Er holte den ersten Ober-Erlenbacher Punkt in der Bundesliga: Gustavo Tsuboi. Zu mehr reichte es gestern jedoch nicht. Foto: Strohmann
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Er holte den ersten Ober-Erlenbacher Punkt in der Bundesliga: Gustavo Tsuboi. Zu mehr reichte es gestern jedoch nicht.

Tischtennis, 1. Bundesliga

TTC OE Bad Homburg: Eine Auftaktniederlage, die Mut macht

  • Thorsten Remsperger
    vonThorsten Remsperger
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Nach vier teils begeisternden Spielen endet die Bundesliga-Premiere des TTC OE gegen Neu-Ulm 1:3. Die Gastgeber sind mit ihrer Premiere in der höchsten Spielklasse zufrieden, auch aus organisatorischer Sicht.

Gustavo Tsuboi schrie seine Freude heraus, riss den rechten Arm nach oben und ballte die Faust. Er dreht sich zur Tribüne, auf der es einige Zuschauer nicht mehr auf ihren Sitzen hielt. Mit immer noch geballter Faust lief die Nummer eins des TTC OE Bad Homburg im roten Trikot danach zu seinen Mitspielern, um sich von ihnen, Trainer Tobias Kirch und dem Sportlichen Leiter Sven Rehde beglückwünschen zu lassen.

Man hätte meinen können, der routinierte Tischtennis-Profi aus Brasilien hätte seinem neuen Verein aus dem Taunus gerade zu einem echten Coup beim gestrigen Bundesliga-Start verholfen. Dem war nicht so, der TTC Neu-Ulm wurde mit einem 3:1-Sieg später noch seiner Favoritenrolle gerecht. Aber so klar überlegen, wie es mancher Experte erwartet hatte, waren die finanziell auf Rosen gebetteten Schwaben um den ehemaligen Europameister Emmanuel Lebesson weiß Gott nicht.

Und vielleicht sollte genau diese Erkenntnis von den Gastgebern, die als Zweitliga-Meister hart um ihre Lizenz hatten kämpfen müssen und mit Tsubois Verpflichtung nur einen Schuss auf dem Transfermarkt frei hatten, noch höher bewertet werden als der erste Einzelsieg in der Bundesliga. Den hatte der 35-Jährige gleich im Auftaktspiel gegen den beinahe halb so alten Russen Vladimir Sidorenko eingefahren.

"Heute haben alle gesehen, dass wir mithalten können, wir brauchen uns in dieser Liga nicht zu verstecken", resümierte Rehde, "auch wenn das eine ganz andere Nummer ist, was auf diesem Niveau gespielt wird."

Der kleine Ober-Erlenbacher Einspartenverein hatte das Feld für das erste Bundesliga-Heimspiel seiner Geschichte vorbildlich bereitet, was den vielen ehrenamtlichen Mitgliedern, die am Sonntagnachmittag im Einsatz waren, hoch anzurechnen ist. Musste die Partie doch unter Corona-Regeln stattfinden. So teilten zahlreiche Helfer den 220 Zuschauern in der Wingert-Sporthalle die Plätze zu, die sowohl auf der Tribüne als auch um den Court herum im Abstand von 1,50 Meter installiert waren.

Team-Vorstellung wie einst bei Michael Jordan

Wie einst Basketball-Champion Chicago Bulls zur Musik von "Alan Parsons Project" waren alle Spieler des Bundesligakaders unter dem Applaus der Fans eingelaufen, ehe sich auch mit Platz zwischen den Fans die für Tischtennis so typische Atmosphäre entwickelte. Während der Ballwechsel wagte kaum jemand, lauter zu atmen. Dazwischen gaben Trommler den Takt vor.

Immer wieder erhoben sich die Mitspieler Tsubois geschlossen während dessen ersten Einzel, das heiß umkämpft war. Der Routinier gewann vor allem wegen seiner trickreichen Aufschläge im fünften und letzten Satz. Danach ließ der bis in die Haarspitzen motivierte Lev Katsman den Außenseiter sogar kurz von der großen Überraschung träumen, als er gegen den Portugiesen Tiago Apolonia (Saisonbilanz 2019/20: 21:6 Siege), den ersten Durchgang gewonnen und im zweiten wieder zwei Satzbälle hatte. "Wenn er den gewinnt, gehen wir auch 2:0 in Führung", war Rehde überzeugt. Aber Apolonia schaffte die Wende. Und im dritten Einzel erholte sich Lebesson, der von Neu-Ulms Trainer Dmitrij Mazunov für Position drei nominiert worden war, schnell von einer Schwächephase im zweiten Satz. Der wurde immerhin zur Beute des mutig aufspielenden U21-Vizeeuropameisters Rares Sipos.

Hätte Tsuboi im vierten Einzel erneut gewonnen, wäre es beim Stand von 2:2 noch zum Doppel gekommen, in dem Lebesson dann als eigentlicher Top-Mann hätte mitspielen können. Doch Ober-Erlenbachs Nummer eins verlor gegen Apolonia im zweiten Satz den Faden. Er hatte gegenüber seinem Gegner lautstark moniert, dass dieser während eines Ballwechsels die Kunststoffkugel mit der Brust berührt habe. Dies stritt der Portugiese ab, es blieb bei dessen Punktgewinn. Es kam zum Kuriosum, dass Tsuboi - sichtlich genervt - eine Toilettenpause einlegte, offensichtlich um sich abzureagieren. Er fand im dritten Satz dann zu spät wieder in die Partie. Nach knapp drei Stunden war die erste Bundesliga-Niederlage des TTC OE schließlich besiegelt. Doch die zufriedenen Zuschauer hatte das Gefühl beschlichen, dass in dieser Saison auch der ein oder andere Sieg bejubelt werden könnte.

TTC OE Bad Homburg - TTC Neu-Ulm 1:3:Tsuboi - Sidorenko 3:2 (5:11, 11:7, 5:11, 11:6, 11:4), Katsman - Apolonia 1:3 (11:8, 12:14, 7:11, 10:12), Sipos - Lebesson 1:3 (5:11, 11:6, 5:11, 6:11), Tsuboi - Apolonia 0:3 (9:11, 8:11, 9:11).

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