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Kommentar: Unter dem Poker der Reiter leiden die Turnierausrichter

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Von: Alexander Schneider

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Wenn Vereine Reitturniere ausrichten, dann in erster Linie des Sports wegen. Sie finanzieren sich aber auch damit, was vor allem die Jugendarbeit profitieren lässt.

Wenn Vereine Reitturniere ausrichten, dann in erster Linie des Sports wegen. Sie finanzieren sich aber auch damit, was vor allem die Jugendarbeit profitieren lässt. Hinzu kommt, dass die Ausrichtung größerer Turniere teuer ist: Richter und Rettungsdienst müssen bezahlt, Pokale gekauft, Biergarnituren und Stallzelte geliehen werden, und, und, und – das läppert sich. Deshalb freut sich jeder Verein, wenn möglichst viele Reiter ihre Nennungen abgeben. Denn jeder angemeldete Start bringt dem Veranstalter Nenngeld ein. So weit, so gut. So normal.

Natürlich treten nicht immer alle an, die genannt haben. Pferde werden mal krank, Reiter ebenfalls. Das Wetter kann eine Rolle spielen. 10 bis 20 Prozent Schwund werden deshalb in der Regel einkalkuliert. Auch normal. Wenn dann aber rund die Hälfte der angemeldeten Reiter, wie jetzt in Bommersheim, ausbleibt, hört der Spaß auf. Schließlich hat der Verein damit kalkuliert. Oft müssen die Wettbewerbe sogar schon freitags anfangen, um dem erwarteten Ansturm gerecht zu werden.

Es ist bei Reitern gängige Sitte (vielleicht auch Unsitte), mehrere Turniere gleichzeitig zu buchen, um sich dann erst zu entscheiden, wenn absehbar ist, wo die Konkurrenz in den Sattel steigt, wo welcher Richter richtet. Der versetzte Verein hat gleich in mehrerer Hinsicht das Nachsehen. Er bekommt zwar das Nenngeld, hat aber auch weniger Umsatz bei der Bewirtung, wenn jeder Dritte oder gar Zweite nicht erscheint.

Ein weiterer Kritikpunkt: Die Prüfungsordnung der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) sieht vor, dass bei mehr als 51 Nennungen für eine Prüfung diese in zwei Abteilungen zu werten ist – unabhängig davon, wie viele Reiter letztlich an den Start gehen. Heißt: doppelte Preisgelder, doppelte Züchterprämien. Die zu viel eingenommenen Nenngelder reichen dafür oft nicht einmal aus.

Ein Dilemma, dem ganz einfach dadurch abzuhelfen wäre, dass für die Prämienausschüttung die Zahl der Starter und nicht der Nennungen gilt. Die FN sollte darüber nachdenken. Schließlich muss sie daran interessiert sein, dass Turniere für die Vereine nicht zum Zuschussgeschäft werden. Dass sich überhaupt noch Veranstalter finden.

Den Reitern kann die bisherige Regelung zwar recht sein. So mancher Zweite wird dadurch zum Ersten. Und beim Handeln mit Pferden zahlt sich ein Sieg auch eher aus, als „nur“ ein zweiter Platz. Denn Käufer fragen in der Regel nicht, ob der Sieg in der 1. oder der 2. Abteilung errungen wurde. Aber davon profitiert der ausrichtende Verein nicht.

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