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Isabel Gregor: Wenn Mut belohnt wird

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Von: Thorsten Remsperger

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Antrittsstark: Isabel Gregor (Falcons Bad Homburg) zieht zum Korb.
Antrittsstark: Isabel Gregor (Falcons Bad Homburg) zieht zum Korb. © Gerhard Strohmann

Mit 20 Jahren ist Isabel Gregor die jüngste Stammspielerin von Zweitliga-Spitzenreiter Falcons Bad Homburg. Am Anfang ihrer positiven Entwicklung als Spielmacherin stand eine bemerkenswerte Entscheidung.

Bad Homburg -In fremde Welten abzutauchen, ist gar nicht so das Ding von Isabel Gregor. Deshalb hat sich auch nicht die familiäre Begeisterung für die Star-Wars-Filme auf sie übertragen. Dafür beeindruckt sie ein Zitat von Carrie Fisher, der 2016 verstorbenen Darstellerin von Prinzessin Leia. Die hat einmal gesagt: "Stay afraid but do it anyway. What's important is the action. You don't have to wait to be confident. Just do it and eventually the confidence will follow." Frei übersetzt meinte sie, dass man nicht warten, sondern es einfach tun sollte. Die Aktion sei wichtig, und das Selbstvertrauen stelle sich schon irgendwann ein.

"Das passt ja eigentlich zu mir", sagt Isabel Gregor heute. Und sie dachte es auch schon damals, als sie im Sommer 2016 die kleine Weisheit im sozialen Netzwerk rezitierte. Wie recht die junge Frau hat. Es passt zu ihr als Mensch, aber auch als Basketballerin. Getreu diesem Motto verließ sie ein Jahr später, 2017, nach ihrem Realschulabschluss, ihr Elternhaus im bayrisch-schwäbischen Nördlingen. Sie war erst 16 Jahre alt und zog ins 300 Kilometer entfernte Bad Homburg, um ihrer sportlichen Leidenschaft noch besser nachgehen zu können.

Wenn Liz Rhein, Teammanagerin der Falcons Bad Homburg, auf Isabel Gregor, die alle "Isi" rufen, angesprochen wird, um sie zu charakterisieren, sagt sie denn auch als Erstes: "Die Isi liebt Basketball." Und die "nur" 1,65 Meter große Aufbauspielerin spielt so gut, dass sie mit gerade mal 20 Jahren in ihrer fünften Saison zu den Stammkräften gehört.

Pro Bad Homburg, contra Bamberg

Der mutige Schritt im Teenager-Alter ist bemerkenswert. Auch weil das große Talent gemeinsam mit den Eltern sich damals gegen die Angebote aus Bamberg und Ludwigsburg (mit dortigen Sportinternaten) entschied und der Bad Homburger Gastfamilie Rhein den Vorzug gab. Aber auch, weil Gregor ja beim TSV spielte (jetzt Eigner Angels Nördlingen), der quasi zum Inventar der 1. Bundesliga gehört.

"Der Schritt war mir damals aber zu groß", erzählt Isabel Gregor, "ich hatte keine Lust, ein Bankwärmer zu sein." Noch wichtiger für ihre Entscheidung: "Ich wollte etwas Neues entdecken, etwas Neues sehen." Da klang Bad Homburg mit seiner Nähe zu Frankfurt verlockend. Mit einem Club, in dem ihre frühere Jugendtrainerin Gergana Georgieva inzwischen spielte. Ihre Eltern, die sie genauso wie ihre jüngere Schwester Annika (18) mit ihrer Begeisterung für Basketball angesteckt hat, zeigten Verständnis und unterstützten sie.

Eingelebt habe Isabel Gregor sich in dem "super familiär geführten Verein" schnell. Auch dank der Familie Rhein. "Manchmal kann Liz sogar strenger sein als meine Eltern", hat die Rechtshänderin mal gesagt.

Talentiert auch für die Leichtathletik

Der Leichtathletik ging das Mädchen nach dem Umzug in den Taunus nicht mehr nach. Für den Sprint hatte sie ebenfalls viel Talent mitgebracht und daran beim TSV nebenbei gearbeitet. "Jetzt battele ich mich vor allem mit Tosca im Training", lächelt Isabel Gregor, deren Bestzeit über 100 Meter bei 12,97 Sekunden liegt. Gemeint ist Tosca Steinhoff, ein weiteres Talent, dem Jay Brown regelmäßig Spielanteile gibt. In noch jungen Jahren ist bei den Falcons aber keine in der basketballerischen Entwicklung so weit wie Isabel Gregor. "Jeden Sommer bringt sie für ihre Werkzeugkiste etwas Neues mit", lobt Trainer Brown, "Isi hat sich immer weiter entwickelt. Der Plan war, dass sie zur Leistungsträgerin wird. Das ist uns gelungen, und darauf sind wir stolz."

