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Fokussiert: Kunstradfahrerin Johanna Bardenheier vom FC Dorndorf bei einer ihrer Höchstschwierigkeiten, dem Steuerrohrsteiger.

Serie: Super-Talente im NNP-Land

Johanna Bardenheier: Unterwegs in neuen Sphären

Sie sind die vielversprechendsten Nachwuchssportler der Region. Doch was steckt hinter ihren Top-Leistungen? Wie viel Aufwand müssen die jungen Athleten betreiben? In unserer Serie „Supertalente aus dem NNP-Land“ blicken wir auf den Alltag der Sportler und fragen nach. Im zweiten Teil beschäftigen wir uns mit Kunstradfahrerin Johanna Bardenheier vom FC Dorndorf.

Sattel-, Schulter- und Lenkerstand oder der Lenkersitzsteiger: Diese Schwierigkeiten sind für Johanna Bardenheier, Kunstradfahrerin vom FC Dorndorf, kein Problem. „Das Hauptkriterium ist der Gleichgewichtssinn, auch die koordinativen, konditionellen und mentalen Anforderungen sind hoch“, sagt sie. Das Kunstradfahren verlangt von den Sportlern vieles ab. Johanna Bardenheier kam, genau wie ihre ältere Schwester Pauline, über ihren Vater Markus – zugleich Trainer der beiden und selbst auf eine erfolgreiche Kunstradvergangenheit beim FCD zurückblickend – zu dem, wie sie selbst sagt, „nicht so verbreiteten“ Sport.

Für das Training investiert sie viel Zeit. „In den letzten Jahren habe ich viermal in der Woche je zwei Stunden trainiert“, sagt sie. Nur aufgrund ihres Abiturs, das sie im vergangenen Jahr an der Limburger Marienschule erworben hat, habe sie das Training auf drei Einheiten reduziert. „Ich war nie der Sprachentyp. Mathe, Bio und die Naturwissenschaften lagen mir besser. Dadurch, dass ich Sport als Leistungskurs hatte und auch noch für die Abiturprüfungen trainieren musste, habe ich das Radtraining in dieser Zeit etwas heruntergefahren,“ erzählt Johanna Bardenheier. Zusätzlich zum Vereinstraining kommen aber auch noch Tages- und Wochenendlehrgänge mit dem Hessenkader, dem sie bereits seit 2008 angehört.

Auch für die Zeit nach der Schule hat die 18-Jährige, die in Dietkirchen wohnt und beim TuS außerdem eine Kinderturngruppe trainiert, jede Menge Pläne. Ab April studiert sie an der Universität Koblenz-Landau Grundschullehramt – natürlich mit den Fächern Sport und Mathe. Das Kunstradfahren soll unter den neuen Begebenheiten aber nicht zu kurz kommen: „Ich werde pendeln und denke daher, dass ich das Radtraining nicht reduzieren werde. Wenn aber mal eine Einheit ausfallen muss, dann ist das eben so.“

Mit acht Hessenmeistertiteln und sechs Teilnahmen an Deutschen Meisterschaften – Rang sechs war dabei ihre beste Platzierung – hat Johanna Bardenheier zahlreiche Erfolge vorzuweisen und wurde dafür gleich zweimal mit dem Ehrenpreis der Landeshauptstadt Wiesbaden ausgezeichnet. Ehrungen, die sie für ihre Leistungen im Schüler- und Juniorenbereich erhalten hat.

Gegen die Besten in Deutschland

Im neuen Jahr geht die Dietkircherin in ihre erste Saison in der Eliteklasse. „Dort geht es dann gegen die besten Kunstradfahrer in Deutschland“, freut sich die 18-Jährige auf die neuen Herausforderungen, bei denen sie erstmals mit ihrer vier Jahre älteren Schwester in einer Klasse antreten wird. „Pauline hat das Training etwas reduziert. Trotzdem können wir uns in den gemeinsamen Einheiten und bei der Kür gut unterstützen und uns so verbessern. Es verbindet uns“, sagt Johanna Bardenheier. „Konkurrenzkampf war zwischen uns bisher nie ein Thema, da wir immer in unterschiedlichen Klassen gefahren sind. Das wird eine neue Situation. Ehrgeizig sind wir schließlich beide.“ In der neuen Saison gehe es für sie aber in erster Linie darum, sich in der Elite zu etablieren. Ihr großer Traum wäre es, sich über den Deutschlandcup für die Deutsche Meisterschaft zu qualifizieren, bei der die besten 16 der Nation antreten.

Eine Kür dauert bei den Kunstrad-Wettkämpfen immer genau fünf Minuten. Fünf Minuten, die „echt lange dauern können, wenn es sich auch nicht so anhört“, sagt die Kunstrad-Ästhetin schmunzelnd. Darin müssen 30 Übungen gefahren werden. Bereits vor den Wettkämpfen wird die Punktzahl der Kür von den Athleten beim Kampfgericht eingereicht. Während des Vortrags ziehen die Kampfrichter je nach Ausführung dann Punkte ab. Wie lange es dauert, bis eine Kür entworfen und einstudiert ist, kann Johanna Bardenheier nicht genau sagen. „Die Kür wird nie komplett geändert, das Grundgerüst steht. Es werden allenfalls einzelne Übungen ausgetauscht. Vor der Saison geht es darum, die Schwierigkeiten und Elemente so einzuüben und zu festigen, dass sie in die Kür eingebaut werden können. Elemente, die weniger Punkte bringen, fliegen dann raus“, erklärt sie. „Man muss sich natürlich immer fragen, wie eine neue Übung vom Aufbau, von der Reihenfolge und von der Zeit her in die Kür passt. Das muss alles Sinn machen.“ Die Höchstschwierigkeit in ihrem Programm sei die Drehung im Kehrlenkersitzsteiger. „Dabei muss ich mich auf dem Punkt dreimal um die eigene Achse drehen“, so Johanna Bardenheier.

Dass es bei solch akrobatischen Elementen auf dem Rad hin und wieder auch zu Verletzungen kommen kann, ist klar. Johanna Bardenheier ist diesbezüglich bislang eher glimpflich davongekommen. Nur eine leichte Gehirnerschütterung habe sie davongetragen. Blaue Flecken seien dagegen „normal“. „Wenn mich jemand darauf anspricht, sage ich immer: ,Ich werde nicht geschlagen, ich fahre Kunstrad’“, sagt sie lächelnd. Zu ängstlich dürfe man daher keinesfalls sein, wenn man Kunstradfahren möchte, „Man muss sich trauen und darf nicht zu viel Angst haben. Es ist wichtig, sich auf jede Übung neu zu konzentrieren. Dann passt das schon.“ 

YANNICK WENIG

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