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Erst schmiss der Trainer hin, womöglich auch auf Betreiben des Managers. Dann ging der Manager selbst, weil die Mannschaft ihn nicht als Interimstrainer akzeptierte: Diese Tatsachen werfen in einem

Erst schmiss der Trainer hin, womöglich auch auf Betreiben des Managers. Dann ging der Manager selbst, weil die Mannschaft ihn nicht als Interimstrainer akzeptierte: Diese Tatsachen werfen in einem Sportverein Fragen nach der Zukunft auf. Bei der TSG Ober-Eschbach lautet die Frage so: Kann es den Damenhandball ohne ihren Macher, Manager Gerhard Döll, überhaupt noch geben?

Seit Jahren duldeten sich der Verein und das Management der „Pirates“ mehr, als dass sie zusammenarbeiteten. Döll, der 2011 eingestiegen war und die Mannschaft unter Trainer Eckhard Weber sogleich in die 2. Bundesliga aufstieg, hat sich über die durchaus erfolgreichen Jahre ein kleines Imperium aufgebaut, in dem alle Fäden bei ihm zusammenliefen: Spielerinnen, Trainer, Sponsoren, ehrenamtliche Helfer. „Unruheständler“ Döll, früher als Führungskraft in einem Unternehmen und hobbymäßig im Fußball tätig, ließ Mannschaft und Trainer natürlich Freiheiten, ein Mann vom Handball-Fach ist er auch gar nicht. Aber wehe dem, es hielt sich jemand nicht an gewisse Verhaltensregeln oder enttäuschte ihn sportlich, dann konnte er gnadenlos sein.

Zehn Trainer kamen und gingen in siebeneinhalb Jahren, manche zweimal. Mehrere Spielerinnen aus dem Umkreis von 100 Kilometern, nicht wenige auch aus dem Ausland, wurden von Gerhard Döll nach der ersten Saison im Bad Homburger Stadtteil-Verein und noch früher wieder weggeschickt.

Im Blick auf diese Spielzeit machte es Döll nach der gescheiterten Zusammenarbeit mit der TG Bad Soden anders: Er hielt den Stamm der Mannschaft zusammen, die über keinen Unterbau mit eigenen Jugendteams verfügt. Er hielt am Trainer Marc Langenbach fest, den er schätzte, und ergänzte den Kader vor allem durch Talente aus dem näheren Umkreis. Doch unter den Spielerinnen entstand nicht nur der von Döll sehnlichst erhoffte Teamgeist, sondern auch Widerstand gegen seine Person. Manches wollte ein Großteil der Mannschaft nicht mehr mitmachen.

Indem die Spielerinnen sich nun mit Döll überwarfen, besiegelten sie aber wahrscheinlich das Aus ihrer Mannschaft. Denn Akquise und Fluss von Sponsorengeldern regelte nun einmal Döll. Ohne ihn gäbe es die „Pirates“ nicht. Und ohne ihn wird’s erst mal kein Geld geben.

Der 71-jährige Usinger scheint an seinem Ziehkind, das er vor siebeneinhalb Jahren adoptiert habe (O-Ton Döll), doch nicht so zu hängen, wie bisher vermutet wurde. Der Bruch mit den „Pirates“ wird ihm aber wehtun. Besonders viel Spaß hatte ihm die Arbeit gemacht, weil er meinte, verstanden zu haben, wie Frauen als Sportlerinnen ticken. Insofern ist sein Rücktritt die Ironie des Schicksals.

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