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Internationale Kistner-Festspiele – Pech für Porsch und Staffel

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Das Jahr 2014 liegt hinter uns. Zeit, um sportlich Bilanz zu ziehen und auf die zurückliegenden zwölf Monate zurückzublicken. Der heutige Beitrag unserer Rückblick-Serie widmet sich dem Bereich Leichtathletik.

Keine Frage, die abgelaufene Leichtathletik-Saison stand ganz im Zeichen von Sarah Kistner (MTV Kronberg). Ein Name, der in den zurückliegenden Jahren eher nur dem einen oder anderen Besucher von Volksläufen oder in der Berglaufszene aufgefallen sein dürfte. Auf jenen Veranstaltungen gab die konditionsstarke Kronbergerin hie und da ihre Visitenkarte ab und gewann fast immer souverän die Nachwuchswertung.

Weichen im Wald gestellt

Im Herbst 2013 ging es dann mit koordiniertem Training los, das von Sarahs Coach Martin Lütge-Varney sehr umsichtig gestaltet wurde und auf langfristigem Erfolg ausgelegt ist. Dass es dann wenige Monate später schon erste beachtliche Ergebnisse gab, ist auch der enormen Grundlagenausdauer geschuldet, die sich Sarah in den Jahren zuvor bei unzähligen Trainingsläufen zusammen mit ihrer Mutter in den Taunuswäldern rund um Kronberg „erarbeitet“ hat. Platz zwei als schnellste Jugendliche beim Feldberglauf (9,7 km mit 585 Höhenmetern in 45:51 min.) – ein erstes Zeichen.

Faible für Berglauf

Bei dieser Veranstaltung wurde auch Berglauf-Bundestrainer Wilfried Raatz auf Sarah aufmerksam. Daraufhin ging’s Schlag auf Schlag. Nur eine Woche nach dem Feldberglauf imponierte die MTVlerin beim renommierten Paderborner Osterlauf, als sie dort über 10 Kilometer in starken 36:39 min. die Wertung der B-Jugend gewann und den Kreisrekord pulverisierte. Mittlerweile ist Sarah über diese Distanz bei überragenden 35:39 min. (Offenbacher Mainuferlauf) angelangt, was Platz zwei in der aktuellen deutschen Bestenliste bedeutet.

Die „große Liebe“ der 17-jährigen Gymnasiastin gehört jedoch dem Berglauf. Im Rahmen des Hauchenberglaufs in Weitnau ging es um die Tickets zur WM im italienischen Casette di Massa. Sarah packte im Allgäu als Zweite ihre Chance dann auch prompt beim Schopfe und löste nach 35:22 min. für den 6,8 km langen Gipfelsturm das WM-Ticket. Nach der Höhe ging es wieder in die Ebene, denn auch auf dem Tartanbelag ist Kistner überaus flott unterwegs. Bereits Anfang der Saison hatte die Oberstufenschülerin – ihre Leistungskurse sind Mathematik und Chemie – das Ticket zu den deutschen Jugend-Meisterschaften in Wattenscheid gelöst. Im traditionsreichen Lohrheide-Stadion holte sich Sarah über 3000 Meter bei der B-Jugend in der Kreisrekordzeit von 9:51.41 min. Bronze. Das hat es schon seit Jahren nicht mehr gegeben, dass ein Nachwuchsathlet aus dem Hochtaunuskreis eine Medaille in einer Einzeldisziplin bei nationalen Titelkämpfen holte. Es blieb aber nur wenig Zeit zum Verschnaufen, stand Anfang September doch die Berglauf-WM auf dem Programm.

Meisterstück in Italien

Hier machte Sarah auf dem Kurs durch die Marmorsteinbrüche nahe Carrara ihr Meisterstück. Bundestrainer Wilfried Raatz hatte bei der WM (knapp 500 Athleten aus 40 Nationen) insgeheim mit einer Team-Medaille der Juniorinnen (U-20) gerechnet. Doch es sollte noch besser kommen. Dass es gleich Mannschafts-Gold wurde, war auch dem Überraschungs-Coup von Sarah Kistner zu verdanken. Ihr zweiter Platz in der Einzelwertung hinter Stella Chesang (Uganda) war dabei die Sensation schlechthin.

