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Rares Sipos vom TTC OE Bad Homburg war gegen Grünwettersbach dicht dran an einem Einzelsieg.

Tischtennis, 1. Bundesliga

TTC OE Bad Homburg: Beim 0:3 im letzten Spiel des Jahres gibt es ein Wiedersehen mit Dang Qiu

  • vonStefan Fritschi
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  • Thorsten Remsperger
    Thorsten Remsperger
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Seine zehnte Saisonniederlage bezog der Aufsteiger aus dem Taunus. Bei Pokalsieger ASV Grünwettersbach verlor der TTC OE mit 0:3. Erinnerungen an einen früheren Ober-Erlenbacher und jetzigen Nationalspieler werden wach.

Mit einer klaren Niederlage hat Aufsteiger TTC OE Bad Homburg die Hinrunde der Tischtennis-Bundesliga (TTBL) abgeschlossen. Beim ASV Grünwetterbach verlor das Team von Trainer Tobias Beck leistungsgerecht 0:3, die Gastgeber aus dem Karlsruher Stadtteil hatten in jedem Einzel mehr zu bieten. Nur wenige Minuten nach dem letzten Ballwechsel traf immerhin eine für die Ober-Erlenbacher frohe Kunde aus Bergneustadt ein: Gastgeber TTC Schwalbe besiegte den TTC Grenzau ebenso glatt in drei Spielen, damit wahrte der TTC OE seinen Zwei-Punkte-Vorsprung auf den Tabellenletzten. „Wir müssen auf uns schauen“, kommentierte Nils Hohmeier das Ergebnis aus dem Bergischen Land.

Da der brasilianische Spitzenspieler Gustavo Tsuboi pausierte, standen die Chancen eher schlecht, in Grünwettersbach für eine Überraschung zu sorgen. „Uns fehlen die Zuschauereinnahmen. Wir müssen abwägen, wann wir ihn brauchen“, begründete der Sportliche Leiter Sven Rhede das Fehlen des erfolgreichsten TTCler und Weltranglisten-36.

Für den Südamerikaner kam Nils Hohmeier, der vergangene Zweitliga-Saison schon im Bad Homburger Kader stand, zu seinem fünften TTBL-Einsatz. Zum Premierensieg reichte es auch diesmal nicht, allerdings hatte es der 22-Jährige mit einem Meister seines Fachs zu tun. Xi Wang, der über viele Jahre die Erfolgsgeschichte des Bundesliga-Konkurrenten TTC Fulda-Maberzell geprägt hatte, erwies sich als zu abgeklärt. Zwar führte Hohmeier zu Beginn jedes Satzes, doch dann zog Wang an – aber nur der dritte endete klar. „Xi ist einer der besten Spieler der Liga. Dafür habe ich sehr gut gespielt“, stufte Hohmeier seine eigene Leistung ein. Vor allem die Aufschläge Wangs setzten dem Herausforderer zu.

Größere Siegeschancen durfte sich freilich Lev Katsman ausrechnen. Und im Auftaktdurchgang ließ der Russe den früheren Ober-Erlenbacher Dang Qiu nicht zur Entfaltung kommen, zog von 6:2 auf 10:5 davon. Katsman war auch drauf und dran, auf 2:0 zu erhöhen. Auf 7:8 kam er heran, dann nahm der gebürtige Nürtinger Qiu, 53. der Weltrangliste, eine Auszeit und gab dann nur noch einen Ball ab. In den Sätzen drei und vier geriet der Homburger allerdings sofort klar ins Hintertreffen (mit 1:6 beziehungsweise 1:4) und hechelte den Rückständen vergeblich hinterher.

Wenigstens ein Spielgewinn hatte es werden sollen. Doch im 50:50-Match von Rares Sipos gegen Tobias Rasmussen konnte der Däne im finalen Satz noch zulegen, während Ober-Erlenbachs Rumäne nach seinem ersten vergebenen Aufschlag zum 3:5 nicht mehr die nötige mentale Kraft aufbrachte. „Rares kam von den rumänischen Meisterschaften und hatte Reisestress“, merkte Teamkollege Hohmeier an.

Damit schloss der TTC 03 die Hinrunde mit 2:20 Punkten auf dem vorletzten Tabellenplatz ab. Dass eventuell nur ein Zweitligist in die TTBL hoch möchte, darauf will sich Rhede indes nicht verlassen. „Ehrlich gesagt, wir wollen noch Drittletzter werden“, hält er den Sechs-Punkte-Rückstand auf den hessischen Rivalen Fulda-Maberzell noch für aufholbar. Aber, das ist klar, Schlusslicht Grenzau muss zugleich auf Distanz gehalten werden. Mit einem Heimspiel am Sonntag, 3. Januar (15 Uhr), startet Bad Homburg in die Rückserie. Kein Geringerer als Rekordmeister und Spitzenreiter Borussia Düsseldorf ist dann zu Gast.

