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Als „Flyer“ ist Nora Geis beim Cheerleading immer oben auf. Ihre beiden Teamkameradinnen von Eintracht Frankfurt stützen die Königsteinerin bei dieser Hebefigur.

Cheerleading

Bis in den Himmel und zurück

Sie vollbringen nicht nur körperliche Höchstleistungen, sie gehen auch ein hohes Risiko ein: Cheerleading gehört zu den gefährlichsten Sportarten der Welt. Die Königsteinerin Nora Geis steckt mit ihrem Team bereits jetzt in der Saisonvorbereitung. Ihr neuer Trainer war schon bei Weltmeisterschaften erfolgreich.

Nora Geis gehört zu den „Flyern“. Bei Hebefiguren steht sie ganz oben, wirbelt bei Würfen mit Saltos und Schrauben gekonnt durch die Luft, mitunter knapp bis an die Decke der Sporthalle hinauf. Cheerleading, wie es die 22 Jahre alte Königsteinerin betreibt, ist höchst anspruchsvoller Leistungssport. „Man muss blindes Vertrauen zu den Teamkollegen haben“, sagt Nora Geis.

Mindestens dreimal wöchentlich wird zwei bis drei Stunden lang trainiert. Wenn es im Herbst an die unmittelbare Saisonvorbereitung geht, kommen diverse Trainingswochenenden hinzu. Die bedingungslose Bereitschaft zum (zeit-)intensiven Training ist eine wesentliche Voraussetzung. Ohne feste Partner können keine neuen Elemente einstudiert werden, wird keine Gruppenkür auf die Beine gestellt. „Man sagt zum Beispiel kein Training ab, weil man etwas für die Uni lernen muss“, erklärt Nora Geis. Bei den Wettkämpfen trägt die Königsteinerin den Adler auf der Uniform. Ihr Verein ist Eintracht Frankfurt. Dort ist sie Teil des „Senior Coed 6“, einer gemischtgeschlechtlichen Formation, deren Sportler mindestens 15 Jahre alt sein müssen. Die Zahl 6 zeigt, dass das Team in der Königsklasse seiner Sportart antritt, zum Beispiel dreistöckige Menschenpyramiden bauen darf.

Die Frankfurter gehören zu den besten Vereinen Deutschlands, waren zuletzt dreimal in Folge Deutscher Meister, zeigten ihr Können bereits mehrfach bei den Weltmeisterschaften, die jedes Jahr im Walt Disney World Ressort in Orlando/Florida ausgetragen werden.

Pyramiden und Würfe

Bei den Wettkämpfen werden von einer bis zu 24-köpfigen Athletengruppe Kürprogramme (Routine) mit verschiedenen Pflichtelementen gezeigt. Eine Kür dauert zweieinhalb Minuten. Kampfrichter bewerten Schwierigkeit und Ausführung von akrobatischen Elementen wie Pyramiden, Hebungen (Stunts) und Würfen (Baskets); hinzu kommen Bodenturnen (Tumbling) sowie Anfeuerungsrufe (Cheer). Die Puschel, die man vom American Football oder Basketball kennt, kommen allenfalls bei der anfänglichen Teamvorstellung zum Einsatz.

Überhaupt unterscheidet sich Cheerleading als selbstständiger Leistungssport grundlegend von der Ursprungsversion, bei der das Anfeuern einer Mannschaft im Vordergrund steht. „Sideline-Cheerleading wäre nichts für mich“, betont Nora Geis. Das sei ein völlig anderer Ansatz.

Nora Geis

Ein Leben ohne Cheerleading kann sich Nora, die 2014/15 ihre Heimatstadt als Burgfräulein repräsentierte, nicht vorstellen. Einmal hatte sie eine Auszeit genommen, als sie zum Studium für ein Semester nach Almeria in Spanien zog. Als dann kurz vor Saisonbeginn das Telefon klingelte und das Team in der hessischen Heimat dringend noch einen Flyer brauchte, stieg sie spontan wieder ein. Kurze Zeit später jubelte sie in Orlando über den neunten Platz bei der WM. Die junge Frau erzählt, dass sie die Akrobatik liebt und den so überaus großen Zusammenhalt im Team.

Wenn man das Funkeln in ihren Augen sieht, dürfte aber auch noch ein anderer Punkt ausschlaggebend sein: das Risiko, verbunden mit dem Herzklopfen auf dem schmalen Grad zwischen Erfolg und Misserfolg. Wird die Pyramide halten? Werden mich meine Fänger (Bases) wieder sicher auf den Boden holen?

Schon mehrfach erwischt

Verletzungen gehören beim Cheerleading dazu. Über blaue Flecke beklagt sich niemand, überdehnte oder gerissene Bänder, gestauchte Finger oder blutende Nasen kommen bei den Athletinnen schon mal vor. In den USA, dem Mutterland der Sportart, gehört Cheerleading nach Erkenntnissen des „National Center for Catastrophic Sports Injury“ zu den verletzungsträchtigsten Sportarten an Highschools und Colleges.

Auch Nora Geis hat es bereits mehrfach erwischt, aber selbst eine Rückenverletzung und eine Ellenbogen-OP haben sie nicht davon abgehalten, weiterzumachen. „Wir machen da einfach krasses Zeugs und verrückte Sachen“, lacht sie.

Im Herbst hat die intensive Vorbereitung auf die neue Saison begonnen. Während in der sogenannten „Off-Season“ neben Ausdauer- und Krafttraining vor allem einzeln oder in kleinen Gruppen an neuen Elementen gearbeitet wurde, werden nun diese Elemente so einstudiert, dass deren Reihenfolge sitzt. Dann geht es an den Feinschliff der „Routine“, also des Kürprogramms, und ab März wird es wieder ernst. Das Ticket für die Weltmeisterschaft 2019 haben die Frankfurter durch ihren Sieg bei den Elite Cheerleading Championships in Bottrop im vergangenen Mai bereits in der Tasche.

Nora Geis ist gespannt, was die Saison bringt, denn erstmals in ihrer Laufbahn steht ein neuer Trainer an der Seite: Im Sommer hat Nationalcoach Antwan Lymore das Ruder bei den Eintracht-Cheerleadern übernommen. Der gebürtige US-Amerikaner ist ein Erfolgscoach. Bei den diesjährigen Weltmeisterschaften holte er mit gleich zwei Junioren-Teams den Titel.

(red)

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