Wenn der Vater mit den Söhnen: Linus (li.) und Luis Dahl (2. v. li.) rahmen mit Mads (re.) ihren Papa Holger ein.

Aushängeschild des Amateurfußball

Holger Dahl stand in der Abwehr der SpVgg Bad Homburg stets seinen Mann

Technisch versiert und intelligent: Diese Mischung machte den heute 49-Jährigen zum festen Bestandteil der "Nullfünfer" - aber bei weitem nicht nur für sie.

In Bad Homburg und der gesamten Region ist und bleibt er unvergessen: Holger Dahl, inzwischen 49 Jahre alt, Abwehrspieler, groß und bekannt geworden in den glorreichen Zeiten der SpVgg 05 Bad Homburg. Mit den Kurstädtern wurde er anno 1989 Deutscher Amateur-Vizemeister.

Mit dem Erscheinen des Buches „Vergessene Siege“ von Christian von Berg im Januar 2018 rückte mit vielen anderen auch Holger Dahl wieder ins Bewusstsein der hessischen Fußballfreunde zurück. Das Buch erinnert an die „Hessenauswahl“, die jahrzehntelang so etwas wie eine hessische Nationalmannschaft war. Was viele vergessen haben, oder vielleicht gar nicht wussten: Dahl war mit 21 Einsätzen zwischen 1988 und 1992 der am zweithäufigsten eingesetzte Auswahlspieler. Nur Stefan Dahlem von Viktoria Aschaffenburg war noch öfter dabei – mit 30 Spielen.

Damit wurde Dahl, der in Ostheim bei Hanau als Bub das Fußballspielen begann, zu einem echten „Aushängeschild“ für den hessischen Amateurfußball. Er gibt dieses Lob zurück an die Vereine, für die er spielte. Insbesondere was seine Zeit in Bad Homburg bei der Spielvereinigung betrifft: „In diesem Club verbrachte ich sportlich und menschlich gesehen meine beste Zeit. Es hat dort alles gepasst, von den Mitspielern und Trainern bis hin zum Umfeld und dem begeisterungsfähigen Publikum“, erinnert er sich gern.

Höhepunkt seiner Zeit bei den Nullfünfern war das Endspiel um die Deutsche Amateurmeisterschaft 1989 in Trier, das nach Verlängerung und Elfemeterschießen mit 4:5 verloren ging. Eintracht Trier war die glücklichere Mannschaft. Überhaupt hat Dahl bei Finalbegegnungen immer wenig Fortune gehabt. „Meine Zeit als Jugendspieler mitgerechnet, stand ich in sieben Endspielen, aber nur bei einem ging ich mit meiner Mannschaft als Sieger vom Platz“, erzählt er. Und erinnert sich noch ganz genau: Es war 1992, als er mit der Hessenauswahl den Länderpokal gegen Bremen holte (3:2).

Dahl war ein konsequenter Abwehrspieler mit der nötigen Härte, wenn es sein musste. Meist reichten aber schon seine gute Technik und Spielintelligenz, um die Zweikämpfe zu gewinnen. Eine einzige Rote Karte wegen Foulspiels holte er sich in den langen Jahren seiner Karriere ab. Und das ausgerechnet gegen den FC Bayern München. Dazu sagt er: „Es war in meiner Zeit beim FSV Frankfurt. Ich bekam die Karte zu Recht, war einfach zu hart eingestiegen.“ Den Namen des Gegenspielers hat er heute allerdings nicht mehr parat. Es war jedenfalls kein prominenter Bayern-Spieler. Denn den hätte er sich gemerkt.

Holger Dahl studierte erfolgreich Jura. Er konnte das zeitlich gut mit dem Fußballspielen vereinbaren, auch als er bereits Vertragsspieler beim FSV Frankfurt in der Zweiten Bundesliga war. Schon mit 28 Jahren beendete er dann seine Karriere beim KSV Klein-Karben, damals in der Hessenliga vertreten. „Ich hatte danach mit allem, was Fußball betrifft, völlig abgeschlossen“, blickt er zurück. „Inzwischen habe ich aber wieder einen großen Freundeskreis rund um den Fußball mit früheren Spielern und Trainern. Dieser Sport verbindet jeden, der einmal dabei war, auch noch nach Jahrzehnten.“

Holger Dahl ist beruflich erfolgreich, als selbstständiger Schlichter im Arbeitsrecht. Verheiratet, in Königstein wohnend, gab er seine Fußballgene an seine drei Söhne weiter. Luis (19, 1. FC-TSG Königstein), Linus (16, Kickers Offenbach) und Mads (11, 1. FC-TSG Königstein) sind allerdings drei Offensivspieler. Darin unterscheiden sie sich von ihrem Vater als Abwehrrecken. Auch noch in einem anderen Bereich können die Jungs ihrem Vater nicht nacheifern: in der Hessenauswahl – denn die gibt es heute leider nicht mehr.

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