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Kreisoberliga: Abstiegsentscheidungen fallen erst am letzten Spieltag

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Von: Thorsten Remsperger, Stefan Fritschi

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Riesenchance in der Nachspielzeit: Kronbergs Simon Hoffmann (Bildmitte) scheitert mit seinem Kopfball an Torwart Marvin Nitsche.
Riesenchance in der Nachspielzeit: Kronbergs Simon Hoffmann (Bildmitte) scheitert mit seinem Kopfball an Torwart Marvin Nitsche. © Heiko Rhode

Vor dem Rundenfinale am Freitagabend hat sich der SV Seulberg mit einem Remis beim EFC Kronberg zumindest eine gute Ausgangsposition geschaffen. Lange Zeit hatte es nach einem Befreiungsschlag der Gastgeber ausgesehen.

Kronberg -Jetzt, wenn die Fußballsaison in ihre finale Phase geht, wimmelt es nach den Schlusspfiffen auf dem Rasen nur so von krassen Gegensätzen. Frenetisch gefeierte Cupsieger aus Frankfurt und Leipzig stehen Verlierern aus Glasgow und Freiburg gegenüber, und die unterlegenen Spieler wirken dabei wie ein Häufchen Elend.

Direkt nach dem Kellerduell der Kreisoberliga Hochtaunus auf dem Kronberger Waldsportplatz zwischen dem gastgebenden EFC und dem SV Seulberg hatte es dagegen fast den Anschein, beide Mannschaften hätten verloren. Spieler im schwarz-weißen, aber auch im roten Trikot machten ihrer Enttäuschung Luft. Mancher ließ sich sogar auf den Kunstrasen fallen und schlug die Hände vors Gesicht, als sei der Abstieg schon besiegelt.

Als moralischer Sieger hätten sich eigentlich die Gäste fühlen müssen, hatten sie doch mit dem 1:1 ihre Position als Tabellenzwölfter "über dem Strich" verteidigt. Seulberg war stets bemüht gewesen, spielerische Lösungen zu finden, jedoch führte das Chancenplus in der ersten Halbzeit zu keinem Tor, vor allem weil Jonas Kernich, sonst Ersatztorwart, in der 33. Minute mit dem Fuß in Kevin-Trapp-Manier gegen Marcel Czoik abgewehrt hatte.

So kippte die Partie nach dem 1:0 durch Antonio Marino Larruscain (49.). Der Kronberger Stürmer hatte nach einem Diagonalball von Calogero Torsiello und einer Kopfballverlängerung von Krzysztof Mernberger alleine vor Keeper Marvin Nitsche die Nerven behalten. "Wir wollten in der zweiten Halbzeit auf Sieg gehen, müssen das Ding aber mit einem Konter zumachen", sagte EFC-Trainer Sebastian Schwarzer.

Seine Elf wurde nun immer wieder durch lange Bälle gefährlich. Dann konnten die Kronberger Angreifer nämlich ihre Kopfballstärke (Mernberger) oder Schnelligkeit (Marino Larruscain) ausspielen. Beide verfehlten bei je einer klaren Möglichkeit aber knapp das Tor (68., 79.), so dass Seulberg zurückschlagen konnte. Spielmacher und Co-Trainer Dominik Nürnberger schlug in der Schlussphase einen Freistoß zum Tor hin, und Jannis Bornschein lief so geschickt in den Ball hinein, dass sein Kopfball unhaltbar für Kernich im Tor einschlug - 1:1. "Wie sehr wir personell auf dem Zahnfleisch gehen, wird dadurch verdeutlich, dass Jannis, der nicht umsonst die Zehn trägt, unsere Abwehr zusammenhalten muss", sagte Nürnberger - was die Torgefährlichkeit seines Teamkollegen aber offenbar nicht ausschließt.

Trotz des überragend agierenden Bornschein wäre dem EFC fast noch der "Lucky Punch" geglückt. Doch in der Nachspielzeit parierte Nitsche gegen Tim Nauheim prächtig, und bei der letzten Chance bekam der eingewechselte Simon Hoffmann keine Kraft mehr hinter seinen Kopfball. Nitsche konnte erneut abwehren. "Jetzt müssen wir auf Schützenhilfe hoffen", bedauerte EFC-Trainer Schwarzer, "aber noch ist alles möglich."

Seulberg hat es in eigener Hand. Ein Sieg über die SG Oberhöchstadt und das Team bliebe drin. "Wenn wir die Klasse halten", sagte Nürnberger, "wäre das für uns wie die Meisterschaft."

