Sie liebt Tiere: Mareike Meurer mit ihrem „Patenhund“ Elsa.
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Sie liebt Tiere: Mareike Meurer mit ihrem „Patenhund“ Elsa.

NNP-Serie: Die Kapitäne

„Kerbe-Mutti“ Mareike Meurer dirigiert die Frauen vom Stephanshügel

  • Marion Morello
    vonMarion Morello
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Sie genießen den Respekt ihrer Mitspieler und der Trainer, tragen die Binde am Arm mit Stolz und haben etwas zu sagen: die Kapitäne. In ihrem Vereinsdress auf dem Platz kennt man sie als „Leader“ ihrer Mannschaft. Wir wollen wissen, wer der Mensch ist, der in diesem Trikot steckt. Heute lernen wir erstmals eine Spielführerin etwas näher kennen: Mareike Meurer vom VfR 07 Limburg.

Mareike Meurer hat beim VfR 07 Limburg schon einiges erlebt, viele kommen und gehen sehen, Aufstiege gefeiert und bittere Abstiege bedauert. Besonders jene, die keine sportlichen Gründe hatte, taten weh, haben die Spielführerin aber sportlich wie menschlich geformt und reifen lassen.

Vor rund zehn Jahren, als Mareike Meurer als gerade einmal 16-Jährige, noch für die B-Juniorinnen spielberechtigt, zur Frauen-Mannschaft gestoßen war, traten die Domstädterinnen noch in der höchsten Spielklasse des Landes-Verbandes an und waren eine echte Größe der Frauen-Hessenliga. Zuvor hatten sie sich über den Hessenpokal-Wettbewerb zweimal in Folge die Teilnahme an der DFB-Pokal-Runde erspielt. 2009/2010 holten die „Rothosen“ sogar den Meistertitel. Auf das Recht, in die Regionalliga und damit der dritthöchsten Spielklasse aufzurücken, verzichtete der Verein und zog 2012/13 - Mareike Meurers zweiter Spielzeit am Stephanshügel - die Mannschaft aus der Liga zurück.

„Damals sind viele Jüngere gewechselt, und die eingespielte Fraktion, also der Kern der Mannschaft, konnte und wollte nicht mehr so wirklich weiterspielen“, erklärt Mareike Meurer, die mittlerweile mit ihren 26 Lenzen schon zur „älteren Garde“ bei den 07erinnen zählt. Inzwischen trägt außer ihr nur noch eine weitere Akteurin aus ihrer Anfangszeit das Limburger Trikot; obwohl damals mit ihr ein halbes Dutzend Spielerinnen alleine aus Erbach zum VfR gekommen waren.

Es folgte ein längeres „Hin und Her“, wie die 26-Jährige erzählt. Nach Spielerschwund, Trainerwechsel, dem Pendeln der 1. Mannschaft zwischen Verbands- und Kreisliga entschlossen sich Mareike Meurer & Co., „das Zepter selbst in die Hand zu nehmen“. Die in der vergangenen Saison nach abermaligem personellen Umbruch für das Kleinfeld gemeldete und trainerlose Mannschaft betreute Mareike Meurer kurzerhand mit Mitspielerin Lena Rost als Spielertrainerin fortan selbst - bis das Coronavirus das erste Mal dem Amateurfußall dazwischengrätschte.

Lang währte die Doppel-Funktion zwar nicht, unterstreicht aber beispielhaft Mareike Meurers Wesen: optimistisch, pragmatisch, zuverlässig, vereinstreu. „Mareike ist in jeglicher Hinsicht ein Vorbild für die Mannschaft und engagiert sich auch im Vorstand als Schriftführerin des VfR. Sie ist eine treue Seele, und jeder Trainer kann sich glücklich schätzen, eine solche Spielerin in seiner Mannschaft zu haben“, lobt Oliver Roos seine Spielführerin, die er im vergangen Sommer als Trainer wieder abgelöst hatte.

„Oli“ Roos war es auch, der sie zum VfR 07 gelotst hatte. Neben den Juniorinnen betreute er damals die weibliche Bezirksauswahl und somit auch Mareike Meurer in ihrer Jugendzeit. Aufgrund der besseren Perspektive im Frauenbereich wusste er sie von einem Vereinswechsel zu überzeugen. Für Oliver Roos kam nach seiner Rückkehr zum VfR 07 auch nur Mareike Meurer als Kapitänin in Frage. Einerseits, weil sie das Amt schon seit Jahren bekleidet hatte, zum anderen wegen ihrer starken Persönlichkeit. „Du musst nicht mal der beste Spieler auf dem Platz sein, sondern mit jedem gut auskommen können, zwischen Trainer und Mannschaft vermitteln und vor allem kommunizieren“, sagt sie. Alles zweifelsfrei Stärken der blonden Frohnatur, die weder auf den Mund gefallen, noch schüchtern ist.

