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Merlin Fuß bei der Junioren-WM 2020 in Skopje mit Mutter Corinna (links) und Schwester Solveig.

Handball, Hochtaunus

Jugendnationalspieler Merlin Fuß aus Wehrheim traut seinen „Kollegen“ eine gute WM zu

  • Thorsten Remsperger
    vonThorsten Remsperger
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Er hat selbst schon eine Weltmeisterschaft gespielt, allerdings mit der U19-Nationalmannschaft. Das große Ziel von Merlin Fuß ist die Teilnahme an einer WM mit dem A-Nationalteam, das heute ins Turnier gegen Uruguay einsteigt. Das Wehrheimer Talent hat die nächsten Schritte in seiner Entwicklung gemacht.

Wehrheim – Merlin Fuß, der derzeit beste Handballer aus dem Hochtaunus, weiß genau, wie es ist. Und daher auch, worauf es für die deutsche Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Ägypten ankommen wird. Er spiele gerne in der Abwehr, erzählt der U21-Nationalspieler aus Wehrheim. „Ja, sehr gerne.“ Er gehe am liebsten aus einer guten Abwehraktion in den Angriff und versuche dann mit seinem Team, einen Torerfolg draufzusetzen.

Seine Mannschaft ist der TV Hüttenberg, in der Fuß bereits in seinem ersten Aktiven-Jahr einer der Spieler mit den längsten Einsatzzeiten war. Er stand pro Partie durchschnittlich 43 Minuten auf dem Feld. Vor allem, weil der 1,84 Meter große und 92 Kilogramm schwere Linkshänder in der Verteidigung seinen Mann steht.

„In der Abwehr gewinnt eine Mannschaft ihre Spiele.“ Das sagt nicht nur der 20-jährige Fuß. Es ist eine alte Handballer-Weisheit, die immer noch gilt in einer Sportart, in der die Schnelligkeit und Athletik eine immer größere Rolle spielen. Deshalb geht die deutsche Nationalmannschaft heute um 18 Uhr gegen Underdog Uruguay natürlich mit einer Hypothek ins Turnier. Denn Patrick Winczek und Hendrik Pekeler, gerade mit dem THW Kiel Champions-League-Sieger geworden und seit Jahren auch im Innenblock der Nationalspieler bei Gegenspielern gefürchtet, haben ihre Teilnahme aus familiären Gründen abgesagt. Unter anderem ist ihnen das Risiko einer Corona-Infizierung zu groß.

„Etwas Unbeschreibliches“

Ihre Absagen kann Merlin Fuß, der gerade von einem Lehrgang der U21-Nationalmannschaft aus Warendorf zurückgekehrt ist, nachvollziehen. Auch wenn es „etwas Unbeschreibliches“ sei, im deutschen Trikot bei einer WM zu spielen. 2019 hat dies Fuß selbst in Mazedonien getan und war mit der U19-Auswahl erst im Finale unterlegen (gegen Ägypten).

Der Vorzeigehandballer aus dem Apfeldorf ist guter Dinge, dass die Gislason-Schützlinge dank ihres Kampfgeistes und ihrer Mentalität bei der WM eine gute Rolle spielen. Es gehöre zur Professionalität von Berufshandballern dazu, dass man sich schnell einspiele. Die neuen „Innenblocker“ Sebastian Firnhaber und Johannes Golla hätten in den Tests gegen Österreich schon bewiesen, dass sie mit ihren Mitspielern gut harmonieren können. „Die Mannschaft kann etwas erreichen“, glaubt Fuß, „das Viertelfinale ist ein machbares Ziel.“

Zu gerne würde der Wehrheimer selbst einmal für das A-Nationalteam auflaufen. In der Jugendauswahl habe er schon ein Training mit Nationaltrainer Alfred Gislason – früher übrigens selbst ein hervorragender Abwehrspieler für TuSEM Essen – erleben dürfen. „Das war ein Erlebnis und hat Mega-Spaß gemacht“, sagt er. „Wenn er dir etwas sagt, spricht seine so lange Erfahrung mit.“

Der Werdegang von Merlin Fuß – mittleres von fünf Geschwistern einer handballverrückten Familie – deutet darauf hin, dass er vielleicht einmal öfters unter Gislason trainieren wird. Seit der U17 spielt der ehemalige „TZ-Sportler des Jahres“ international für Deutschland, und in seiner zweiten Zweitliga-Saison beim TV Hüttenberg gehört er schon zu den Leistungsträgern. Mit 44 Toren in 13 Spielen ist das Kraftpaket der drittbeste Werfer. Er spielt im Angriff inzwischen nicht mehr auf Rechtsaußen, sondern im Rückraum. „Sehr zufrieden“ ist Fuß mit seiner Entwicklung.

Sein Vertrag bei den Mittelhessen ist nur bis Sommer datiert, die Verhandlungen laufen. Kein Geheimnis macht der Student des Wirtschaftsingenieur-Wesens daraus, sein Hobby zum Beruf machen zu wollen. Mehr noch: 15 Jahre wolle er Handball auf hohem Niveau spielen. In der Bundesliga und am liebsten irgendwann auch im National-Team. Schon jetzt tut Fuß viel für seine Karriere, lebt wochentags mit Mitspieler Ian Weber in einer WG in Dutenhofen, nahe dem Trainingsort.

Ein kurzfristiger Wunsch des großen Talentes ist es, wieder vor Zuschauern auflaufen zu können. „Ich würde alles für 1000 oder mehr Zuschauer geben. Vor ihnen zu spielen, ist das Geilste.“ Auch wenn die Spieler mit den leeren Rängen klarkämen. „Was uns Handballer ausmacht, ist, dass wir uns auf neue Situationen schnell einstellen können“, meint Fuß. Deshalb wird bestimmt auch die Nationalmannschaft mit neuer Abwehrformation abliefern. Merlin Fuß drückt ihr ab heute vor dem Fernsehgerät die Daumen.

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