Engagierter Trainer nicht nur am Beckenrand: Bastian Richter vom SSV Raunheim.
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Engagierter Trainer nicht nur am Beckenrand: Bastian Richter vom SSV Raunheim.

Schwimmen

„Immer neu auf Bedürfnisse einstellen“

Mit dem Aufstieg in die Oberliga ist den Schwimmerinnen des SSV Raunheim kürzlich der größte Erfolg in der Vereinsgeschichte gelungen. Unser Mitarbeiter Stephan Stähler unterhielt sich mit Trainer Bastian Richter (35) über den Weg zum Erfolg und wie es weitergehen soll.

Herr Richter, wie beurteilen Sie den Aufstieg in die Oberliga, war damit zu rechnen ?

BASTIAN RICHTER: Grundsätzlich ist es im Schwimmsport immer schwierig Platzierungen vorherzusagen, da man nur seine eigene Leistung beeinflussen kann, aber natürlich nicht die Leistungen der Schwimmer aus den anderen Vereinen. In der Mannschaftsbesprechung vor der DMS hatte ich als Ziel 11 400 bis 11 500 Punkte als Ziel ausgegeben. Hierbei wollten wir mindestens den vierten Platz erreichen. Die SG Weiterstadt war nach den Ergebnissen 2017 der große Favorit und sie haben den Durchmarsch absolut eindrucksvoll gemeistert. Wie erwartet waren die beiden Wiesbadener Vereine mit uns auf gleicher Höhe. Das wir das Punkteziel noch leicht übertreffen konnten und nächstes Jahr in der Oberliga antreten dürfen ist eine unglaubliche Leistung der Schwimmerinnen.

Was war die Grundlage für diesen Erfolg?

RICHTER: Grundsätzlich muss man sagen, dass die Schwimmerinnen und Schwimmer sich dies über mehrere Jahre hart erarbeitet haben. Wir waren die letzten Jahre vermehrt auf Deutschen Meisterschaften vertreten, haben Medaillen und Titel bei Süddeutschen und Hessischen Meisterschaften gewonnen. Dies ist das Resultat von sehr harter und disziplinierter Arbeit. Entscheidend am Wettkampftag war, dass sich die Sportlerinnen und Sportler immer auf ihren aktuellen Start konzentriert haben. Im Vergleich zu den Wettkämpfen, die wir das ganze Jahr über schwimmen, ist die DMS der einzige Mannschaftswettbewerb im Schwimmsport und man neigt sehr schnell dazu anhand der Tabelle irgendwelche Prognosen, Wünsche, Ziele zu formulieren und verliert dadurch den Fokus auf das jeweils aktuelle Rennen. Beim Schwimmsport muss die Leistung über Sekunden beziehungsweise wenige Minuten abgerufen werden, daher ist die Fokussierung auf das aktuelle Rennen absolut entscheidend. Ein weiterer Aspekt ist bei diesem Wettkampf der Teamgeist. Beide Teams haben sich super unterstützt und motiviert. Diese drei Faktoren waren die Grundlage für den Aufstieg.

Wie hoch ist es zu werten, dass Raunheim im kommenden Jahr sich nun mit den besten Schwimmclubs aus Hessen messen kann?

RICHTER: Der Großteil der Vereine verfügt über deutlich bessere Bedingungen als wir in Raunheim. Viele bieten doppelt so viele Trainingsmöglichkeiten an als wir, aber dennoch sind wir mit unseren Bedingungen im Großen und Ganzen zufrieden. Das wir es in der Vereinsgeschichte erstmals geschafft haben in die Oberliga aufzusteigen unterstreicht nochmals die Wertigkeit und Bedeutung dieser Leistung.

Wie wichtig ist es bei diesem Erfolg, dass auch der Nachwuchs mitzieht ?

RICHTER: Ohne den Nachwuchs ist so eine Leistung nicht möglich. Im aktuellen Aufstiegsteam sind vier Schwimmerinnen aus der Ersten Mannschaft geschwommen, drei aus der Zweiten Mannschaft und eine Schwimmerin, die gerade zwölf Jahre alt ist, aus der Dritten Mannschaft. Jedes Teammitglied muss auf seiner Strecke abliefern und daher sind alle auch gleich wichtig für den Erfolg.

