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Aufschlag vor großer Kulisse: 250 Zuschauer verfolgen im Spitzenspiel des Doppel mit Rares Sipos und Samuel Kulczycki (TTC OE Bad Homburg) gegen die Mainzer Simon Soderlund und Cedric Meissner (von links).

Tischtennis, 2. Bundesliga

TTC OE Bad Homburg scheitert an der Mainzer Geheimwaffe

Im sechsten Saisonspiel reißt die Siegesserie der Ober-Erlenbacher. Schwache Doppel und ein taktischer Zug der Mainzer sind dafür entscheidend.

In den Minuten nach der ersten Niederlage zeigte Mirko Kupfer Sportsgeist. "Ich habe nach dem deutlichen Rückstand noch mit einem 5:5 gerechnet, aber so wie es gelaufen ist, ist es verdient", stellte der Manager des Tischtennis-Zweitligisten TTC OE Bad Homburg fest. 1:5 lag der Spitzenreiter gegen den amtierenden Meister FSV Mainz 05 zurück, kam dann auf 4:5 heran, ehe im finalen Einzel Samuel Kulczycki nur wenig gelang gegen den Materialspieler Luka Mladenovic und das 4:6 nicht verhindern konnte.

Das Personalpuzzle des neuen Tabellenzweiten aus Rheinhessen passte somit. Mladenovic hatte mit seinem Belag, der auf diesem Leistungsniveau selten eingesetzt wird, auch schon Lev Katsman zur Verzweiflung gebracht, es war die erste Niederlage für den Russen in der Liga. "Ja, die Rechnung mit Luka ist voll aufgegangen", konstatierte Mainz' Trainer und SG-Anspach-Vorstandsmitglied Marcel Müller. Im Doppel hatte er noch auf den Polen Maciej Kubik gesetzt. Da Katsman und Kulczycki ihn zu gut kennen, setzte Müller in den Einzeln auf die "Geheimwaffe" Mladenovic.

Schon in den Doppeln hatte sich abgezeichnet, dass die Ober-Erlenbacher erstmals richtig gefordert werden würden. Weder Harmeet Desai/Katsman noch Rares Sipos/Kulczycki vermittelten den Eindruck, in den entscheidenden Phasen zulegen zu können. Es erwies sich als Fehler, das bislang erfolgreiche Doppel Katsman/Kulczycki (Bilanz 4:0) auseinanderzureißen. Auf das andere starke Doppel, Sipos/Nils Hohmeier (3:1), konnte der TTC OE allerdings nicht bauen, denn Hohmeier laboriert derzeit an einer Rückenverletzung. "Er wird wahrscheinlich erst gegen Hamm wieder spielen können", sagte Kupfer. Das wäre im letzten Hinrundenspieltag am 7. Dezember. Für den kommenden Doppelspieltag am Freitag (19 Uhr) gegen TuS Celle und Sonntag (14 Uhr) bei Borussia Dortmund fällt er somit aus.

Nach dem 0:2 in den Doppeln verkürzte Desai zwar insgesamt souverän auf 1:2, doch Sipos, Katsman und Kulczeycki waren dann ihren Opponenten deutlich unterlegen - somit stand bereits nach etwa anderthalb Stunden Spielzeit das Ende der Siegesserie fest.

In der zweiten Rotation ging es für den Ligaprimus darum, wenigstens einen Punkt zu retten. Angetrieben von den 250 Zuschauern, zeigte Desai im Topeinzel gegen Aufschlagspezialist und "Krake" Simon Berglund sein sicheres Händchen und platzierte viele Bälle unerreichbar für den schwedischen Nationalspieler.

Am Nebentisch kämpfte sich Sipos ins Spiel und knackte den zweiten Schweden bei den Mainzern, Simon Soderlund, im vierten Satz. Während Katsman im Duell der Linkshänder Cedric Meissner unter Kontrolle hatte, erstmals in dieser Saison einen glatten 3:0-Erfolg feierte und somit seine Erfolgsbilanz auf 7:1 ausbaute, scheiterte Kulczycki - vergeblich unterstützt von Trainer und Vater Szymon Kulczycki - fast zeitgleich am unkonventionellen und taktisch überlegenen Mladenovic.

Als sich die Halle merklich geleert hatte, sagte Kupfer: "Es war klar, dass das Team nicht immer 100 oder gar 150 Prozent abrufen kann." Manchmal sei es auch besser, so ein Spiel zu verlieren, "dann ist man geerdeter".

Zwar ist mit nun 10:2 Punkten der Vorsprung auf den ärgsten Verfolger Mainz (10:4) spürbar geschmolzen, doch die Mannschaft aus der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt ist kein Rivale, wenn es um die Vergabe der beiden Aufstiegsplätze geht. "Es würde noch keinen Sinn machen", sagte Trainer Müller zum Thema Tischtennis-Bundesliga (TTBL). Dafür fehle es am nötigen Unterbau, dieser könne sich nur mittelfristig entwickeln. Außerdem: "Wir hängen am Tropf der Fußballer."

Das bedeutet: Sollten die Nullfünfer in dieser Saison aus der 1. Bundesliga absteigen, dann dürften die finanziellen Zuwendungen für die Tischtennis-Abteilung künftig geringer ausfallen. Solche Unwägbarkeiten gibt es beim TTC OE nicht. Ob das Abenteuer Bundesliga diesmal angegangen werden könnte, entscheidet sich vermutlich erst Anfang des neuen Jahres.

TTC OE Bad Homburg - FSV Mainz 05 4:6 (15:20): Desai/Katsman - Berglund/Kubik 1:3 (11:4, 8:11, 7:11, 8:11), Sipos/Kulczycki - Soderlund/Meissner 1:3 (9:11, 7:11, 11:8, 8:11), Desai - Soderlund 3:0 (11:8, 11:4, 12:10), Sipos - Berglund 0:3 (7:11, 8:11, 9:11), Katsman - Mladenovic 1:3 (3:11, 9:11, 11:7, 7:11), Kulczycki - Meissner 0:3 (5:11, 8:11, 6:11), Desai - Berglund 3:1 (11:6, 13:11, 6:11, 11:8), Sipos - Soderlund 3:1 (10:12, 12:10, 11:8, 11:7), Katsman - Meissner 3:0 (11:9, 11:8, 11:7), Kulczycki - Mladenovic 1:3 (2:11, 10:12, 7:11).

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