ASV Grünwettersbach – TTC OE Bad Homburg 3:0 (9:3): Xi Wang – Nils Hohmeier 3:0 (11:9, 11:9, 11:4), Dang Qiu – Lev Katsman 3:1 (8:11, 11:8, 11:6, 11:4), Tobias Rasmussen – Rares Sipos 3:2 (11:6, 14:16, 11:6, 5:11, 11:6). (fri)

Nationalspieler Dang Qiu: Wiedersehen macht Freude

Für Dang Qiu war das letzte Spiel in diesem Jahr ein besonderes. Der deutsche Nationalspieler mit chinesischen Wurzeln musste wieder einmal seine alten Freunde besiegen. Das fällt dem 24-Jährigen als durch und durch professionellem Tischtennisspieler freilich nicht schwer. Wie schon im Pokal-Viertelfinale steuerte er für seinen ASV Grünwettersbach einen Einzelsieg zum erneuten 3:0 gegen den TTC OE Bad Homburg bei. Diesmal musste Lev Katsman im Südosten von Karlsruhe die Überlegenheit Dang Qius in vier Sätzen anerkennen.

Am Rande des letzten Vorrundenspiels gab es für den einzigen Spieler mit Penholder-Schlägerhaltung in der 1. Bundesliga (TTBL) die Gelegenheit, sich mit Vertretern seines Ex-Vereins aus dem Taunus auszutauschen. Diese Gelegenheit nahm Qiu gerne wahr. „Er vergisst nicht die Leute, die ihn früher begleitet haben“, freut sich Bernd Röschenthaler, einer der beiden Geschäftsführer der Unternehmer-Gesellschaft für den Spielbetrieb TTC OE.

Dang Qiu schlug in der Saison 2015/16 im Ober-Erlenbacher Trikot auf.

Schon damals, in der Saison 2015/16, sei Qiu ein „feiner Kerl“ gewesen. Liebevoll und zurückhaltend habe er sich stets bei den Spielen und auch im „Hotel Baugard“ gegeben. Beim früheren Vorsitzenden Martin Baugard übernachteten die jungen Profis des Ober-Erlenbacher Clubs stets vor und nach den Heimspielen. Wer hätte das damals gedacht, dass Dang Qiu fünf Jahre später eine der großen Tischtennis-Hoffnungen Deutschlands sein würde? Kürzlich gab Rekordmeister Borussia Düsseldorf seine Verpflichtung für 2021/22 bekannt.

„Er war ein absoluter Rohdiamant und hat sich noch in einer Lernphase befunden“, blickt Röschenthaler zurück. In der Saison 2015/26 mauserte sich Qiu gleich zum Zweitliga-Spieler mit der drittbesten Saisonbilanz. Vater Jian Xin, früher mit China einst Mannschaftsweltmeister, fieberte in der Wingert-Sporthalle regelmäßig mit. „In Grünwettersbach hat er sich dann unglaublich gesteigert und eine sehr positive Entwicklung genommen“, staunt Röschenthaler über Jian Xins Sprössling.

Dang Qiu, der in diesem Jahr mit den „Portugal Open“ sein erstes internationales Turnier gewann, schickt sich inzwischen an, noch mehr in den Fokus zu rücken, wenn Altmeister Timo Boll (39) einmal kürzertreten wird. „Er wird in der Nationalmannschaft einer der Leistungsträger der kommenden Jahre sein“, ist Röschenthaler überzeugt – vielleicht sogar schon bei den Sommerspielen in Tokio. Man merkt dem Ober-Erlenbacher Tischtennisfunktionär den Stolz darüber an, dass ein solcher Spieler einmal das rote Trikot des TTC OE getragen hat.

„Meine Ziele sind es, mich weiterzuentwickeln und mit der Borussia um Titel zu spielen“, hat Dang Qiu dem Online-Nachrichtendienst der TTBL gesagt, nachdem seine Unterschrift in Düsseldorf publik geworden war. Zunächst aber wird für den früheren Ober-Erlenbacher das neue Jahr wieder mit einem besonderen Spiel beginnen. Beim Final Four um den deutschen Pokal trifft er am 9. Januar mit Titelverteidiger Grünwettersbach auf seinen baldigen Arbeitgeber Borussia Düsseldorf. (rem)

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