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Der Friedrichsdorfer Ulrich Strenkert (rechts) kann heute seine Erfahrung aus der Hessen- und Verbandsliga einbringen.

Fußball, Hochtaunus

Hessenpokal: Die SF Friedrichsdorf fordern heute Regionalligist TSV Steinbach heraus

Es ist nicht der große Name, für Gruppenligist Sportfreunde Friedrichsdorf und für manchen Anhänger des Fußballs im Hochtaunus aber allemal das „Spiel des Jahres“. Wir haben uns beim „Underdog“ umgehört und stellen den großen Favoriten für das heutige Hessenpokalspiel, den TSV Steinbach Haiger, vor.

Wenn Trainer Adrian Alipour davon spricht, dass „Vorbereitung und Intensität nicht vom üblichen Betrieb vor Regionalliga-Spielen abweichen“, weiß der Fußball-Fan Bescheid. Viertligist TSV Steinbach Haiger nimmt seine Aufgabe im Hessenpokal bei den drei Spielklassen darunter angesiedelten Sportfreunden Friedrichsdorf sehr ernst. Zweimal hat der Tabellenzweite der Regionalliga Südwest das Taunus-Team beobachten lassen, zweimal extra auf Kunstrasen trainiert, um sich auf die Gegebenheiten im Sportpark einzustellen. Anpfiff ist am heutigen Mittwoch in Friedrichsdorf um 20 Uhr.

Der Sportliche Leiter der Sportfreunde, Martin Schmidt, will keinen großen Druck auf die Mannschaft aufbauen. „Sie sollen dieses Spiel als bisheriger Höhepunkt in unserem Verein mit viel Spaß genießen“ rät er den Spielern. Definitiv werden Ex-Profi Stefan Hickl und René Krieg nicht dabei sein. Beide sind längerfristig verletzt. Ins Tor wird dafür Urlauber Enver Osmanovic zurückkehren.

Das hört sich auf Steinbacher Seite schon anders an. „Wir wollen die Partie unbedingt gewinnen. Es ist uns genauso wichtig wie ein Meisterschaftsspiel. So werden wir die Begegnung auch angehen, denn wir haben die Pflicht, eine Runde weiter zu kommen“, wird Trainer Alipour (zuvor Wuppertaler SV) auf der Webseite des Vereins zitiert. Der Proficlub gehört zu den ambitionieren in der Regionalliga Südwest. Nach dem Einstieg eines regionalen Bremsenherstellers als Sponsor war der TSV ab der Saison 2008/09 sechsmal aufgestiegen und spielt seit 2015 viertklassig.

Im Hessenpokal haben die Westhessen unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Nach dem Endspiel-Triumph im Jahr 2018 gegen Hessen Kassel (2:0) forderte Steinbach den Bundesligisten FC Augsburg im DFB-Pokal heraus und unterlag vor gut 4000 Zuschauern nur knapp mit 1:2. Dagegen schied die Elf im letzten Pokalwettbewerb auf Landesebene bereits im Achtelfinale beim Hessenligisten KSV Baunatal aus. Diese Blamage soll sich im Taunus keinesfalls wiederholen. Deshalb, so Alipour, werde es im Kader zwar Änderungen, aber „definitiv keine Experimente geben“.

Als Tabellenzweiter mit den wenigsten Gegentoren der Liga und nur einer Auswärtsniederlage steht der TSV glänzend da. Zuletzt spielte das Team um den früheren Bundesligaprofi Nico Herzig (Alemannia Aachen, Arminia Bielefeld) 2:2 bei der U23 von 1899 Hoffenheim.

Welches ihrer Gesichter die wankelmütig spielenden Gastgeber heute Abend zeigen, dürfte klar sein. Wenn es gegen starke Gegner geht, wussten die Sportfreunde schon zu überzeugen, jedoch liegt das Team von Trainer Josip Coric wegen seiner sehr schwankenden Leistungen nur auf dem achten Platz. Im Hessenpokal jedoch kegelte die Mannschaft, die von Ex-Profi Alexandros Theodosiadis (Kickers Offenbach) angeführt wird, schon Gruppenligist Hellas Schierstein (5:3) und Verbandsligist Hanauer SC (3:0) raus.

Jetzt also der richtig dicke Brocken TSV Steinbach Haiger. Eine Sensation ist nicht vollends auszuschließen. Dazu müssten die Sportfreunde aber einen echten Sahnetag erwischten und die Gäste einen wirklich rabenschwarzen. Mal sehen wie die – für Gruppenliga-Verhältnisse – starke Offensive des Außenseiters zur Geltung kommt.

