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Tanzsport

Bad Homburg hat eine Weltmeisterin

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Viele Anläufe hat Natascha Karabey unternommen, um an die Weltspitze des Standardtanzes zu gelangen. Erst mit ihrem Bruder, dann mit ihrem Lebensgefährten. Jetzt hat es geklappt.

„Endlich! Wir haben so hart auf diesen Titel hingearbeitet“, sagte eine gerührte Natascha Karabey nach dem Gewinn des Weltmeistertitels im Bonner Maritim-Hotel. Seit 27 Jahren wirbelt sie regelmäßig auf Tanzsportveranstaltungen elegant übers Parkett. Bis 2013 tanzte sie mit ihrem Bruder Sascha. Und das überaus erfolgreich. Acht nationale Meistertitel holte das Geschwisterpaar aus Bad Homburg bei den Amateuren, sieben weitere bei den Professionals. 2005 waren sie bei den Amateuren Vize-Weltmeister.

Sascha Karabey beendete 2014 seine Karriere als Tänzer und übernahm die Leitung der elterlichen Tanzschule Karabey in Bad Homburg. Unzählige Pokale haben die Geschwister bei Turnieren auf allen Kontinenten gewonnen. Nur ein Traum war nicht in Erfüllung gegangen. Der vom WM-Titel. Den hat sich Natascha Karabey nun mit einem anderen Tanzpartner erfüllt.

„Nun ist es endlich wahr“

„Das habe ich mir von Kindesbeinen an gewünscht. Nun ist es endlich wahr“, strahlte sie nach der Siegerehrung. Seit vier Jahren tanzt sie mit dem Slowenen Domen Krapez, der nicht nur auf dem Parkett, sondern auch privat ihr Partner ist. Von 2015 bis 2018 gewannen die beiden viermal in Folge die deutsche Meisterschaft der Professionals in den Standardtänzen. 2016 und 2017 belegten sie bei den Europameisterschaften jeweils den zweiten Platz. Nun gelang der große Wurf.

Die Kür-WM ist etwas anderes als ein Standard-Wettbewerb. Hier gibt es keine Vorschrift, wie viele Standardtänze gezeigt werden müssen. Karabey und Krapez zeigen in ihrer Kür alle. In puncto Tanztechnik waren sie in Bonn der Konkurrenz überlegen. Doch beim Kür-Tanz sind die Show-Elemente ebenso wichtig. Vor dem Turnier galten als Favoriten daher eher die am Ende drittplatzierten Österreicher Vadim Garbuzov/Kathrin Menzinger, die zuvor selbstbewusst verkündet hatten, sie würden den Titel anstreben, sowie die US-Amerikaner Nazar Batih/Mariko Cantley (Rang zwei).

Doch Krapez/Karabey waren an diesem Tag einfach die Besten. Nicht nur technisch. Sie tanzten sehr dynamisch und verstanden es, zu Klängen von den Beatles, Queen, Bee Gees, Michael Jackson, Whitney Houston und Adele sehr ästhetisch zwischen den Epochen zu wechseln. Nach ihrer emotionalen Interpretation von „Evolution of Pop Music and Dance“ gab es zur mitternächtlichen Stunde, noch bevor die neunköpfige internationale Jury mit ehemaligen Weltmeistern und Blackpool-Siegern (so etwas wie das Wimbledon-Turnier im Tennis) ihre Wertung abgab, lange Standing Ovations seitens der sachkundigen Zuschauer.

In China spielt die Musik

Dem Triumph vorangegangen war hartes Arbeiten. Nach der Profi-WM in den Standardtänzen, wo das Paar in Moskau Platz vier belegt hatte, hatten sich Natascha Karabey und Domen Krapez drei Wochen lang intensiv in Bad Homburg vorbereitet. Dort sind sie eigentlich nur noch selten anzutreffen, höchstens zwei Monate im Jahr. Sonst leben sie in Hongkong. Weil von dort die große Welt des Tanzens leichter erreichbar ist. Die Musik spielt aktuell in Asien, vor allem in China.

„Dort wird überall getanzt. In Schulen, an den Universitäten, wo viele Europäer als Tanzlehrer tätig sind. Aber auch in Parks, auf der Straße. In China werden abends mit staatlicher Unterstützung Tanzkurse im Freien angeboten. Und dort werden auch Woche für Woche hochdotierte Tanzturniere angeboten“, erzählt Sascha Karabey, warum so viele Spitzentänzer im Reich der Mitte mittlerweile beheimatet sind.

So blieb Natascha Karabey/Domen Krapez auch nicht viel Zeit, um in Deutschland zu feiern. Nur wenige Stunden nach dem Sieg saßen sie schon im Flugzeug nach Bangkok. Am Wochenende steht das nächste Turnier in Schanghai an, danach wird durch Asien getourt. Schließlich wollen die frisch gekürten Champions das WM-Gold nun auch ummünzen. Ist doch klar: Wer einen Weltmeister will, muss tiefer in die Tasche greifen. Wie lange sie noch tanzen will, hat Natascha Karabey nicht verraten. Ihr privates wie sportliches Glück hat sie bei Domen Krapez gefunden.

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