Unser Fotograf hat eine ungewöhnliche Perspektive gewählt, um ein Zweitligaspiel in der Wingert-Sporthalle festzuhalten. Von der nächsten Saison an würde der TTC OE hier gerne Weltklasse-Spieler wie Timo Boll empfangen. foto: heiko rhode
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Unser Fotograf hat eine ungewöhnliche Perspektive gewählt, um ein Zweitligaspiel in der Wingert-Sporthalle festzuhalten. Von der nächsten Saison an würde der TTC OE hier gerne Weltklasse-Spieler wie Timo Boll empfangen.

Tischtennis, 2. Bundesliga

Der TTC OE Bad Homburg bewirbt sich für eine Erstliga-Lizenz

  • Thorsten Remsperger
    vonThorsten Remsperger
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Die Ober-Erlenbacher haben bis April Zeit, ihr Budget zu verdoppeln. Der Tischtennis-Club hat deshalb ein Crowdfunding-Projekt gestartet.

Kürzlich haben sich die Entscheider beim TTC OE Bad Homburg zusammengesetzt. Die Hierarchie ist flach, in dem Einspartenverein geht es familiär zu. Und so saßen sie im Haus des früheren Präsidenten Martin Baugard, der ein Stockwerk zur Geschäftsstelle des TTC OE umfunktioniert hat, zusammen, um einen wegweisenden Beschluss für die Zukunft des Ober-Erlenbacher Tischtennis-Clubs zu fällen. Zum einen waren das Geschäftsführer Bernd Röschenthaler und der Sportliche Leiter Sven Rehde, die sich gemeinsam mit dem beruflich derzeit stark eingespannten Mirko Kupfer um die Geschicke des ausgegliederten Profiteams kümmern. Zum anderen Vorstandsmitglieder um Präsident Wolfram Schubert und dessen Stellvertreter Björn Sobek, die sich teilweise auch im TTC-Freundeskreis finanziell einbringen.

Es herrschte Einigkeit im Hause Baugard an jenem Abend, und das hat sich seitdem auch nicht geändert: Der TTC OE Bad Homburg bewirbt sich um eine Lizenz für die 1. Liga. Unter den Anträgen, die bis Dienstag bei der Deutschen Tischtennis-Bundesliga (TTBL) Sport GmbH eingegangen sein mussten, befindet sich also erstmals auch ein Schriftstück, das aus dem Taunus abgesendet worden ist.

"Wir wollen es gemeinsam durchziehen, wenn es irgendwie geht", sagt Röschenthaler, das sei Tenor in dieser Sitzung gewesen. Was aber noch lange nicht heißt, dass der Tabellenführer der 2. Bundesliga in der nächsten Runde der Beletage angehören wird. Denn die rund 500 Euro, die der Antrag den TTC OE kostete, sind nur der Anfang.

Das bisherige Saisonbudget von 80 000 bis 100 000 Euro muss verdoppelt werden, um in der 1. Bundesliga mitspielen zu können. Sponsoren haben den umtriebigen Ober-Erlenbacher Tischtennisfreunden aber nicht gleich die Türen eingerannt, seitdem die Taunus Zeitung am 30. Januar über die finanziellen Sorgen exklusiv berichtete. Jedoch, so sagt es Geschäftsführer Röschenthaler, seien Türen geöffnet worden, seit der Verein sogar über einen Rückzug aus der 2. Liga nachdachte. Erste Reaktionen und weitere geplante Aktionen wie ein Spendenaufruf über das Internet (genannt Crowdfunding, siehe auch Extra-Text) stimmen nicht nur ihn optimistisch, das notwendige Geld auftreiben zu können.

Bis Ende April haben die Ober-Erlenbacher dafür Zeit. Dann wird ein Wirtschaftsprüfungsunternehmen mit der TTBL Sport GmbH die Lizenzanträge unter die Lupe genommen und die Voraussetzungen der Vereine hinsichtlich der rechtlichen, personellen, administrativen, infrastrukturellen und finanziellen Kriterien geprüft haben. Für die laufende Saison hatte der TTBL-Aufsichtsrat allen zwölf Bewerbern grünes Licht erteilt.

Die sportlichen Voraussetzungen dürfte der TTC OE erfüllen. Vier Spiele vor dem Saisonende beträgt der Vorsprung des Spitzenreiters auf Rang drei schon fünf Punkte, die beiden stärksten Zweitligisten sind aufstiegsberechtigt. Wenn sie denn wollen. Die Ober-Erlenbacher träumen schon seit Jahren davon. Jetzt trauen sie sich auch. Denn die Qualität im Team ist überragend.

Der TTC OE hat fest vor, den Rumänen Rares Sipos (19) und Lev Katsman (18), die zu den größten Talenten im Tischtennis gezählt werden, zu halten. Beide hätten dem Verein auch bereits signalisiert, den Weg in die 2. Liga mit den Kurstädtern gehen zu wollen. Ebenfalls wird das Management U23-Nationalspieler Nils Hohmeier (22) ein Angebot unterbreiten - schon deshalb, weil jeder Erstligist einen deutschen Spieler im Kader nominieren muss.

Drei Akteure kommen in der höchsten Spielklasse pro Partie zum Einsatz. Die Nummer eins, der Inder Harmeet Desai (26), hat derweil seinen Abschied verkündet. Auch beim Polen Samuel Kulczycki (17) stehen die Zeichen wohl eher auf Abschied. Für "Dauerbrenner" und Kapitän Dominik Scheja (23) dürfte die Bundesliga als einziger Amateur im Team eine Nummer zu groß sein.

Guter Dinge ist man beim TTC OE Bad Homburg, im Falle eines Aufstiegs auch noch zu einem späteren Zeitpunkt einen absoluten Topspieler verpflichten zu können, am besten einen unter den besten 50 der Weltrangliste, wie Geschäftsführer Kupfer schon durchblicken ließ. Dann wären die Ober-Erlenbacher sportlich gewappnet.

Den guten Zuschauerschnitt (200 bis 300 Anhänger) glauben die TTC-OE-Macher alleine durch die internationale Klasse in den Gästeteams noch deutlich steigern zu können. Knapp 500 Fans würde die Wingert-Sporthalle für Bundesliga-Tischtennis fassen. So viele kamen auch schon zu Benefizturnieren mit Timo Boll und Co. Es scheint derzeit, als fehlten in Ober-Erlenbach nur noch die Moneten.

Crowdfunding: TTC OE belohnt seine Spender

Auf der Internetseite ttbl.ttcoe.de wirbt der TTC OE Bad Homburg seit gestern Abend mit einem Video für Crowdfunding (auf Deutsch auch Schwarm- oder Gruppenfinanzierung). Der Sportliche Leiter Sven Rehde spricht darin nochmals die aktuelle Entwicklung in der Kurstadt an. Große Unternehmen fokussierten sich beim Sportsponsoring nun auf das WTA-Tennisturnier, das im Juni erstmals im Kurpark stattfinden wird. Durch Spendengelder hofft der ambitionierte Tischtennis-Zweitligist, trotzdem den benötigten Bundesliga-Etat von rund 200 000 Euro sammeln zu können. Ab der Überweisung eines Betrages von 50 Euro belohnt er seine Unterstützer. Angefangen von reduzierten Eintrittspreisen für ein Heimspiel in der Wingert-Sporthalle über eine Trainingseinheit für acht Personen mit einem Profi bis hin zu V.I.P-Dauerkarten für die Saison 2020/2021 inklusive Verpflegung und reservierten Sitzplätzen. (rem)

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