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Außerordentlicher Verbandstag des Hessischen Fußball-Verbandes

HFV vor historischem Samstag

  • Marion Morello
    vonMarion Morello
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Beim außerordentlichen, virtuellen Verbandstag wollen der Hessische Fußball-Verband und die Delegierten am Samstag Klarheit schaffen.

Historisch wird es am Samstag, 20. Juni, 10 Uhr, im Hotel der Sportschule Grünberg. Und das gleich in zweifacher Hinsicht: Zum einen wird es erstmals in der Geschichte des Hessischen Fußball-Verbandes (HFV) einen virtuellen - außerordentlichen - Verbandstag geben, zum anderen wird in diesem Rahmen eine Entscheidung getroffen, wie es sie seither noch nie gegeben hat: Die Delegierten - zwölf davon aus dem Fußballkreis Limburg-Weilburg - werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit für den Abbruch der aktuellen Saison 2019/20 stimmen. Das alles wird noch dazu im Livestream übertragen.

Seit Mitte März liegt die Saison auf Eis

Der Grund für diese komplett neue Situation liegt auf der Hand und ist jedem ersichtlich: die Corona-Pandemie, die die Bevölkerung und somit auch die hessischen Amateurfußballer seit Mitte März in Atem hält und zu einem kompletten, abrupten Stillstand des Spielbetriebes geführt hat. Und ungewöhnliche Umstände erfordern bekanntlich ungewöhnliche Maßnahmen. So werden die Delegierten live in Form einer Videokonferenz am Verbandstag teilnehmen und ihre Delegiertenrechte auf dem Weg der elektronischen Kommunikation ausüben. Auch die Abstimmungsmöglichkeiten werden virtuell bereitgestellt. 

Die Verantwortlichen im Hessischen Fußball-Verband - der Verbandsvorstand um Präsident Stefan Reuß - hat in den letzten Wochen alles bis ins Detail vorbereitet. Man will schließlich nichts dem Zufall überlassen. Die Vereine hatten bereits in den vergangenen Wochen darüber abgestimmt, ob die Saison abgebrochen werden soll, und wenn ja, in welcher Form dies geschehen soll. All das wurde mit eindeutiger Mehrheit vorab in trockene Tücher gepackt.

Aufgrund dieser Vorabstimmungen hat der HFV-Vorstand den Delegierten klare Empfehlungen mit auf den Weg gegeben. Das alles vor dem Hintergrund, möglichst nicht auf juristisches Glatteis zu geraten. Gerichtliche Auseinandersetzungen will der Hessische Fußball-Verband verständlicherweise tunlichst vermeiden.

Worum geht es am Samstag? Die Meisterschaftsspiele sämtlicher Altersklassen und beider Geschlechter, die im März durch den generellen Shutdown unterbrochen worden waren, stehen zur Debatte und sollen offiziell abgebrochen und die Platzierung der Mannschaften per Quotiententabelle (Anzahl der Punkte geteilt durch die Anzahl der Spiele, das Ergebnis multipliziert mit 100) ermittelt werden. Damit einher geht die Frage: Wer steigt auf, wer ab? Die Vereine haben sich in den 32 hessischen Fußballkreisen mit einem klaren Votum darauf geeinigt, dass es zwar Auf-, aber keine Absteiger geben soll. Nicht zur Debatte stehen die Pokalrunden.

Womit sich die nächste Frage auftut: Wer soll/darf aufsteigen? Auch hier gab es eine klare Vorab-Entscheidung, wonach der jeweilige Tabellenführer und die weiteren vor der Runde festgelegten aufstiegsberechtigten Zweitplatzierten in die höhere Liga aufsteigen dürfen; allerdings soll aus Relegations- und Aufstiegsspiel-Teilnehmern nur der Verein in die höhere Liga klettern, der wiederum den besten Quotienten aufweist.

Regional-Verband lässt alle Zweiten rauf

Damit würde der HFV im Übrigen von der jüngsten Entscheidung des über der Hessenliga stehenden Regional-Verbandes Südwest abweichen, dessen Delegierte in der letzten Woche beschlossen haben, dass grundsätzlich alle Zweitplatzierten auch aus den angeschlossenen Verbandsligen Rheinland, Saarland und Südwest aufsteigen dürfen. Die Konsequenz daraus gebiert allerdings extremste Probleme. Die Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar zum Beispiel startet aufgrund dieser Entscheidung in der Saison 2020/21 mit sage und schreibe 24 Mannschaften. Das bedeutet 46 Spieltage - Utopie in einer Saison, die durch die nach wie vor bestehende Pandemie ohnehin auf äußerst wackeligen Füßen steht, zumal es nach wie vor ungewiss ist, ob und wann die Saison 2020/21 starten kann.

Aber zurück nach Hessen. Ein solches Szenario mit überquellenden Spielklassen kann keiner ernsthaft wollen. Und die Verantwortung für sämtliche Folgen aus der derzeitigen Situation und die bevorstehenden Änderungen will ebenfalls kaum jemand tragen. Ergo soll ein Beschluss über Haftungsbeschränkungen für die gesetzlichen Vertreter, Organ-, Rechtsorgan-, und Ausschussmitglieder sowie gegebenenfalls sonstige Entscheidungsträger des HFV gefasst werden.

In seiner Einladung weist der HFV-Vorstand darauf hin, dass auf einem außerordentlichen Verbandstag "nur die Angelegenheiten behandelt werden" dürfen, "die zu seiner Einberufung geführt haben". Präsidium, Aufsichtsrat, die Verbandsausschüsse, der Verbandsvorstand und die Kreisfußballtage seien berechtigt, bis eine Woche vor dem Termin des außerordentlichen Verbandstages Anträge in Textform zur Tagesordnung mit Begründung bei der Verbandsgeschäftsstelle einzureichen. Zudem würden ordnungsgemäße Anträge mit Ausnahme von Dringlichkeitsanträgen unverzüglich nach Ablauf der Antragsfrist den Delegierten in Textform bekanntgegeben. Mit anderen Worten: Man will Klarheit in allen Punkten schaffen.

Es wird nicht einfach werden in Grünberg. Nur muss die unselige Saison 2019/20 nach Wochen und Monaten der Ungewissheit endgültig beendet und der Blick nach vorne gerichtet werden. Die Vereine brauchen eine Perspektive für die nahe Zukunft. Ansonsten könnte es passieren, dass nicht nur etliche Vereine aus der Fußball-Landschaft verschwinden werden, sondern sich sehr viele aktive Spieler anderen Sportarten zuwenden werden. Und das will sicherlich niemand.

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