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Siegerfoto nach dem Topspiel: die Handballerinnen der TSG Oberursel mit Trainer Paul Günther (links).

Handball, Oberliga

So kletterte die TSG Oberursel an die Spitze

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Wer hätte das vor zwei Monaten gedacht? Nach einem furiosen zweiten Abschnitt im Topspiel stürmen die Handballerinnen der TSG Oberursel in der Oberliga ganz nach oben.

Nora Brandscheid ist eine freundliche Frau, ins Wort fiel sie dem Trainer trotzdem. Als Paul Günther gerade vor der EKS-Halle den Reportern sein Spielfazit in den Block diktierte, hielt ihm die Mannschaftsbetreuerin von Oberursels Handballerinnen ihr Mobiltelefon unter die Nase. Darauf zu sehen: die Tabelle der Oberliga Hessen. Auf Platz eins an jenem Abend des 8. Dezembers und erstmals in dieser Saison: die TSG Oberursel. „Die Tabellenführung müssen wir jetzt bestätigen“, war Günthers trockener Kommentar im Nieselregen, „Bensheim ist ein Gegner ähnlichen Kalibers wie Kirchhof es heute war.“

„Ein Missgeschick“

Dass Günther die Tabelle überhaupt erkennen konnte, verblüffte. Nora Brandscheids Display hat mehrere Risse. „Ein Missgeschick“, grinste sie. Ein solches Missgeschick war auch der Saisonstart des früheren Drittligisten gewesen. 0:4 Punkte gegen die Mitbewerberinnen aus Nieder-Roden und Hüttenberg. Was dann aber folgte, gipfelte vorläufig in der Leistung, mit der die Gastgeberinnen in der zweiten Halbzeit das Juniorteam des Zweitligisten SG Kirchhof auseinandernahmen. Einen Widersacher, der bei einem Erfolg seinerseits die Spitze erklommen hätte. An der sind die TSGO-Damen nach dem 36:26 und nicht weniger als acht Siegen in Serie angelangt. „Und da wollen wir auch bleiben“, meinte Top-Torschützin Michelle Okrusch mit dem Selbstvertrauen einer Handballerin, die seit fast zwei Monaten nicht mehr verloren hat.

Auf die Frage, ob dies die beste Halbzeit in dieser Runde gewesen sei, musste die 23-Jährige länger überlegen. „Ich glaube schon“, sagte die linke Rückraumspielerin dann, die sich in ihren mehr als 50 Minuten Spielzeit auf dem Parkett kaum einen Fehler erlaubt hatte. Das Spiel in Fritzlar kam ihr auch noch in den Sinn (ihrem Trainer übrigens auch). Es war die wohl schwierigste Partie – nach 0:4 Punkten und fast drei Wochen Pause.

Was die Mannschaft kurz vor Ende der Vorrunde ausmacht, fasste Michelle Okrusch so zusammen: „In der Defensive haben wir prima gestanden, vorne hat jeder sein Tor gemacht, wir haben den Ball geil weitergespielt – es war mega.“

Dieser Spielverlauf mit abschließendem Jubelkreis und „Orschel ist der geilste Club der Welt“-Gesang war in den ersten 30 Minuten nicht zu vermuten gewesen. Der jungen Nordhessinnen wussten vor gut 200 Zuschauern auf die taktische Maßnahme, Spielzüge durch eine kurze Deckung gegen Spielmacherin Sandra Kühlborn (4/1) zu unterbinden, gute Antworten. Sie führten in der Anfangsphase vor allem dank Deborah Spatz mit drei Toren, der sieben ihrer acht Treffer im ersten Abschnitt gelangen.

Die Schlüsselspielerinnen

Die Oberurselerinnen steigerten sich, nachdem sie in der Defensive mit einer 6:0-Formation den Gegner kommen ließen (ab 18.), führten schon mit drei Toren, ehe die Gäste Nachlässigkeiten noch mit dem 16:16-Pausenstand bestraften. In der entscheidenden Phase waren später dann Michelle Okrusch und Jana Sellner die Schlüsselspielerinnen. Sie hielten in Abwesenheit von Lisa Greb (privat verhindert) im Deckungszentrum die Abwehr zusammen Okrusch: „Wir spielen ja schon seit gefühlten Jahrhunderten zusammen, jeder weiß genau, was der andere macht“). Vorne trafen sie beide aus dem Rückraum, ehe die talentierte Berit Mies, die sich später an der Schulter verletzte, per Konter einen Ballgewinn von Okrusch zum dritten Treffer in Serie verwertete – 25:20 (45.).

Das Tor ist leer – Latte

Die TSGO nutzte damit Zeitstrafen gegen die Kirchhoferinnen Lea Günther (2) und Lea Immelnkämpfer (5) gnadenlos aus. Sie ließen sich auch durch das Pech von Sellner nicht irritieren, die mit einem Wurf aus der eigenen Hälfte die Latte traf. Kirchhofs Trainer Martin Denk hatte wegen der Unterzahlsituation die Torfrau zugunsten einer weiteren Feldspielerin ausgewechselt. Wie aus einem Guss spielte die TSGO danach bis zum Ende.

 „Egal, wer reinkam, hat seinen Job zu 100 Prozent erfüllt“, lobte Trainer Günther – insbesondere auch seine beiden Torhüterinnen, die deutlich mehr Bälle abgriffen, als ihre Pendants auf der anderen Seite.

Nun also diese Leistung im Spiel bei der HSG Bensheim/Auerbach II (Sonntag, 16 Uhr) bestätigen und als Spitzenreiter in die Pause gehen, lautet die Oberurseler Marschroute. „Wenn wir als Mannschaft so auftreten“, strahlte Günther, „mache ich mir keine Gedanken.“

TSG Oberursel: Ayana Petri, Claudia Schilling (ab 50.); Michelle Okrusch (8), Viktoria Heilmann (8/4), Jana Sellner (6), Berit Mies (5), Nadine Okrusch (3), Sharon Hulin (2), Jennifer Krasnansky, Caroline Stahl, Elfie von der Wehl, Vanessa Müller (je 1).

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