Interview mit Sportfreunde-Torjäger Florian Kister

Wir haben mit Mannschaftskapitän Florian Kister gesprochen, der vor kurzem von unserer Zeitung die Torjägertrophäe erhalten hat. 35 Treffer erzielte er in der vergangenen Saison in der Kreisoberliga, die wesentlich zur Meisterschaft und zum Aufstieg beigetragen hatten.

Reporter Wolfgang Kullmann überreicht Florian Kister die TZ-Torjägertrophäe.

Herr Kister, in elf Spielen der laufenden Gruppenligasaison trafen Sie fünfmal. Das ist nicht schlecht, aber auch nicht herausragend. Ihr Anspruch liegt doch sicher höher? 

Ja, es läuft nicht so gut, wie ich mir das vorstelle. Bei mir selbst aber auch in der gesamten Mannschaft. Da geht sicher mehr, wenn wir beständiger spielen.

Wie erklären Sie sich die ständigen Schwankungen in der Leistung Ihres Teams. Man sah in den letzten Wochen viele Auf und Abs?

Durch Verletzungen mussten wir immer wieder umstellen. Aber das allein ist keine schlüssige Erklärung. Vielleicht haben wir uns die Gruppenliga etwas leichter vorgestellt. In den Pokalspielen waren wir ja bisher sehr erfolgreich.

Wenn man es als Generalprobe ansieht, so war das Spiel am Samstag bei Vatanspor Bad Homburg trotz eines 4:2-Sieges nicht berauschend. Da muss sicher mehr kommen. . .

Auf jeden Fall. Das ist am Mittwoch etwas ganz anderes. Wir wollen mit viel Freude und hoher Einsatzbereitschaft als krasser Außenseiter uns selber beweisen, dass wir wesentlich mehr können. Es wird ein absolutes Highlight, wir haben eigentlich nichts zu verlieren. Das ist vielleicht auch unsere Chance, für eine Überraschung zu sorgen.

Seit kurzem sind Ihre Haare blond. Das hatte Robert Lewandowski auch praktiziert und wurde in der Bundesliga wieder Torschützenkönig. Hat Sie das inspiriert? 

(lacht) Nein, an Lewandowski habe ich mich nicht orientiert. Ich wollte einem Freund helfen, der seine Friseurprüfung absolvieren musste und sich bei mir besonders kreativ zeigen wollte.

Ein Bad Homburger arbeitet beim TSV Steinbach Haiger mit

Für Arne Wohlfahrth wird das heutige Hessenpokal-Achtelfinale in Friedrichsdorf fast ein Heimspiel sein. Der Fußballfunktionär des TSV Steinbach Haiger wohnt mit seiner Frau und seinen drei Söhnen in Bad Homburg und ist vielen als früherer Handballer der TSG Ober-Eschbach bekannt. Der 38-jährige Wohlfahrth ist im August in die Geschäftsführung des Regionalligisten aus dem nördlichen Teil des mittelhessischen Lahn-Dill-Kreises eingestiegen. Der langjährige Sportjournalist verantwortet die Bereiche Marketing und Kommunikation in der Geschäftsstelle im Sibre-Sportzentrum Haarwasen in Haiger. Wohlfahrth war zuvor als kommissarischer Leiter der Sportredaktion der Zeitungsgruppe Lahn-Dill in Wetzlar tätig und hat auch schon für diese Zeitung über Großereignisse berichtet.

Arne Wohlfarth (TSV Steinbach Haiger)

Die neue Aufgabe reizte Wohlfahrth auch deswegen, weil er in Eschenburg-Eibelshausen aufgewachsen ist und sozusagen ein Kind der Region Lahn-Dill ist. Im Club stecke noch so viel Potenzial, das er im Team um Sportchef Matthias Georg wecken wolle. Diese Saison verliefe mit bis dato 29 Punkten als Tabellenzweiter „überragend“, so Wohlfahrth. Eigentlich sei nach einem großen personellen Umbruch in der Mannschaft mit dem neuen Trainer Alipour erst einmal das Ziel gewesen, „nicht hinten reinzurutschen“. Das Team präsentiere sich aber schon „sehr gefestigt und fußballerisch gut“.

Im Friedrichsdorfer Sportpark freut sich Wohlfahrth nun auf einen schönen Pokalabend mit möglichst vielen Zuschauern. „20 Leute bringe ich mit“, schmunzelt der TSV-Funktionär. Zu den Sportfreunden hat die Familie eine recht enge Verbindung, da mit Kai Hohmann und Stefan Hickl zwei Cousins von Wohlfahrths Gattin Tatjana dort spielen.

WOLFGANG KULLMANN / THORSTEN REMSPERGER

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