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Der Hadamarer Mirco Paul (links) bei der artistischen Ballannahme vor dem Kasseler  Sebastian Schmeer (rechts).

Fußball-Hessenliga

Irgendwie war alles anders...

Was für ein bitterer Auftakt für den SV Rot-Weiß Hadamar in die Restsaison der Fußball-Hessenliga. Die Mannschaft von Trainer Stefan Kühne wurde vom KSV Hessen Kassel beim 0:8 (0:4) nach allen Regeln der Kunst vorgeführt. Es war die höchste Klatsche der Fürstenstädter seit ihrem Mitwirken in Hessens Belétage.

VON PATRICK JAHN

SV Rot-Weiß Hadamar – KSV Hessen Kassel 0:8 (0:4). Am „Mannebacher“ Sportgelände hatte es vor dem Spiel ein Stück weit nach Ausnahmezustand gerochen. Alles war anders als sonst. Ein gewaltiges Polizeiaufgebot, ein Security-Dienst, ein Bierwagen vor dem Eingang, ein abgetrennter Gäste-Bereich und ein verschlossenes Sportheim. Wenn der KSV Hessen Kassel mitsamt seinen Fans anreist, ist nun mal alles anders. Alles anders war auch bei den Akteuren des SV Hadamar. Von der ersten Minute an wirkten die Fürstenstädter nervös, fahrig, und brachten kaum einen Ball an den (eigenen) Mann. Aus der Not heraus folgte der lange Ball, der mit Hilfe des Windes haufenweise ins Toraus flog. 

Anders Kassel: Die Nordhessen wirkten spritziger, aggressiver im Zweikampf und waren schlichtweg turmhoch überlegen. Die Klasse des KSV war spätestens nach gut 25 Minuten jedem Zuschauer belegt worden. Drei Torchancen, die nicht mal wirklich welche waren – drei Tore. Effektiver kann eine Fußballmannschaft kaum sein. Eine Ecke von Nael Najjer bugsierte der sträflich freie Ex-Profi Mahir Saglik aus kurzer Distanz über die Linie – 0:1 (10.). Dann bediente Lukas Iksal im Sechzehner Adrian Bravo Sanchez, der in Billard-Manier zum 0:2 einnetzte (18.). 

Und dann war da ja noch der zweite ehemalige Bundesliga-Spieler. Alban Meha, unter anderem beim SC Paderborn aktiv, setzte einen Freistoß aus 25 Metern zentraler Position in die Maschen – die Kugel flatterte gewaltig, dennoch sah Torhüter Christopher Strauch nicht gut aus (26.). Auch danach bekamen die Rot-Weißen kaum ein Bein auf den Boden, so dass die sehr gut organisierten Nordhessen leichtes Spiel hatten. Bis auf einen harmlosen Abschlussversuch von Jerome Zey, der am Kasten vorbeiflog, passierte in der Offensive einfach gar nichts (34.). Kurz vor der Pause: Flanke Marco Dawid von links, Kopfball Adrian Bravo Sanchez, 0:4 (43.) – Hadamar war überall, nur nicht am Gegenspieler. 

Die Vorgabe für den zweiten Durchgang war klar: Es konnte nur noch um Schadensbegrenzung gehen. Doch nur 180 Sekunden nach Wiederbeginn nahm das Dilemma seinen Lauf, als Mahir Saglik einen Fehler in Hadamars Hintermannschaft ausnutzte und Markus Neugebauer den strammen Abschluss nur noch ins Netz abzufälschen vermochte (48.).

Die Kasseler, über 90 Minuten von ihren rund 350 Fans – zumeist im Bademantel bekleidet – frenetisch angefeuert, lieferten eine gnadenlose Vorstellung ab. Nächste Chance, nächstes Tor: Marco Dawids Ablage schlenzte Alban Meha aus 16 Metern ins rechte Eck – 0:6 (55.). Fortan durfte Rot-Weiß Luft holen, kam durch Leon Burggraf sogar zu einer guten Chance (75.), doch ins Netz traf nur der Traditionsverein. Ingmar Merle packte einen seiner gefürchteten Freistöße aus der Distanz aus und nagelte das Spielgerät in den linken Torwinkel zum 0:7 (77.). Fantastisch anzusehen. Sebastian Schmeer setzte zehn Minuten vor dem Ende den Schlusspunkt unter einen rabenschwarzen Hadamarer Tag, der einen Klassenunterschied offenbarte, und den es sicherlich erst einmal aufzuarbeiten gilt.

Hadamar: Strauch, Sembene (33. Mar. Neugebauer), Burggraf, Zey, Gschwender, Rücker, Sedy (70. Oriana), Kröner, Pandza (58. Mat. Neugebauer), Herdering, Paul – Kassel: Zunker, Bravo Sanchez (60. Schwechel), Brill, Evljuskin, Meha, Merle, Allmeroth, Dawid, Saglik (70. Schmeer), Iksal (70. Zukorlic), Najjer – SR: Christian Ballweg (Zwingenberg) – Tore: 0:1 Mahir Saglik (10.), 0:2 Adrian Bravo Sanchez (18.), 0:3 Alban Meha (26.), 0:4 Adrian Bravo Sanchez (43.), 0:5 Mahir Saglik (48.), 0:6 Alban Meha (55.), 0:7 Ingmar Merle (77.), 0:8 Sebastian Schmeer (80.) – Zuschauer: 520.

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