Die Mannschaft zusammenhalten

„Ich versuche, Kontakte zu pflegen. Das ist mir auch als Kapitän wichtig“, erklärt Mareike Meurer. Das gilt auch für ihre ehemaligen Weggefährten. Großen Wert legt sie darauf, als Mannschaft auch neben dem Platz zu funktionieren. Dazu führte sie zum Beispiel das gemeinsame Essen nach den Spielen ein. „Was bei den Männern die Kiste Bier nach dem Spiel ist, ist bei uns das Essen“ - vor allem, weil viele Mitspielerinnen noch minderjährig sind. Auch jetzt, ohne geregelten Trainings- und Spielbetrieb, versucht die Kapitänin, das Mannschaftsgefüge so gut es geht aufrechtzuerhalten. Ein Beispiel: Für zwei ihrer Mitspielerinnen, deren 18. Geburtstag undankbarerweise in den Lockdown fiel, dachte sich Mareike Meurer etwas aus, um den Tag gebührend, aber corona-konform zu feiern. Für die eine habe man eine Grillparty mit „Bratwurst-to-go“ organisiert, der anderen widmete man einen mannschaftlichen Autokorso. Die Corona-Zeit sei für sie schwierig, verbringt Mareike Meurer doch am liebsten ihre Freizeit mit ihren Freunden.

Mehr denn je fühle sie sich derzeit in ihrer Berufswahl als Erzieherin bestätigt; ist gar schon froh um ihre lebhafte Aufgabe im Kindergarten.

Das ideale Wochenende ist für die „Kerbe-Mutti“, wie sie aufgrund ihrer fürsorglichen Art von der Kerbegesellschaft genannt wird, selbstredend das Kirmes-Wochenende; oder es liegt in der „fünften Jahreszeit“ - zu Nicht-Lockdown-Zeiten, versteht sich.

Zum Ausgleich verbringt Mareike Meurer dafür nun so viel Zeit wie möglich mit ihrem „Patenhund“ Elsa, der Vierbeiner einer Freundin. „Ich bin ein totaler Tiermensch und habe schon fast alle großen Zoos in Deutschland besucht“, berichtet Mareike Meurer. Mit ihrem Gassi-Kumpanen schlägt sie, da sie ohnehin gerne in der Natur ist, gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Und einmal im Jahr muss es für sie ans Wasser gehen; egal ob ans Meer, einen See oder einen Fluss. Vorzugsweise aber an die Nordsee; ihre Wohlfühl-Oase.

Als Familienmensch lebt sie mit ihrer Mutter und ihrem älteren Bruder Thorsten gerne unter einem Dach. Mit dem heute 31-Jährigen spielte sie übrigens zwar nie im selben Team, aber die längste Zeit im Heimatverein. Der Wunsch, dem Bruder nachzueifern, brachte sie mit fünf Jahren zum Fußball, ein Schulfreund zum SV Erbach. Zieht sie heute im defensiven Mittelfeld die Fäden, so war ihre Laufbahn einst zwischen den Pfosten gestartet, ohne selbst genau zu wissen, wie es dazu gekommen war. Schlecht angestellt hatte sie sich offenbar nicht; die Jungs standen voll und ganz hinter ihrem weiblichen Rückhalt, ehe sie mit 14 die Buben verließ. Die letzten zwei Jahre davon spielte sie allerdings schon auf „der Sechs“, wo ihre Stärken mehr zur Geltung kommen: ihr Stellungsspiel, ihr gutes Auge, ihre robuste Spielweise und ihre Torgefährlichkeit bei Standards. Einzig die „überschaubare Laufleistung“ spielten ihr als Torfrau eher in die Karten.

Schwere Verletzung überstanden

An eine baldige Rückkehr auf den Platz glaubt Mareike Meurer indes nicht. Doch Aufhören kommt nicht in Frage. „Jetzt habe ich meine Verletzung überstanden, dann spiele ich auch noch“, lacht die Erbacherin. Vor einem Jahr wurde bei ihr ein Knorpelschaden diagnostiziert, vor zwei Jahren hatten die Knieschmerzen begonnen. Deshalb sei sie nun froh, überhaupt auf dem Platz stehen zu können. Die Klassenzugehörigkeit sei zweitrangig. „Hauptsache Spaß haben“, so die VfR-Spielführerin, die ihr Team bis zur abermaligen Unterbrechung des Spielbetriebs im Oktober immerhin auf Platz zwei der Kreisoberliga geführt hat - ungeschlagen und punktgleich mit Tabellenführer RSV Würges. ROMINA KUNZE

In unserer nächsten Folge präsentieren wir einen Spielführer aus der Kreisoberliga, der um keinen Spruch verlegen ist.

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