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Heute geht's um den letzten Platz in der Kreisoberliga

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Von: Wolfgang Bardong

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Michael Drogi, Trainer des FC Mammolshain.
Michael Drogi, Trainer des FC Mammolshain. © Heiko Rhode

EFC Kronberg kontra FC Mammolshain: Um 20 Uhr wird das Relegationsspiel zur KOL angepfiffen. Als Favorit sieht sich keines der beiden Teams.

Hochtaunus -Jeder verdient eine zweite Chance. Sagt man. Und ist auch völlig richtig. Und so erhalten heute Abend auch die Fußballer des EFC Kronberg und des FC Mammolshain noch eine zweite Chance, die Saison doch noch zu einem guten Abschluss zu führen.

Problem dabei ist: Nur einer von beiden wird diese Chance nutzen können - und die Saison 2022/23 in der Kreisoberliga verbringen. Kämpfen der EFC als KOL-Dreizehnter und der FCM als "Vize" der Kreisliga A doch heute Abend ab 20 Uhr auf dem Kunstrasenplatz der SG Oberhöchstadt an der Le-Lavandou-Straße um das letzte freie Ticket zur neuen Spielzeit in der Kreisoberliga - wenn nötig, inklusive Verlängerung und/oder Elfmeterschießen.

Im Laufe dieser Woche schoben sich beide Seiten die Favoritenrolle gegenseitig zu. Für Michael Drogi, Trainer des FC Mammolshain, steht fest: "Kronberg als Klassenhöherer ist prinzipiell der Favorit." Sebastian Schwarzer, sein Kronberger Kollege, hält dagegen: "Für mich ist der FCM heute Favorit. Die Mammolshainer kommen mit dem Schwung von 62 Punkten aus 28 A-Liga-Spielen - das ist schon 'ne Hausnummer."

Dass der FC Mammolshain allerdings im allerletzten Spiel der regulären A-Liga-Runde vom 1. FC Oberursel noch vom Meisterthron gestoßen worden war und Zeuge eines 5:1 des FCO gegen den TV Burgholzhausen wurde, mag Schwarzers Einschätzung, der FCM bringe "gehörige Euphorie" ins heutige Spiel mit, ein wenig relativieren. Das allerdings tut Michael Drogi schon selbst: "Uns war schon nach dem 1:1 in unserem vorangegangenen letzten Saisonspiel gegen die SG Westerfeld klar, dass uns Oberursel wohl noch von Platz eins verdrängen würde." Die Enttäuschung darüber sei "natürlich da gewesen", habe aber "gerade mal ein Glas Bier gedauert - am nächsten Morgen haben wir uns dann kurz geschüttelt und waren uns schnell einig, dass wir doch froh sein können, jetzt überhaupt noch um den Aufstieg spielen zu dürfen."

In diesem Zusammenhang verweist Drogi darauf, dass man ja vor Rundenbeginn das Wort "Titelgewinn" gar nicht in den Mund genommen habe. Vielmehr sei man, so Drogi, mit dem Ziel "Platz acht bis zehn" in die Runde eingestiegen. Im weiteren Verlauf habe man die Zielsetzung auf "Rang vier bis sechs" nach oben korrigiert - um sich erst in der Winterpause als Spitzenreiter zu schwören: "Diesen ersten Platz wollen wir jetzt so lange wie möglich behalten."

Kronberg war "schon weg vom Fenster"

Da waren die Voraussetzungen beim EFC Kronberg vor dem abschließenden KOL-Spiel am vergangenen Freitag gegen DJK Bad Homburg II (2:1) gänzlich anders. "Wir waren eigentlich nach der Vorrunde schon weg vom Fenster. Mit nur neun Punkten nach 15 Spielen steigst du normalerweise ab", sagt Schwarzer. Das Verletzungspech hatte sein Team kräftig gebeutelt - so heftig, dass man zur Winterpause gleich zwei Mal den Rettungsanker auswarf und zum einen diverse Kräfte reaktivierte, zum anderen Spieler aus der 1b "hochzog". Hierbei gilt es Armin Herbert und Roman von Hörsten zu nennen.

