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Imposant: Rot war die dominierende Farbe in der Wingert-Sporthalle, die 50 Helfer zur ?Länderspiel-Arena? verwandelt hatten.

Tischtennis

Der TTC OE Bad Homburg stellt ein Länderspiel auf die Beine

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Knapp 300 Zuschauer lassen sich das Tischtennis-Duell zwischen Deutschland und Luxemburg in Ober-Erlenbach nicht entgehen. In vielerlei Hinsicht erleben sie einen kurzweiligen Abend.

Hand in Hand mit dem Nachwuchs: Chantal Mantz wird in Ober-Erlenbach von Cheerleadern und Zuschauern begrüßt.

Wenn es drinnen am lautesten ist, sucht Chantal Mantz die Ruhe. So zog sich die 22-jährige Tischtennisspielerin in die Umkleidekabine zurück, als in der Wingert-Sporthalle die Stimmung am Siedepunkt angelangt war. Bei Länderspielen ist es im Tischtennis ja so, dass die Partien nacheinander durchgeführt werden und nicht – wie etwa in der 2. Liga – zwei gleichzeitig. Somit trug sich die spannende Endphase des Spiels zwischen ihrer deutschen Teamkollegin Kristin Lang und der Luxemburger Nummer eins, Sarah De Nutte, kurz vor ihrem Einsatz zu. Vor knapp 300 gespannten Zuschauern, die in Bad Homburg noch nie ein Länderspiel erlebt hatten. Sie wiederum hatte für Deutschland noch nie bei einem Heimspiel aufgeschlagen. Und dann war es auch noch in Hessen, wo sich die Bundesligaspielerin heimisch fühlt, weil sie in Dieburg geboren wurde und noch viele Verwandte dort leben.

Mit Nervosität hat Chantal Mantz gelernt, umzugehen. „Ich muss irgendwohin, wo es ruhig ist, wo ich alleine bin, wo ich mich konzentrieren kann“, sagt die Nummer drei im Kader von Bundestrainer Jie Schöpp. Also stahl sie sich aus der Team-Box, in der sie zuvor am Rande der roten Spielfläche gesessen hatte, um Lang anzufeuern. In der Kabine schloss sie die Augen, stellte sich Ballwechsel vor, die sie sich mit Danielle Konsbrück bald liefern würde. Fast ein meditativer Zustand ist das dann, wie bei den Abfahrern im alpinen Skisport, kurz bevor sie sich aus dem Starthäuschen ins Tal wuchten.

„Alles rauslassen“

Als Lang unter dem Jubel des Publikums Deutschland mit 2:0 in Führung gebracht hatte, spielte sich Mantz mit Teamkollegin Petrissa Solja, souveräne Siegerin der ersten Partie, in der 15-minütigen Spielpause ein. Nochmals ein kurzer Aufenthalt in der Kabine. Und gegen 20.20 Uhr konnte die kraftvolle Spielerin, die ihre langen Haare zu einem Dutt hochgesteckt hatte, endlich „alles rauslassen“, wie sie später schmunzelnd erzählte, „bei mir muss das so sein“.

Fast jeden Punktgewinn feierte sie mit einem leisen „Yo“, die Faust wurde auch mal geballt. Ganz im Gegensatz zu den vorherigen Duellen, in denen die hochkonzentrierten Spielerinnen meistens ganz „im Tunnel“ blieben. In diesem Tunnel befinde sich Mantz auch während eines Spiels, erzählte die junge Frau später. Aber ihre Emotionen kann und will sie nicht zurückhalten. Die fielen umso mehr auf, da man während der Ballwechsel im „Wingert-Dome“ eine Stecknadel hätte fallen hören können.

Imposant: Rot war die dominierende Farbe in der Wingert-Sporthalle, die 50 Helfer zur ?Länderspiel-Arena? verwandelt hatten.

Emotional war das Länderspiel auch für die Gastgeber. In viele lächelnde und entspannte Gesichter schaute man. Rund 50 Helfer des TTC OE Bad Homburg hatten sich für dieses vielleicht einmalige Ereignis mächtig ins Zeug gelegt. An den roten Helfer-Shirts mit aufgedruckten Flaggen in Schwarz-Rot-Gold und Rot-Weiß-Blau waren sie zu erkennen. „Dass wir so viele Helfer im Verein haben, darauf können wir stolz sein, eigentlich müsste man das viel mehr wertschätzen und nicht als selbstverständlich hinnehmen“, sagte Johannes Herrmann. Der Manager des Zweitliga-Teams beim TTC OE führte gemeinsam mit Radiomoderator und Oberligaspieler Michael Maxen durchs Programm.

Einiges hatte sich der 220 Mitglieder starke Verein einfallen lassen für dieses Event, für das sich der Club vor vier Monaten beworben hatte und zu dessen Organisation es zum Beispiel auch gehört, den Mannschaften optimale Rahmenbedingungen zu schaffen. Am Montag waren die Spielerinnen angereist, trainierten in der bereits komplett hergerichteten Halle, um in einem Bad Homburger Hotel ihre erste von zwei Übernachtungen anzutreten.

Über 1000 Euro gespendet

Sie sucht in der Ruhe die Kraft: Chantal Mantz begeistert die Fans dann durch druckvolles Spiel.

Selbstverständlich war es für die Gastgeber, einen Teil der Einnahmen zu spenden, obwohl die Veranstaltung laut Mirko Kupfer, dem Sportlichen Leiter des TTC OE, bestenfalls kostendeckend über die Bühne gegangen sei. Für die Stiftung Bärenherz, die sich um schwerkranke Kinder kümmert, wurden in der Pause Nationaltrikots versteigert. Der TTC OE unterstützte zudem das Volksbildungswerk Hessen. Der Kooperationspartner verstärkte mit acht Auszubildenden das Helfer-Team und trug so seinen Teil zum reibungslosen Ablauf bei. Insgesamt wurden mehr als 1000 Euro gespendet.

Michael Geiger, Präsident des Deutschen Tischtennis-Bundes, begrüßte die Besucher und lobte den TTC OE als tadellosen Gastgeber, der Verein gratulierte Jugendleiter Sören Sobek zu dessen 28. Geburtstag. Dann liefen die Spielerinnen ein. Zu grooviger Musik, an den Cheerleader der Bad Homburg Sentinels vorbei, mit Einlaufkindern an der Hand. Und die Nationalhymnen wurden selbstverständlich auch gespielt. Die sangen die deutschen Spielerinnen zwar nicht mit. Sie ließen dafür aber Leistung sprechen – und bedankten sich.

La Ola vor den Zuschauerrängen: die deutschen Nationalspielerinnen Chantal Mantz, Kristin Lang und Petrissa Solja nach dem 3:0-Sieg.

Super sympathisch seien die Menschen hier, viel Mühe habe man sich gemacht, lobte Petrissa Solja, WM-Bronzemedaillen-Gewinnerin im Mixed, die für den TSV Langstadt in der Bundesliga aufschlägt. Mit den Südhessen plant der TTC OE eine Zusammenarbeit in PR und Marketing. Begeistert waren die Spielerinnen über einen riesigen Fresskorb mit Obst und Energie-Riegeln, aus dem sie sich bedienen konnten. „Es war alles sehr gut organisiert, wir haben uns wohl gefühlt“, sagte auch Chantal Mantz, bei deren Auftritt von Nervosität übrigens gar keine Spur war. Sie ließ Danielle Konsbrück nicht den Hauch einer Chance. Das war der einzige Wermutstropfen des ersten Tischtennis-Länderspiels im Hochtaunus: Es war nach 90 Minuten schon vorbei.

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