Jens Rock bei einer Radtour mit Freundin Selina (im Hintergrund) in Noordwijk (Niederlande) einen Tag nach dem Auftaktsieg in der Gruppenliga gegen den SV Wiesbaden.

NNP-Serie: Die Kapitäne

Jens Rock: Der Fels in der RSV-Brandung

  • Yannick Wenig
    vonYannick Wenig
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Sie genießen den Respekt ihrer Mitspieler und der Trainer, tragen die Binde am Arm mit Stolz und haben etwas zu sagen: die Kapitäne. Im Vereinsdress auf dem Platz kennt man sie als "Leader" ihrer Mannschaft. Wir wollen wissen, wer der Mensch ist, der in diesem Trikot steckt. Heute lernen wir Jens Rock, den Torwart des Fußball-Gruppenligisten RSV Würges, kennen.

Er ist die große Konstante und der sichere Rückhalt im Team des RSV Würges in der Fußball-Gruppenliga Wiesbaden: Keeper Jens Rock. Begegnet man der Würgeser Nummer eins, wird schnell klar, warum es die gegnerischen Stürmer so schwer haben, ihn zu überwinden. 1,99 Meter groß, lange Arme, große Hände: Jens Rock fällt auf. Im Mittelpunkt stehen möchte er aber nicht. Klar, denn als Torhüter geht ist das ein wenig knifflig und geht meist mit viel Arbeit einher.

Trotz des Torhüter-Gardemaßes hatte Jens Rock den Weg zwischen die Pfosten erst über Umwege gefunden. "In der Jugend war ich noch ganz klassisch Vorstopper oder Libero", berichtet er. Erst durch die Verletzung des angestammten Keepers und das Bauchgefühl eines Jugendtrainers sei er im Kasten gelandet. "Meine Leistung hat dem Trainer gut gefallen, und daher stand ich seit der C-Jugend im Tor", sagt Jens Rock. Die Erfahrung als Libero helfe ihm heute, das Torwartspiel vor dem eigenen Kasten zu interpretieren, sagt er. Auch seine Qualitäten als Torjäger im Sturmzentrum hat der Hüne mehrfach unter Beweis gestellt. "In Braunfels und in Wolfenhausen kam ich mal im Angriff zum Einsatz. Getroffen habe ich da auch", so Jens Rock und grinst.

Neunte Saison bei den "Roten"

Inzwischen spielt der hoch gewachsene Keeper bereits seine insgesamt neunte Spielzeit bei den "Roten". Damit ist er der einzige aktive Akteur, der noch zu glanzvollen Hessenliga-Zeiten, in den Saisons 2009/10 und 2010/11, das RSV-Trikot getragen hat.

Anschließend folgte ein dreijähriges Gastspiel beim damaligen Hessenligisten FSV Braunfels, ehe ihn sein Weg zurück zum RSV führte, wo er endgültig seine sportliche Heimat fand. So ist auch zu erklären, dass der 35-Jährige beim großen Umbruch des Gruppenligisten in der vergangenen Sommerpause eine der wenigen Konstanten war. "Als ältester Spieler in der Mannschaft will ich immer Vorbild sein. Dazu gehört auch eine gewisse Selbstdisziplin, um sich fit zu halten und mit gutem Beispiel voranzugehen", sagt Jens "Rocky" Rock.

Attribute, die auch das neue Trainerduo um Hussein Harmouch und Ahmed Salih zu schätzen weiß: "Wir haben Rocky bewusst als Kapitän bestimmt. Dafür bringt er alles mit", so Ahmed Salih. "Er ist lange im Verein, kennt das Umfeld und den Vorstand, bringt immer Leistung und genießt gerade auch in der Mannschaft ein hohes Ansehen", findet der Co.-Trainer lobende Worte für seinen Schlussmann, der mit 35 Jahren zum ersten Mal in seiner Laufbahn die Kapitänsbinde trägt.

Den XXL-Umbruch im RSV miterlebt

Der XXL-Umbruch beim RSV Würges vor der Saison - zwölf Abgänge und 21 Neuzugänge - habe für Jens Rock direkt einen "interessanten Projektcharakter" gehabt. "Hussein als Trainer kennt mich am besten. Wir haben häufig die gleiche Auffassung vom Fußball und tauschen uns dazu oft aus", so der Keeper. "Es kann auch schon mal sein, dass der Trainer mich um 23 Uhr anruft und wir eine Idee besprechen. Meine Freundin findet das dann allerdings nicht so cool", erzählt er mit einem Schmunzeln.

Mit Lebensgefährtin Selina zusammen wohnt der Torwart-Hüne in Seelbach. Beide verbringen viel Zeit beim gemeinsamen Sporttreiben im Fitness-Studio oder an der frischen Luft: "Wenn ich joggen gehe, fährt sie oft mit dem Fahrrad", erzählt Jens Rock, der in der Regel vier- bis fünfmal in der Woche trainiert. Und dieser Fleiß trägt Früchte. Denn auch mit seinen 35 Lenzen - am 25. Januar wird er 36 - gehört der Seelbacher noch immer zu den fittesten Akteuren im Team. "Ich hoffe, dass ich meine jüngeren Mitspieler auch damit zusätzlich motivieren kann, wenn ich ihnen zeige, dass ich mich selbst als Keeper immer fit halte und im Training Gas gebe", sagt er. "Da sehe ich mich auch als Motivator in der Mannschaft."

Im Berufsleben hat es den gelernten Kfz-Mechaniker seit nun über zehn Jahren zur Knappschaft in Weilburg verschlagen, eine Kranken- und Pflegeversicherung, bei der er unter anderem für die Abrechnung verantwortlich zeichnet. "Neben Beruf und Sport bleibt dann auch gar nicht mehr so viel Zeit für andere Hobbys", sagt er. Eines sei aber in den letzten Monate - auch durch die Corona-Pandemie - hinzugekommen. Gemeinsam mit seinen beiden Mannschaftskameraden Ben Graf und Hussein Harmouch, nimmt er aktuell zum zweiten Mal an einem offiziellen E-Sports Turnier teil. Das Spiel? Natürlich eine Fußball-Simulation. Genauer gesagt, handelt es sich um den aufgrund des Lockdowns vom Hessischen Fußball-Verband (HFV) ins Leben gerufene "HFV-StayAtHome-Again-Cup". "Ich zocke gerne. Da kam der Wettkampf auf der Playstation in der Zeit, in der sonst nichts möglich war, gelegen", sagt er. Bei ihrem Debüt im März hatten die Würgeser Konsolen-Kicker die Runde der besten 32 Teams erreicht. Diesmal darf es nach dem Geschmack von "Rocky" aber gerne noch ein Stück weiter gehen.

In der nächsten Folge stellen wir einen Spieler vor, der sein blutjunges Team in ein wahres sportliches Abenteuer führte.

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