Drei knifflige Entscheidungen und eine ausgleichende Gerechtigkeit

Schiedsrichter haben es schwer. Vor allen Dingen in den Spielklassen auf Kreisebene, in denen sie ohne eigene Assistenten auskommen müssen. Zwar bekommt je ein Vertreter der beteiligten Vereine an den Seitenlinien eine Fahne in die Hand gedrückt. Aber es ist nicht davon auszugehen, dass beispielsweise Sebastian Schwarzer, Trainer des EFC Kronberg, mit der Fahne wedelt, wenn er seine eigene Elf im Abseits wähnt. Auch Bilal L'Madaghri war auf sich alleine gestellt, als der Unparteiische aus Niedernhausen gestern das für beide Mannschaften immens wichtige Spiel zwischen dem EFC Kronberg und dem SV Seulberg leitete. Dafür machte er seine Sache sehr gut. Nur bei kniffligen Fouls (oder Nicht-Fouls) im Strafraum lag der souveräne Referee wohl zwei Mal daneben. In der 53. Minute hatte der Seulberger Jannis Bornschein erst den Ball und dann seinen Gegenspieler Krzysztof Mernberger getroffen. L'Madaghri ließ weiterlaufen - richtig entschieden. Im direkten Gegenzug pfiff L'Madaghri, wahrscheinlich als Konzessionsentscheidung, ein klares Vergehen des Kronbergers Anastasios Kalaitsoglou gegen Luca Lotz ebenfalls nicht. Schließlich blieb auch in der spannenden Nachspielzeit die Pfeife des Schiedsrichters stumm: Jedoch hatte Seulbergs Oliver Nürnberger im Strafraum Paul Holstein zu Fall gebracht. Es hätte also auf beiden Seiten einen Strafstoß geben müssen, was wiederum ausgleichende Gerechtigkeit bedeutet. Als Zuseher auf dem Hang des Kronberger Sportplatzes lässt sich das aber auch viel leichter analysieren als auf dem Platz. (rem)

Am vorletzten Kreisoberliga-Spieltag haben die Sportfreunde Friedrichsdorf II mit einem 2:2 gegen die SGK Bad Homburg Restzweifel am Klassenerhalt beseitigt. Den Kirdorfern droht dagegen wie dem EFC Kronberg und SV Seulberg (siehe "Spiel der Woche") noch der direkte Abstieg, nachdem bereits DJK Bad Homburg II und Usinger TSG II nicht mehr zu retten waren. Eintracht Oberursel kann wiederum nach dem 4:0 bei der Usinger TSG II nur noch auf Relegationsplatz 13 zurückfallen.

Usinger TSG II - Eintracht Oberursel 0:4 (0:0): Recht gut fand der Absteiger ins Spiel. Luka Juko hatte in der 15. und 23. Minute Chancen aufs 1:0. "Zu unsauber abgeschlossen", bemängelte Trainer Rainer Birkenfeld. Torwart Dominic Großmann verhinderte zudem einen Rückstand.

Auch zu Beginn der zweiten Halbzeit hielten die Usinger noch ordentlich mit. Nach einer Fehlerkette war es Jeffrey Schmidt, der die Eintracht in Führung brachte. Wiederum nach Ballverlust schalteten die Oberurseler schnell um, und erneut war es Schmidt, der vollendete. "Dann war der Käs' gegessen", konstatierte Birkenfeld und fügte hinzu: "Das Spiel war ein Spiegelbild der Saison." Ordentliche Ansätze brachten nichts Zählbares, und durch viele individuelle Fehler geriet das Team auf die Verliererstraße.

Die Eintracht zeigte eine solide Leistung und verdiente sich den Sieg. "Wir konnten das abrufen, was wir eingeübt hatten", drückte Trainer Sven Malchert seine Zufriedenheit aus.

Tore: 0:1 Schmidt (54.), 0:2 Schmidt (65.), 0:3 Bohdal (76.), 0:4 Löw (77.).

SF Friedrichsdorf II - SGK Bad Homburg 2:2 (0:0): Erleichtert über den Klassenerhalt war nach dem Abpfiff Friedrichsdorfs Sportlicher Leiter Joachim Stamm. "Wir werden den Kader deutlich verjüngen", kündigte er mindestens sieben Neuzugänge an. Die Kirdorfer kamen wieder mal nicht über ein Unentschieden hinaus. "Wir haben zu spät angefangen zu kämpfen", bemängelte Trainer Vladimir Todorovic.

In der Anfangsphase hatte Marco Schäfer eine große Chance aufs 0:1, auf der Gegenseite scheiterte Angelo Esposito. Die Sportfreunde hatten in der ersten Hälfte weitgehend die Spielkontrolle, die SGK agierte "zu passiv", so Todorovic. Mit einem 20-Meter-Schuss in den Winkel erzielte Jan Mäuser das 1:0, Al Amri Saleh war beim Ausgleich zur Stelle. Esposito staubte nach einer Unsicherheit von Torwart Daniel Eick ab, ehe David Eiding nach schnell ausgeführtem Anstoß Keeper Stefan Emmerich düpierte.

Tore: 1:0 Mäuser (55.), 1:1 Saleh (57.), 2:1 Esposito (75.), 2:2 Eiding (76.).

SG Oberhöchstadt - FC Weißkirchen 10:2 (5:2): Wie schon vor einer Woche in Wehrheim-Pfaffenwiesbach ließ es die SGO mächtig krachen. In 13 Partien in diesem Jahr ging die Mannschaft von Joachim Hans nur ein Mal als Verlierer vom Feld - und dies ausgerechnet gegen den Nachbarn und Abstiegskandidaten EFC Kronberg. Mit 24 Punkten in diesem Zeitraum verbesserte sich Oberhöchstadt immerhin auf den siebten Platz. "Wir sind mit der Rückrunde sehr zufrieden, die Derbyniederlage tut aber doppelt weh", sagte der Übungsleiter nach dem zweiten Sieg mit zehn Treffern nacheinander.

