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Fußball im NNP-Land

HFV vor historischer Entscheidung?

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Der Hessische Fußball-Verband (HFV) steht vor einer historischen Entscheidung: Beim virtuellen außerordentlichen Verbandstag, der wohl am 13. oder 20. Juni über die Bühne gehen wird, könnte die aktuelle Saison 2019/20 abgebrochen werden. Das hat es bislang noch nie gegeben, und die Satzung sieht ein solches Szenario folglich auch nicht vor. Doch bis dahin, gilt es noch einiges zu klären.

Bei seiner nächsten Online-Sitzung am morgigen Samstag, 9.30 Uhr, wird der Verbandsvorstand, dem auch die Regionalbeauftragten und die Kreisfußballwarte angehören, die Tendenzen aus den 32 Fußballkreisen erfragen. Eine Entscheidung über einen Abbruch oder eine Fortführung der Saison wird allerdings am Samstag definitiv nicht fallen. Was entschieden wird, ist ausschließlich die Frage, ob es einen außerordentlichen Verbandstag geben wird oder nicht. Erst dort kann über den Umgang mit der aktuellen Saison entschieden werden. Sollte sich beim Verbandstag die Mehrheit der Delegierten aus den Kreisen - und danach sieht es wohl aus - für einen Abbruch der Saison entscheiden, wäre das ein nie dagewesenes Szenario.

Beim Verbandstag wird es ein weiteres Kuriosum geben: Die meisten Kreise haben nicht einmal ihren Kreisfußballtag 2020 inklusive Vorstandswahlen vor dem Einbruch der Corona-Pandemie durchführen können. Demnach müssen größtenteils die "alten" Kreisvorstände virtuell vorstellig werden.

Je nach Größe eines Fußballkreises errechnet sich die Anzahl der Delegierten, die beim Verbandstag stimmberechtigt sind. Beim letzten Verbandstag 2016 gaben insgesamt 347 Delegierte ihr Votum ab.

Der Fußballkreis Limburg-Weilburg beispielsweise hat zwar stolze 107 Vereine, aber mit knapp 22 000 Mitgliedern nur elf Delegierte. Im Vergleich dazu der Fußballkreis Frankfurt; der hat nur 77 Vereine, allerdings mit Eintracht Frankfurt den mitgliederstärksten Club Hessens, somit insgesamt etwas mehr als 100 000 Mitglieder und folglich 51 Delegierte. Diese unterschiedlichen Gewichtungen in den einzelnen Kreisen haben naturgemäß Einfluss auf durch Abstimmung herbeigeführte Entscheidungen.

Allerdings zeichnet sich wohl derzeit hessenweit ab, dass eine Mehrheit den Abbruch der Saison wünscht. Die nächste Frage: Wird es im Falle eines Saisonabbruchs nur Auf- oder auch Absteiger geben? Und genau an diesen Varianten scheiden sich die Geister. Im Fußballkreis Limburg-Weilburg war bei der Befragung der Vereine am vergangenen Wochenende eine knappe Mehrheit (38:35) dafür, dass die im Spielgeschehen festgelegten Richtlinien gelten sollen; sprich: mit Auf- und Absteigern.

Spielen wir doch dieses Szenario durch. Angenommen, der Verbandstag stimmt für den Saisonabbruch mit Quotientenregelung (Punkte geteilt durch Anzahl der Spiele mal 100) und gegen Absteiger, dann würde das für die Ligen im Fußballkreis Limburg-Weilburg von der Hessenliga abwärts wie folgt aussehen:

Hessenliga (derzeit 18 Mannschaften): Der TSV Stadtallendorf steigt in die Regionalliga Südwest auf, die drei Erstplatzierten aus den Verbandsligen Nord, Süd, Mitte steigen auf. In der kommenden Saison würde mit 20 Mannschaften gespielt. Allerdings könnte sich die übergeordnete Regionalliga Südwest durchaus auf ein Szenario mit Absteigern entscheiden; dann würde der FC Gießen in die Hessenliga zurückkehren, und die Zahl der Teams wüchse auf 21.

Verbandsliga Mitte (17 Mannschaften): Der SV Zeilsheim steigt in die Hessenliga auf. Aus den drei Gruppenligen kommen die Erstplatzierten dazu. Die Liga würde auf 19 Teams anwachsen.

Gruppenliga Wiesbaden (17 Mannschaften): Der SV Niedernhausen steigt auf, aus den vier Kreisoberligen kommen die jeweils Erstplatzierten hinzu. Die Liga wäre in der kommenden Saison 20 Teams stark.

Kreisoberliga Limburg-Weilburg (17 Mannschaften): Die SG Selters steigt in die Gruppenliga Wiesbaden auf, der Tabellenführer der A-Liga füllt das Feld auf. Es bleibt bei 17 Mannschaften.

Kreisliga A Limburg-Weilburg (17 Mannschaften): Die SG Taunus steigt in die Kreisoberliga auf, aus den beiden B-Ligen kommen die jeweils Erstplatzierten dazu. Die Liga wächst um eine Mannschaft auf 18 an.

Kreisligen B1 und B2 Limburg-Weilburg (je 16 Mannschaften): Der TuS Drommershausen (B1, mit dem besseren Quotienten gegenüber dem eigentlichen Tabellenführer Osmanischer SV) und der SV Rot-Weiß Hadamar 2 steigen in die A-Liga auf, aus den beiden C-Ligen kommen zwei Teams nach oben. Es bliebe bei gemeinschaftlich 32 Mannschaften.

Kreisligen C1 und C2 Limburg-Weilburg (je 13 Mannschaften): In der C1 hat die SG Gaudernbach bereits zurückgezogen, die SG Nord 2 steigt in die B-Liga auf. Verbleiben hier zwölf Teams. In der C2 würde der jetzige Spitzenreiter TuS Frickhofen 2 nach Quotientenregel auf Rang drei abrutschen und der RSV Würges 2 in die B-Liga aufsteigen. Dort bliebe es bei 13 Mannschaften.

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