In dieser Saison kommt Isabel Gregor auf eine durchschnittliche Einsatzzeit von 24:31 Minuten. Sie erzielt pro Spiel acht Punkte und steuert drei Assists bei. Zieht dank ihrer Schnelligkeit gerne mutig dahin, wo es wehtun kann. Spielt lieber zur besser postierten Mitspielerin ab, als selbst zu werfen. Zufrieden sei sie nie, sagte die Aufbauspielerin nach dem Kantersieg gegen Heidelberg am Mittwochabend mit einem Lächeln - übrigens mittlerweile in fast akzentfreiem Hochdeutsch und mit einem Abitur (an der Humboldt-Schule) in der Tasche.

Isabel Gregor würde gerne noch lange für die Falcons spielen

Getreu ihrem Motto würde sie nun gerne auch beruflich "etwas ausprobieren, bei dem sie sich gut fühlt", und nicht lange darauf warten. Da spielen die Universitäten aber nicht mit. In Frankfurt steht sie auf einer Warteliste für den Studiengang Grundschullehramt. Wenigstens hat sie an der Grundschule Eschbachtal schon jetzt die Möglichkeit, Sportunterricht zu geben. Wenn es ihr beruflicher Werdegang erlaubt, würde sie gerne noch lange für die Falcons spielen. Ihr Team klopft ja mittlerweile auch ans Tor zur 1. Liga an, ein Aufstieg kommt laut Liz Rhein aber aus wirtschaftlichen Gründen nicht in Frage. Isabel Gregor, die mit ihrer "Basketball-Mama" gemeinsam die U12-Mädchen trainiert, würde zu der neuen Erfahrung wohl nicht mehr "nein" sagen, wie damals noch in Nördlingen.

Das Wichtigste aber sei, dass sie sich wohl fühlt. Und die Stimmung im Team ist prächtig. In der WG von Gergana Georgieva und Natalia Brüning in Ober-Eschbach geht die junge Frau ein und aus, wie manche Mitspielerin auch. "Die Mädchen treffen sich manchmal zu zehnt zum Kartenspielen oder Backen", freut sich Liz Rhein. Oder sie schauen gemeinsam einen Film. Dann aber kein "Star Wars". Wenn's nach Isabel Gregor geht, lieber Romanzen von Nicholas Sparks.

85:43 - Falcons fehlt noch ein Sieg zur Meisterschaft

Nach dem 15. Saisonsieg in Serie für die Falcons Bad Homburg ging es am Mittwochabend nicht darum, wie deutlich dieser ausgefallen war - mit 85:43 gegen die Erstliga-Reserve des USC Heidelberg ziemlich deutlich - oder wer von den HTG-Basketballerinnen besonders viel dazu beigetragen hatte. Die Gedanken von Erfolgstrainer Jay Brown und seinen Spielerinnen drehten sich direkt ums nächste Spiel. "Jetzt brauchen wir noch einen Sieg", begann Brown seine Spielanalyse.

Wenn die Falcons am morgigen Samstag bei Verfolger Rhein-Main Baskets auch gewinnen, ist ihnen die erstmalige Meisterschaft in der 2. Bundesliga Süd nicht mehr zu nehmen. Dieser Titelgewinn ist das erklärte Ziel. Das Gipfeltreffen beginnt um 16.30 Uhr in der Langener Georg-Sehring-Halle.

Die Gründe für das im Vergleich zum 72:68 im Hinspiel diesmal so überlegen geführte Spiel gegen den eigentlich unangenehmen Gegner waren für Brown und die 80 Zuschauer im Primodeus-Park offensichtlich. "Wir haben kollektiv sehr gut verteidigt und sind das vom physischen Level her ganz anders angegangen als in Heidelberg", lobte der Trainer. Bis zum 24:16 nach zwölfeinhalb Minuten hatten die Gäste noch mithalten können. Danach vergingen fast neun Minuten Spielzeit, ehe ihnen wieder der erste Korb aus dem Spiel heraus gelang - im Basketball eine halbe Ewigkeit. Es stand dann 46:20.

Weiterhin wies Brown auf den in der Breite optimal aufgestellten Kader hin. "Das macht uns so stark, wir können Ausfälle ersetzen." Am Mittwoch gab es auch nach Wechseln keinen Bruch im Spiel. Beim Rebounden tat sich wieder einmal Nerea Garmendia Odriozola (12) hervor, deren Intuition für den "zweiten Ball" bewundernswert ist. Aus der Distanz traf erneut Worthmann (fünf Dreier aus sieben Versuchen) glänzend. Aber das war noch lange nicht alles, was die Falcons zu bieten hatten.

Bad Homburg: Worthmann (18/5), Brüning (14), Johnston (11/1), Garmendia Odriozola (11), Holzschuh (9/1), Klinker (7), Gregor, Kämpf (je 6), Sagerer (3/1), Rhein, Steinhoff, Pfeifer.

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