Es war eine "furiose Viertelstunde" zu Beginn, als die SGO gleich fünf Mal traf - allerdings hätte auch der FCW in Führung gehen können. "In den ersten 15 Minuten haben wir viele unterschiedliche individuelle Fehler gemacht", kritisierte Trainer Feliks Vajagic. Nachdem die Mannschaft auf 2:5 verkürzen konnte, trafen Leon Hennecke und El Malki noch Aluminium, auch Umut Kaya war dem dritten Treffer nah. "Das 6:2 hat uns das Genick gebrochen", sagte Vajagic. Und Daniel Seeger sah nach einer Unbeherrschtheit noch die Rote Karte.

Tore: 1:0 Nocht (3.), 2:0 Raczek (9.), 3:0 Koziolek (10.), 4:0 Koziolek (13.), 5:0 Müller (15.), 5:1 El Malki (29.), 5:2 Kaya (45.+1), 6:2 Klenk (57.), 7:2 Klenk (61.), 8:2 Koziolek (68.), 9:2 Koziolek (78.), 10:2 Steier (90.+2).

SG Ober-Erlenbach - FC Neu-Anspach II 5:2 (2:1): Mit schwarzen Shirts präsentierten sich die Ober-Erlenbacher. Auf der Vorderseite stand in Grün "Gruppenliga-Aufsteiger", auf der Rückseite "Kreisoberliga-Meister". Auch nach der einen oder anderen Feierlichkeit ließ sich das beste Team der KOL nicht lumpen und erfüllte Trainer Ramzi Kallel den Wunsch, "sich meisterlich zu zeigen". Insgeheim hatte er eine andere Vorstellung befürchtet. Die Anspacher hielten ordentlich mit und gaben sich erst in der Schlussphase geschlagen.

Tore: 0:1 (10.), 1:1 Matuschewski (15.), 2:1 Keller (24.), 3:1 Matuschewski (50.), 3:2 (70.), 4:2 Hickl (76.), 5:2 Bremerich (85.).

DJK Bad Homburg II - FC Oberstedten 0:8 (0:2): Mit zwei Toren in der Anfangsviertelstunde legte der FCO den Grundstein für den dritten Sieg in Serie gegen eine Reservemannschaft. Doch dann wurde der neue Tabellendritte immer fahriger und vergab "slapstickmäßig" einige Chancen, fand Trainer Leo Caic. Wegen schwachen Zweikampfverhaltens der Gäste konnte sich die DJK drei Chancen herausspielen, ein Mal landete der Ball dabei am Pfosten.

Nach Caics deutlicher Ansage in der Pause agierte Oberstedten fortan wieder zielgerichteter und baute die Führung vor allem in den letzten 20 Minuten, "als beim Gegner die Kräfte schwanden", sagte Caic, spürbar aus. Für die kommende Saison hat der FCO Torwart Mihailo Krsmanovic, den die "Nullfünfer" im März suspendiert hatten, geholt.

Tore: 0:1 Masarski (6.), 0:1 Jegham (13.), 0:3 Faquir (54.), 0:4 Jegham (70.), 0:5 Jegham (76.), 0:6 Jegham (77.), 0:7 Suleiman (83.), 0:8 Nickel (86.).

Teutonia Köppern - SG Wehrheim/Pfaffenwiesbach 3:0 (1:0): "Es war ein gemütlicher Sommerkick", sagte Trainer Alexander Fievet zum 23. Saisonsieg. "Mit gemischten Gefühlen" bestritt er sein letztes Heimspiel bei der Teutonia, für die er von 2013 bis 2017 als Spieler, dann als Trainer tätig war. Seine Mannschaft kontrollierte weitgehend das Geschehen. Und wenn die Spielgemeinschaft für Gefahr sorgte, war Torwart Nick Vogt zur Stelle.

Tore: 1:0 Bannert (40.), 2:0 L. Milic (48.), 3:0 Hillner (78.).

SpVgg 05/99 Bomber Bad Homburg - SG Eschbach/Wernborn 4:4 (3:2): Nach der Führung zur Pause sei es schon ärgerlich gewesen, nicht die drei Punkte behalten zu haben, sagte Trainer Ralf Haub. Doch auf Sieg ließ er nicht mit aller Vehemenz spielen, sondern gab seiner Nachwuchsgarde auch Einsatzzeiten. Die SGEW zeigte sich recht effizient und habe aus wenig ziemlich viel gemacht. Haub sehnt nun das Saisonende herbei, zuletzt habe es doch recht viele Absagen seiner Spieler gegeben.

Tore: 0:1 Gilles (5.), 1:1 Haub (24.), 2:1 Haible (34.), 3:1 Haub (41.), 3:2 Cakar (45.+2), 3:3 Gilles (51.), 4:3 Sommerfeld (61.), 4:4 Brendel (82.). (fri)

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