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Unvergesslicher Moment: Triathlet Henry Graf läuft im Oktober 2018 bei den Youth Olympic Games in Buenos Aires ins Ziel. Er wurde im Einzel Neunter und holte später mit dem Team Bronze.

Triathlon, Hochtaunus

Henry Graf steckt sich hohe Ziele: Deutscher Meister und WM-Ticket

Als Senkrechtstarter vertrat Henry Graf vor gut zwei Jahren bei den Youth Olympic Games in Buenos Aires die deutschen Farben. Wie es dem großen Triathlon-Talent seitdem ergangen ist, erzählt er in unserem Porträt.

Königstein – Die Trainingsvoraussetzungen sind in diesem Winter nicht gerade ideal für den Triathleten Henry Graf. Regelmäßige Schnee- oder Regenfälle sind kein Motivationsschub, sich auf die Laufstrecke respektive den Radrundkurs zu begeben. Dann wird dankend die heimische Rolle vorgezogen, da kann man kräftig durchtreten, ohne achtgeben zu müssen, von einer rutschigen Straße abzukommen. „Beim Laufen muss ich eh aufpassen“, sagt Graf. Im November und Dezember hatte ihm eine Reizung im Knie ein wenig zugesetzt.

Nichtsdestotrotz ist das Trainingspensum beeindruckend, das Graf jede Woche absolviert. „Ich komme etwa auf 18 Stunden“, sagt der Königsteiner. Zwischen 40 und 50 Kilometer Laufen gilt es bewältigen, dazu kommen 20 bis 25 Kilometer Schwimmen, und auf dem Rad, eben hauptsächlich auf der Rolle, verbringt er etwa sechs Stunden. „Im Winter ist es weniger als im Sommer.“ Athletik-Einheiten werden freilich auch eingestreut.

Der lange Weg auf die Bermudas

Der Aufwand ist groß aber zugleich auch essenziell, denn nach dem verlorenen Corona-Jahr 2020 stehen in den kommenden Monaten große Ereignisse im Fokus des 19-Jährigen. In seinem letzten Jahr als Junior peilt er Teilnahmen an den U20-Europameisterschaften und -Weltmeisterschaften an. Dazwischen finden die deutschen Meisterschaften statt.

Doch zunächst gilt es für Graf, sich Mitte Mai beim Deutschland-Cup im nordbadischen Forst für die EM fünf Wochen später in Kitzbühel/Tirol zu qualifizieren. „Der Erste und Zweite sind sicher dabei, eventuell auch noch der Dritte und Vierte“, sagt Graf.

Die Qualifikation für das kontinentale Championat sollte machbar sein für den 1,96 Meter großen und 75 Kilo schweren Athleten. Die eigenen Ansprüche sind hoch, denn bei der DM im oberbayerischen Schongau (Mitte Juli) will Henry Graf auf dem Podest stehen, möglichst ganz oben. „Ich möchte den Titel holen“, gibt er seine Zielsetzung vor. Dann wäre der Weg frei zu den Bermudas. Auf der Inselgruppe im Atlantik findet im Oktober die WM statt – mit ebenfalls zwei bis vier deutschen Startern.

Dass Henry Graf in die nationale Nachwuchsspitze durchstarten würde, war nicht absehbar. Seine Materie war lange Zeit das Wasser, in diesem zog er für den Hofheimer SC seine Bahnen. 2017 avancierte er zum süddeutschen Jahrgangsmeister in seiner Paradedisziplin 200 Meter Rücken, bei den deutschen Meisterschaften belegte er den siebten Rang. Das folgende Jahr, 2018, erwies sich für ihn als Wendepunkt. „Ich hatte technische Probleme, war mit mir nicht so zufrieden, da ich auch langsamer war als 2017, das schwimmerisch für mich ein gutes Jahr war“, schildert Graf.

Um einen Impuls zu setzen, nahm der junge Mann für den MTV Kronberg beim Triathlon-Deutschland-Cup teil – und wurde Zweiter. „Dann bin ich voll umgestiegen. Davor habe ich nur aus Spaß einmal im Jahr einen Triathlon gemacht.“ Das Training änderte sich grundlegend. Habe das Schwimmen 2017 noch 80 bis 85 Prozent des Gesamtumfangs ausgemacht, ging der Wert auf 40 zurück. Entsprechend auch die Veränderungen beim Laufen (von 10 bis 15 auf 20 bis 25 Prozent) und Radfahren (von 5 auf 35 bis 40 Prozent).

2018 holte Graf bei der A-Jugend-DM bereits Bronze. „Ich wäre gerne Meister geworden, hatte jedoch einen Sonnenstich, lag am Mittwoch vor dem Wettkampf noch im Bett“, sagt er. Bei einer Projektwoche in der Schule hatte er sich dieses Malheur eingehandelt. Es folgte der neunte Rang bei den olympischen Jugendspielen im Einzel und Bronze mit der Mannschaft in Buenos Aires – ein durchschlagender wie motivationsfördernder Erfolg. Bei der Qualifikation hatte er die nationale Jugend-Elite düpiert.

2019 erreichte der gebürtige Bad Sodener den siebten Platz bei der offenen Meisterschaft in Berlin und wurde Mitglied im Nachwuchskader der Deutschen Triathlon-Union (DTU). Im vergangenen Jahr gewann der Dreikämpfer den Junioren-Europa-Cup in Riga und startete erstmals bei einem Europacup im Elite-Bereich – im portugiesischen Alhandra erreichte er Rang elf.

Inzwischen hat Henry Graf seine Aktivitäten mehr in den Süden Hessens verlagert. In der Triathlon-Bundesliga agiert er seit 2019 für den Darmstädter Schwimm- und Wassersportclub, beim DSW ist Benjamin Knoblauch der Cheftrainer. Und seit diesem Wintersemester studiert der Triathlet aus dem Hochtaunus in der Wissenschaftsstadt Physik. Im Woogsviertel hat er seit Dezember ein Zimmer in einer WG. „Mit einem Triathleten“, sagt er. Da dürfte die Chemie stimmen.

TZ-Sportlerwahl: Stimmen Sie jetzt ab

2019 belegte Henry Graf bei der Wahl zum „Sportler des Jahres“ den zweiten Platz. Jetzt können Sie, liebe TZ-Leser, wieder Ihre Stimme abgeben. Votieren Sie für Ihre Favoriten. Unter allen Teilnehmern verlosen wir attraktive Preise wie einen Kurzurlaub in Nürnberg.

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