Wie sehen Sie die Schwimmabteilung insgesamt aufgestellt ?

RICHTER: Wir haben ein Trainerteam aus jungen und erfahrenen Trainern. Ich denke diese Mischung ist eine sehr gute Grundlage um langfristig erfolgreich zu sein. Wir dürfen uns aber nicht auf den Erfolgen ausruhen. Wir haben auch viele Nachwuchsschimmer, und trotzdem müssen wir immer wieder überlegen wie wir Schwimmer im Nachwuchsbereich für Leistungsschwimmen begeistern können und uns neu auf die Bedürfnisse der jungen Schwimmer einstellen.

Sehen Sie Möglichkeiten, dass in der Zukunft auch das Männerteam einen Aufstieg in die Oberliga erreichen kann ?

RICHTER: Wie schon gesagt beschäftige ich mich ungern mit Platzierungen. Leider ist das Männerteam dieses Jahr geschwächt in die Landesliga gegangen. Ich bin überzeugt, dass wir das Minus von 500 Punkten (10 500 war das Ziel, Anmerkung der Redaktion) schon allein aufholen können wenn alle Schwimmer gesund sind. Dazu werden wir uns bis nächstes Jahr weiter steigern können, sodass auch 10 800 bis 10 900 Punkte möglich sind. Für welche Platzierung es dann reicht wird sich zeigen. Grundsätzlich muss man allerdings sagen haben wir bei den Männern deutlich weniger Nachwuchs als bei den Frauen, sodass es schwieriger ist hier Ausfälle zu kompensieren.

Wie hoch stufen Sie die Chancen auf den Klassenerhalt in der Oberliga ein?

RICHTER: Aufgrund dessen, dass es dieses Jahr vier Absteiger in die Landesliga gibt, haben wir nach den diesjährigen Ergebnissen etwa 600 Punkte Rückstand zu den anderen Teams, es wird also eine große Herausforderung auf die wir uns sehr freuen. Ich bin mir sicher, dass wir uns deutlich steigern werden. Insbesondere bei den Nachwuchsschwimmern werden wir noch zulegen können, sodass es auf jeden Fall ein spannender Wettkampf wird.

Wie sehr hat Raunheim von den Problemen in Rüsselsheim aufgrund des geschlossenen Hallenbades profitiert ?

RICHTER: Bereits 2010, also lange vor der Badschließung, sind wir eine Trainingsgemeinschaft mit der TG Rüsselsheim eingegangen, um beidseitig entsprechende Synergien zu nutzen. Nach der Badschließung hat die Schwimmabteilung der TG dann beschlossen den Leistungssport vorerst auszusetzen und sich nur noch auf Breitensport und Schwimmschule zu konzentrieren, bis wieder entsprechende Rahmenbedingungen vorhanden sind. Wir haben dann entsprechend unserer Kooperation alle Leistungsschwimmer in unsere Trainingsgruppen integriert und dadurch natürlich das Team in der Breite und Qualität gestärkt. Allerdings sind auch uns durch die Badschließung Trainingszeiten verloren gegangen, die wir im Zuge der Trainingsgemeinschaft nutzen konnten und die wir nicht vollständig kompensieren konnten.

Wie sehen Sie die Perspektiven in der Zukunft in Raunheim ?

RICHTER: Grundsätzlich haben sich die Bedingungen in Raunheim nicht verändert, es liegt also an uns wie wir die Zukunft der Abteilung gestalten wollen und inwiefern es uns gelingt Kinder für den Leistungssport zu begeistern und bei den Eltern die Bereitschaft zu wecken, dies auch zu unterstützen. Um die Erfolge auf den Hessischen, Süddeutschen und Deutschen Meisterschaften zu wiederholen, ist die Bereitschaft an Trainingslagern teilzunehmen und auch mal die ein oder andere Extraeinheit einzulegen absolut notwendig. Ansonsten haben wir in allen Leistungsgruppen das Potenzial, um mal wieder für die ein oder andere Überraschung zu sorgen.

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