rst_1101_rk_umfrage
+
Fußball-Zwangspause: Bei der SG Ober-Erlenbach ist - wie in allen Kommunen des Hochtaunus - die Sportanlage gesperrt.

Lockdown im Amateurfußball

Teil-Lockdown wegen Corona: Amateurfußballer haben kein Verständnis für Trainingsstopp

  • vonRobin Kunze
    schließen

Dass der Spielbetrieb ausgesetzt wird, sei notwendig. Darüber sind sich Trainer und Funktionäre aus dem Fußballkreis Hochtaunus einig. Jedoch äußern sie aus vielerlei Gründen Kritik am Trainingsverbot.

Hochtaunus - Bereits in der vergangenen Saison grätschte das Coronavirus dem Amateurfußball dazwischen, beendete die Runde vorzeitig und sorgte dafür, dass wochenlang der Ball ruhen musste. Nun wird auch in der aktuellen Spielzeit, die erst Anfang September startete, pausiert. In diesem Jahr wird es laut Verfügung des Hessischen Fußball-Verbandes weder bei den Senioren noch im Jugendbereich weitere Spiele geben. Der Trainingsbetrieb ist zudem mindestens bis zum 1. Dezember ausgesetzt worden. Die Taunus Zeitung hat sich bei Fußballschaffenden im Kreis umgehört. Der Tenor: Zumindest die Einstellung des Spielbetriebs wird angesichts stetig steigender Infektionszahlen weitestgehend akzeptiert.

Amateteurfußball und der Teil-Lockdown: „Das Virus muss irgendwie eingedämmt werden“

Marco Hentsch, Sportchef des Gruppenligisten FV Stierstadt, hatte sich schon vor rund zwei Wochen ein klares Signal speziell von der Politik, aber auch von den Verbänden gewünscht. „Das Virus muss irgendwie eingedämmt werden“, betont er, „dass jetzt kurzfristig und vorübergehend nicht mehr gespielt wird, ist vollkommen nachvollziehbar.“

Diese Meinung teilen im Fußballkreis viele. „Im Spielbetrieb spielen die Zuschauer sowie weitere Faktoren eine Rolle bezüglich des Infektionsrisikos“, sagt beispielsweise Leo Caic, Trainer des Kreisoberligisten FC Oberstedten. Das Trainingsverbot können Hentsch, Caic und zahlreiche andere Vereinsverantwortliche dagegen nicht nachvollziehen.

Corona-Krise im Hochtaunuskreis: Auf das Umziehen in der Kabine verzichten

„Ich bin vollkommen gegen diese Entscheidung, da es nachgewiesenermaßen sehr unwahrscheinlich ist, sich beim Training an der frischen Luft zu infizieren“, betont Ex-Profi Caic. Das gemeinsame Umziehen in der Kabine vor und nach den Einheiten könne zwar problematisch sein, doch darauf könne man notfalls auch verzichten.

Nicht nur im Hinblick auf eine etwaige Fortführung der Punktrunde im kommenden Jahr habe das Training eine wichtige Funktion, ergänzt Metin Yildiz. Der Trainer des Gruppenligisten FSV Friedrichsdorf weist zudem darauf hin, dass die körperliche Ertüchtigung eine wichtige Abwechslung für die Menschen in der aktuellen Situation sei. „Auf diesem Weg bekommt man schließlich auch mal den Kopf frei, kann sich mit den Mannschaftskollegen an der frischen Luft treffen. Die soziale Komponente ist wichtig und kommt bei den Maßnahmen zu kurz“, meint Yildiz. Dass individueller Sport erlaubt ist, sei nur ein schwacher Trost - gerade für Kinder.

„Als Erwachsener geht man dann vielleicht auch auf eigene Faust joggen, doch bei Kindern ist das meist schwieriger“, pflichtet Hentsch bei. Er befürchtet gesundheitliche Folgen, sollten Kinder nun erneut über Wochen vom Vereinssport ferngehalten werden. Bestätigen kann diese Befürchtung Andreas Arr-You, der neben den KOL-Senioren der SG Eschbach/Wernborn auch Jugend-Teams bei Eintracht Frankfurt und dem FV Stierstadt betreut. Die erste Zwangspause im Frühling habe sich bei den Kindern deutlich bemerkbar gemacht, wie er berichtet. „Damals waren auch die Schulklassen geschlossen. Da der Schulbetrieb jetzt weiterläuft, wird es diesmal wohl nicht ganz so schlimm“, vermutet Arr-You.

Hochtaunus vor dem Teil-Lockdown: Ehrenamtliche vor den Kopf gestoßen

Ihn ärgert das Amateursportverbot besonders aus Sicht der vielen ehrenamtlichen Vereinsmenschen, die Sportplätze in den vergangenen Monaten unter großem Aufwand nach Hygieneregeln umgestaltet haben. „Dafür war viel Manpower nötig, und ich habe Sorge, dass sich da einige Ehrenamtliche nun vor den Kopf gestoßen fühlen“, sagt Arr-You.

Dank der umfangreichen Hygienekonzepte bei den Vereinen sei der Trainings- und Spielbetrieb im Spätsommer erst ohne größere Bedenken möglich gewesen. „Rund um den Sportplatz herum waren dann leider einige wieder sehr unachtsam“, betont Arr-You, „ich habe das gerade bei Eltern beobachtet, die während und nach dem Training wieder in Gruppen zusammenstanden.“

Kritik an „Corona-Leugnern“ in den sozialen Medien

„Es ist mir vollkommen unverständlich, wie manche Menschen so ignorant mit dem Virus umgehen können“, sagt auch Caic, „was da einige Corona-Leugner in den sozialen Medien von sich gegeben haben, ist katastrophal.“ In Anbetracht der Corona-Demos und Kundgebungen im Sommer, zu denen sich Menschen ohne Einhaltung der Hygieneregeln trafen, wirkt es nun so, als müsse der Amateursport eine Rechnung mitbezahlen, die von anderen aufgestellt wurde.

Doch auch auf so manchem Sportplatz wurden nicht immer die Regeln befolgt. Das weiß Andreas Bernhardt zu berichten. „Die Vereine haben einen tollen Job gemacht, was die Hygienekonzepte angeht, ganz ohne Frage. Aber was bringt das, wenn einige Spieler die Regeln missachten“, gibt der Kreisfußballwart zu bedenken. Er persönlich wünsche sich, dass zumindest Kinder möglichst bald wieder trainieren dürfen. (Robin Kunze)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare