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Zwei Radprofis vom Siegerpodest 2018 sind am Sonntag wieder am Start: Titelverteidiger John Degenkolb aus Oberursel (Bildmitte) und Tour-de-France-Teilnehmer Simon Geschke (links von ihm). Rechts neben Degenkolb der Drittplatzierte Andreas Schillinger.

Radsport, Großen Preis der Stadt Bad Homburg

So hochklassig war das Kurparkrennen wohl noch nie besetzt

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Eben noch auf der Champs-Élysées, bald schon auf der Kaiser-Friedrich-Promenade: Die deutsche Radsport-Prominenz startet am Sonntag in Bad Homburg – mit einer Ausnahme.

Vier deutsche Radprofis, die in diesem Jahr an der Tour de France teilgenommen haben, sind auch am Sonntag beim 40. „Großen Preis der Stadt Bad Homburg“ am Start. Wenn das Elite-Rennen um 14.30 Uhr auf der Kaiser-Friedrich-Promenade vor der Wicker-Klinik beginnt, ist im wohl besten Teilnehmerfeld in der Geschichte dieses Radsport-Kriteriums jedoch Vorjahressieger John Degenkolb (Trek-Segafredo) der unumstrittene Star.

Der in Oberursel wohnende „Dege“ (im übrigen auch aktueller „TZ-Sportler des Jahres“) will nach seinen Erfolgen in den Jahren 2013, 2016 und 2018 im Kurpark zum vierten Mal oben auf dem Siegertreppchen stehen. Der 30-Jährige mit der Startnummer 1 hat in diesem Jahr nicht an der Tour de France teilgenommen, ist dafür noch bis zum Freitag bei der Polen-Rundfahrt am Start, die am Montag vom Tod des gestürzten belgischen Fahrers Bjorg Lambrecht überschattet wurde.

Auf den tragischen Unglücksfall wird wahrscheinlich auch Moderator Karsten Migels (seit vielen Jahren Tour-de-France-Sprecher von „Eurosport“) am Sonntag um 13.45 Uhr eingehen. In erster Linie stellt er aber jene vier Profis im 60 Fahrer starken Feld vor, die bei der Frankreich-Rundfahrt bis zur Abschlussetappe in Paris durchgehalten haben.

Das Trikot vom Team Sunweb tragen gleich zwei: Niklas Arndt (Startnummer 2) und der erst 22-jährige Lennard Kämna (Nummer 3), der als ehemaliger Junioren-Weltmeister im Zeitfahren bei der Tour zwei Top-10-Platzierungen im Hochgebirge erreichte. Bartträger Simon Geschke (CCC Team/Nr. 4) konnte sich 2015 in die Siegerliste des Kurparkrennen eintragen. Der 25-jährige Nils Politt (Katusha Alpecin/5) zählt ebenfalls zum Kreis der Favoriten. Politt belegte beim Klassiker Paris – Roubaix einen hervorragenden zweiten Platz.

„Er hat meiner Meinung nach das Potenzial, bei der Tour de France um den Gesamtsieg mitzufahren“, schwärmt Rennleiter Peter Rohracker vom ausrichtenden RSC Bad Homburg in den höchsten Tönen von Jung-Star Kämna, der ebenso wie Politt am Sonntag im Kurpark sein Debüt gibt.

Zwei, die er auch noch gerne im Fahrerfeld dabei gehabt hätte, konnte Rohracker zu seinem Leidwesen allerdings nicht verpflichten. Zum einen den gebürtigen Ravensburger Emanuel Buchmann (Kurpark-Sieger 2017), der als Vierter in der Tour-Gesamtwertung bis zum Schluss auf einen Platz auf dem Podium hoffen durfte, und zweitens Maximilian Schachmann.

„Bei beiden war ich in den Gesprächen bezüglich einer Verpflichtung schon sehr weit, aber Buchmann musste auf Geheiß seines Managements eine Urlaubspause einlegen, und Schachmann hat sich auf der 13. Etappe den Mittelhandknochen der linken Hand gebrochen“, erklärt der umtriebige Rohracker, warum es mit dem Start dieser beiden deutschen Top-Fahrer am Sonntag nicht klappt.

Frauenrennen wieder im Programm

Erstmals seit vielen Jahren wird im Kurpark auch wieder ein Frauen-Radrennen ausgetragen. „Damit wollen wir an eine alte Tradition anknüpfen“, sagt Rohracker, der sich auf den Start um 12.30 Uhr freut. In früheren Zeiten sind in Bad Homburg schon die damalige Weltmeisterin Beate Gabetz und andere Größen der Radsport-Szene auf der Kaiser-Friedrich-Promenade zu sehen gewesen. Diesmal gestaltete es sich schon als sehr schwierig, ein Teilnehmerfeld von rund einem Dutzend Fahrerinnen zusammen zu bringen. „Eine potenzielle Kandidatin hat moniert, dass das Rennen keine 40 Kilometer lang sei und sie deshalb keine rad-net-Punkte erhalten könne“, plaudert RSC-Vorsitzender Uwe Friedrich Janovski aus dem Nähkästchen. Die zeitgleich laufenden Europameisterschaften sowie ein „Klassiker“ am Sonntag in Bellheim in der Pfalz stehen zudem in Konkurrenz. Vor diesem Hintergrund darf man gespannt sein, wie der Frauen-Wettbewerb von Sportlerinnen und Zuschauern angenommen wird.

„Ich bin ein Fan dieser Veranstaltung geworden“, erzählt Bad Homburgs Bürgermeister Meinhard Matern, der im Vorjahr den kompletten Renntag im Kurpark miterlebte. Die nächsten Auflagen des traditionsreichen Events scheinen in finanzieller Hinsicht gesichert, wobei der 41. „Große Preis der Stadt Bad Homburg“ bereits seine Schatten vorauswirft. Bis Ende des Monats sammelt der internationale Radsport-Verband UCI (Union Cycliste Internationale) die Termine für das Jahr 2020.

„Da die Tour de France bereits eine Woche früher beginnt und auch die Olympischen Spiele in Tokio (24. Juli bis 9. August, Anm. d. Red.) berücksichtigt werden müssen, stehen wir vor einer Herausforderung“, sagt Rohracker. Nach wie vor steckt er mit einigen RSC-Mitgliedern viel Herzblut in „sein“ Kurparkrennen: „Wir präsentieren Profis zum Anfassen, und wenn die hoffentlich zahlreichen Zuschauer am Sonntagnachmittag nach der Siegerehrung glücklich und zufrieden nach Hause gehen, ist dies die beste Entschädigung für den enormen Aufwand, den die vielen Helfer betreiben.“

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