Konzept aufgegangen

Die Bergläufer(innen) aus Deutschland mussten geschlagene 23 Jahre warten, ehe bei einer Weltmeisterschaft wieder einmal die Nationalhymne gespielt werden konnte und die deutsche Fahne ganz oben im Wind flatterte. Auch Heimtrainer Martin Lütge-Varney war rundherum zufrieden. „Ganz offensichtlich hat die Vorbereitung wieder gestimmt. Nach der Jugend-DM in Wattenscheid haben wir das Training ausschließlich auf die WM ausgerichtet. Das Streckenprofil berücksichtigend, haben wir Hügeltraining und Tempoeinheiten eingebaut. Hinzu kam eine dritte leichtere Einheit in Form eines Fahrtspiels. Das Konzept ist voll aufgegangen“, so der überglückliche Coach, dessen Athletin mittlerweile auch in den C-Nationalkader des Deutschen Leichtathletik Verbandes aufgenommen wurde.

Doch die „Kistner-Festspiele“ sollten noch nicht zu Ende sein. Beim Darmstadt-Cross kochte Sarah mit einer souveränen Vorstellung alle Gegnerinnen ab, gewann das Rennen und qualifizierte sich damit für die Crosslauf-EM im bulgarischen Samokov. Am Fuße des Rila-Gebirges lief Sarah mit den Juniorinnen des DLV zu Team-Bronze und komplettierte damit ihren Medaillensatz bei internationalen Meisterschaften. Dass sie nicht über 1500 m, 5000 m oder im 5-Kilometer-Straßenlauf in Erscheinung trat, ist alleine der Termindichte geschuldet. Sonst wären wohl auch hier die Kreisrekorde gepurzelt. Fest steht, dass es seit Jahrzehnten keine Athletin mehr im Kreis gab, die ein so hohes Leistungsniveau vorweisen kann – ob auf der Bahn, der Straße, beim Cross oder im Berglauf. Man darf also gespannt sein, wohin 2015 die Reise geht – Höhepunkte sind hier die Berglauf-EM auf Madeira und die Junioren-EM im schwedischen Eskilstuna.

Hervorragend waren auch die 5,00 Meter, die Stabhochspringer Gordon Porsch (SG Anspach/A-Jugend) beim Gewinn der süddeutschen Meisterschaft in Augsburg packte. Mit seinem „Fünfer“ katapultierte sich der Höhenjäger auf Platz fünf der DLV-Statistik.

Die schnellen Jungs der Startgemeinschaft TSG Wehrheim/TV Herborn mischten in Hessen die Staffelszene mächtig auf. Über 4x100 m stürmte das Quartett Nils Kessler, Leon Rudolph, David Feldhinkel und Christian Flasshoff in hervorragenden 42,29 sec. auf Platz eins der hessischen bzw. Rang neun der deutschen Bestenliste.

Fatale Fehlentscheidung

Pech hatte die 4x400-m-Staffel (Feldhinkel, Schütze, Rudolph, Flasshoff). Bei den „Deutschen“ in Ulm qualifizierten sich die vier in starken 3:21,12 min. fürs DM-Finale. Dort blieben sie dann klar unter 3:20 Minuten – doch die Freude währte nicht lange. Ein anscheinend etwas überforderter Kampfrichter sah beim Wechsel einen Regelverstoß (der aber keiner war) und traf eine falsche Tatsachenentscheidung. Auch der von der TSG Wehrheim beim Schiedsgericht eingelegte Protest verpuffte.

Auf einem Video konnte man später die eklatante Fehlentscheidung sehen. Das Urteil wurde aber nicht revidiert, dafür aber wurden hart trainierende Nachwuchsathleten um einen tollen Erfolg gebracht. So blieb es für die Staffel bei Platz sechs in der DLV-Liste bzw. Rang zwei in der HLV-Statistik.

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