"Die zwei sollten ursprünglich nur in der 2. Mannschaft aushelfen, haben sich nach dem Winter aber in der ,Ersten' etabliert", sagt Florian Kiekheben-Schmidt (39). Anfangs der Runde als Co-Trainer von Schwarzer tätig, half er in der Folge nur noch sporadisch rund ums Kronberger KOL-Team aus und spielt seit Oktober in der 1b, deren Kapitän er ist.

Auch Pep und "Kloppo" würden schweigen

In Bestbesetzung kann heute Abend nur der FC Mammolshain antreten. "Bei uns fehlt keiner. Zumindest, was die Formation der letzten Wochen angeht." Auf Kronberger Seite blickt man da schon in angespanntere Mienen. So verweist Schwarzer auf vier Ausfälle: Kapitän Marius Becher erlitt am 15. Mai bei der 2:5-Niederlage in Weißkirchen einen Kreuzbandriss, wird aber heute Abend als Zuschauer am Platz mitfiebern. Neben Becher, den sein Trainer heute gerne auch als sichersten Elfmeterschützen dabei gehabt hätte, muss der EFC zudem noch auf Krzysztof Mernberger, Stefan Both (beide in Urlaub) und Youngster Roman von Hörsten (noch geschwächt von einer Covid-19-Erkrankung) ersetzen. Bechers Kapitänsbinde wird Marcel Würges überstreifen.

Wie schätzt man eigentlich den heutigen Gegner ein? Dazu will sich Michael Drogi nicht in die Karten schauen lassen: "Das behalte ich natürlich für mich. Pep Guardiola oder Jürgen Klopp würden auch nicht drei Tage vor einem so wichtigen Spiel alle Erkenntnisse, die sie zu einem Gegner haben, ausplaudern, oder?"

Schwarzer und EFC gehen auseinander

Für Sebastian Schwarzer steht indes fest: "Einen Wayne Schäfer, der 29 Buden in der Saison macht, müssen wir natürlich ausschalten. Aber nicht nur ihn gilt es zu beachten. Der FCM hat auch ein starkes Mittelfeld. Aber was haben wir heute schon noch zu verlieren. Wir werden voll auf Sieg spielen. Totgesagte leben ja manchmal länger. Eigentlich waren wir ja schon weg,"

Apropos "weg": Für Schwarzer wird es heute das letzte Spiel als EFC-Trainer sein. Der Vorstand und er hätten sich "in beiderseitigem Einvernehmen" darauf geeinigt, nach dem Relegationsspiel getrennte Wege zu gehen. Mehr wolle er dazu nicht sagen. Zunächst jedenfalls. Um dann aber doch tiefblickend anzumerken: "Es muss halt immer einen Sündenbock geben." Florian Kiekheben-Schmidt betont jedenfalls: "Die Mannschaft hätte gerne mit Basti weitergearbeitet - definitiv."

Sei's drum, Schwarzer ist ab Samstag clublos und würde dies auch gerne vorerst bleiben ("Nach den letzten acht Jahren bin ich ziemlich müde"). Gern würde er "mal ein Päuschen einlegen - aber man weiß ja nie, was kommt".

"Hoffentlich keine Depri-Fahrt"

"Weg zu sein", das gilt auch für den morgigen Samstag. Während die Mammolshainer keine Abschlussfahrt geplant haben, geht der EFC nämlich morgen bis Montag auf Tour, nach Willingen. "Hoffentlich wird's für uns keine Depri-Fahrt", sagt Kiekheben-Schmidt. Schwarzer entgegnet: "Ich werde am Sonntag nachreisen. Zwei Tage schaffe ich nicht mehr. Ich bin schließlich schon 43 Jahre alt."

Sebastian Schwarzer, Trainer des EFC Kronberg.
Sebastian Schwarzer, Trainer des EFC Kronberg. © Heiko Rhode

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