch fehlte ihm dadurch die Power auf der abschließenden Runde. Justus Nieschlag, seines Zeichens Olympia-Teilnehmer, zog noch an ihm vorbei. Aber auch Platz drei nach 50:55 Minuten, nur zwölf Sekunden hinter Hellwig und vier hinter Nieschlag, war "einfach nur cool".

Die Olympia-Qualifikation vor ein paar Wochen hatte Graf übrigens wegen fehlender internationaler Resultate nicht absolvieren dürfen. Wer weiß, vor Paris 2024 wird sich das vielleicht ändern. Jetzt aber, nach Bierkonsum bei der Siegerehrung und Regeneration im Training, gilt sein Fokus erst einmal den U20-Europameisterschaften. Denn in zwei Wochen möchte Henry Graf in Kitzbühel wieder voll angreifen.

Rubriklistenbild: © Fotostand / Reuhl via www.imago-images.de

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