Die Saison 2020/21 im hessischen Handball beginnt wohl überwiegend erst im Oktober.	Foto: dpa
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Die Saison 2020/21 im hessischen Handball beginnt wohl überwiegend erst im Oktober.

Handball, Hochtaunus

Saisonstart: Warum die Vereine jetzt selbst entscheiden sollen

  • vonAlexander Wolf
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  • Thorsten Remsperger
    Thorsten Remsperger
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Der Hessische Handball-Verband verschiebt den Saisonstart "grundsätzlich" in den Oktober. Er lässt aber Ausnahmen zu.

Hochtaunus - Der Hessische Handball-Verband (HHV) hat eine überraschende Entscheidung in Bezug auf den bevorstehenden Saisonstart getroffen. Der Rundenbeginn am 11./12. September wurde "grundsätzlich" auf den 17./18. Oktober 2020 verschoben, teilte der HHV gestern als Ergebnis einer Präsidiumssitzung mit. Das hatte zuvor bereits der "Arbeitskreis Spieltechnik" empfohlen. Die bis dahin geplanten Spiele sollten ans Ende der Saison gehängt werden.

Allerdings, und das ist das große Aber: Der HHV überlässt es den Vereinen, doch schon im Zeitraum zuvor, also zwischen dem 12. September und 17. Oktober, Spiele auszutragen. "Sofern die beiden beteiligten Vereine dies wünschen." Ziel sei es, "auch den unterschiedlichen Interessen der Vereine entgegen zu kommen und dort Spiele zuzulassen, wo und wann dies möglich ist". Droht nun ein Termin-Chaos?

Der Mitteilung waren in den vergangenen Tagen Verlautbarungen aus dem Arbeitskreis Spieltechnik vorausgegangen. Das Gremium hatte nach einer "Mammutsitzung" eine uneingeschränkte Verschiebung des Saisonstarts auf den 17./18. Oktober beschlossen, entsprechende Nachrichten von Manfred Leber (Klassenleiter Oberliga/Landesliga Männer) und Lutz Holzmann (Klassenleiter Spielbetrieb Frauen im Bezirk Offenbach/Hanau) waren an die Vereine herausgegangen beziehungsweise auf der Webseite des Handballbezirks veröffentlicht worden.

Als Gründe wurden die aktuelle Situation in Offenbach, der bayerischen Vereine aus dem HHV-Bezirk Odenwald/Spessart und der Starttermin der 3. Ligen genannt. Zudem ginge der AK Spieltechnik davon aus, dass sich die Covid-19-Situation in den nächsten Wochen verschärfen werde, hieß es.

HHV-Präsident Gunter Eckhart hatte daraufhin in einer weiteren Mitteilung auf die noch ausstehende Präsidiumssitzung hingewiesen, in der erst final entschieden werde, ob der Start verschoben wird. Auch wenn der HHV betont, dass die jetzige "den örtlich bedingten Unterschieden in den Bereichen Hallenöffnungen, Anforderungen des Hygienekonzepts und Infektionszahlen" Rechnung trage, fühlen sich manche Vereine jetzt gut drei Wochen vor dem eigentlich geplanten Saisonstart vor den Kopf gestoßen.

Das sagen die Trainer

"Man sollte versuchen, alle Vereine gleich zu behandeln", sagte Manfred Müller, Trainer der Bezirksoberliga-Damen des SV Seulberg, "die Mannschaften, die in der Saisonvorbereitung schon weit sind, werden jetzt versuchen, ihren Vorteil daraus zu ziehen und früher zu spielen." Müller verwies zudem darauf, dass auch eine komplette Verschiebung der Runde in die Zeit ab Oktober nicht konsequent wäre, um Ansteckungsgefahren zu verringern. Testspiele dürften ja weiterhin stattfinden und würden von den Vereinen auch rege absolviert. Seine Meinung: "Lasst uns starten, wie geplant, und stoppt im Notfall die betroffene Liga komplett."

Sein Trainerkollege Paul Günther von TSG Oberursels Oberliga-Damen wollte der Entscheidung seines Vereins über den Start des Spielbetriebs nicht vorgreifen. "Aufgrund der steigenden Corona-Zahlen ist es am vernünftigsten, erst später zu beginnen" - so laute seine persönliche Meinung. Wenn wegen der Gesundheit der Menschen wieder verstärkt Vorsorge getroffen werden müsse, rücke der Sport ohnehin in den Hintergrund.

Kritische Stimmen an der HHV-Regelung waren auch aus dem Main-Taunus-Kreis zu hören. "Da wird die Verantwortung schön an die Vereine abgegeben", meint Matthias Beer. Der Sportliche Leiter des Oberligisten HSG Breckenheim-Wallau/Massenheim kündigte an, erst im Oktober starten zu wollen. Das haben wir dem Verband auch schon vorher mitgeteilt." Damit habe der Verein vor allem auf gesundheitliche Bedenken seitens der Spieler reagiert.

Daniel Wernig, Oberliga-Trainer der TSG Münster, betonte, dass er kein Entscheidungsträger beim Handball-Verband sein möchte: "Es gibt für jede Variante immer Pro- und Kontra-Punkte." Entscheidungen im Sinne der Gesundheit könnten aber nie falsch sein. Alexander Wolf und Thorsten Remsperger

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