Ergänzen sich gut: Wilhelm Scharf und seine Freundin Sophie.
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Ergänzen sich gut: Wilhelm Scharf und seine Freundin Sophie.

NNP-Serie: Die Kapitäne

Küchenleiter Wilhelm Scharf: „Daheim kocht meine Freundin“

  • Marion Morello
    vonMarion Morello
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Sie genießen den Respekt ihrer Mitspieler und der Trainer, tragen die Binde am Arm mit Stolz und haben etwas zu sagen: die Kapitäne. In ihrem Vereinsdress auf dem Platz kennt man sie als „Leader“ ihrer Mannschaft. Wir wollen wissen, wer der Mensch ist, der in diesem Trikot steckt. Heute lernen wir Wilhelm Scharf vom Kreisoberligisten TuS Waldernbach etwas näher kennen.

Wilhelm Scharf ist ein Mann mit klaren Vorsätzen. Der Küchenleiter einer Einrichtung für betreutes Wohnen in Frankfurt sagt: „Wenn ich von der Arbeit komme, bin ich kein Koch mehr. Daheim kocht meine Freundin. Und die macht das sehr gut.“ Das wird seine Lebensgefährtin Sophie mit Freuden hören. Natürlich lässt er sich bei größeren Feiern und Familienfesten nicht lumpen, dann schwingt der 28-Jährige schon mal selbst den Kochlöffel.

Die Karriereleiter erklimmt Wilhelm Scharf mit großen Schritten: Mit 19 war er Jungkoch, mit 23 Küchenleiter. Vor fünf Jahren - damals war er stellvertretender Küchenleiter - wurde die Stelle des „Chefs“ überraschend frei. Wilhelm Scharf wagte den Schritt zu mehr Verantwortung und hat es bis heute nicht bereut. „Das war anfangs schon ein bisschen komisch“, berichtet er. „Ich war plötzlich der Vorgesetzte meiner beruflichen Kumpels. Aber bald funktionierte das ganz gut.“

Zwölf Mitarbeiter hat der Waldernbacher zu koordinieren. Das muss wohldurchdacht sein. In den kommenden Jahren will er den nächsten Schritt gehen und seinen Küchenmeister per zweijährigem Fernstudium „machen“.

Selbst isst er am liebsten Pasta-Gerichte, aber auch Fleisch. „Die älteren Herrschaften in der Wohn- und Pflegeeinrichtung mögen deutsche Hausmannskost. Mit moderner Küche haben die nicht viel am Hut“, sagt Wilhelm Scharf. Selbstverständlich muss er sich bestens auskennen mit Allergenen, Unverträglichkeiten, Diätkost. „Wir haben regelmäßige Kontrollen durch das Gesundheitsamt und das Veterinäramt. Bei uns steht Hygiene an allererster Stelle.“

Klar, hat Wilhelm Scharf die Corona-Pandemie bislang sozusagen „hautnah“ aus einer ganz anderen Perspektive erlebt. Aber: „Das Küchen-Team ist komplett isoliert von den Wohnbereichen. Wir werden regelmäßig getestet, und alle Mitarbeiter, die das wollten wurden bereits geimpft.“

Um 4.30 Uhr klingelt der Wecker

Sein Job in Frankfurt erfordert natürlich eine Menge Disziplin. Um 6 Uhr in der Früh ist Dienstantritt. Das bedeutet: Der Wecker klingelt um 4.30 Uhr. Das ist hart. „Dafür kann ich aber meistens auch nachmittags früh wieder heimfahren“, weiß Wilhelm Scharf Vor- und Nachteile abzuwägen. Es gibt allerdings auch Tage, da dauert die Schicht zehn, elf oder zwölf Stunden. „Wenn es personelle Engpässe gibt oder es irgendwo brennt, kann ich als Küchenleiter schlecht sagen: ,Ich fahre jetzt heim.‘“

Die beruflich geforderte Disziplin und die Verantwortung helfen ihm auch beim Fußball in seinem Team vom TuS Waldernbach. „Der Fußball fehlt mir zurzeit schon sehr“, gibt er zu. „Ich hatte die ganze Zeit noch die Hoffnung, dass wir zumindest die Hinrunde würden zu Ende spielen können. Wir hätten den Klassenerhalt bestimmt sportlich noch geschafft, weil wir ,machbare‘ Gegner gehabt hätten.“ So oder so hat der TuS Waldernbach, der als Tabellenvorletzter überwinterte, den Liga-Erhalt gemeistert.

Wilhelm Scharfs Aufgaben im Team sind vielfältig. „Eigentlich ist es meine Stärke, Tore vorzubereiten. Aber weil wir keinen Knipser im Team haben, muss ich auch beim Toreschießen Verantwortung übernehmen“, sagt der 28-Jährige. Das ist ihm ganz gut gelungen: In den elf ausgetragenen Saisonspielen hat er sechsmal ins Schwarze getroffen.

Sportlich hat Wilhelm Scharf schon einige Stationen hinter sich. Seine Ausbildung genoss er bei den Eisbachtaler Sportfreunden. Norbert „Nobbi“ Reitz (Wilsenroth) war sein Trainer bei den B-Junioren in der Regionalliga Südwest. Dessen Sohn Lukas spielte damals in einer Mannschaft mit Wilhelm Scharf. Von der A-Jugend schaffte der waschechte Waldernbacher direkt den Sprung in die 1. Mannschaft, die seinerzeit in der Rheinlandliga spielte. „Wegen meiner Arbeit war der Aufwand allerdings zu groß“, erzählt der TuS-Spielmacher, der damals in Unterliederbach wohnte. Also schloss er sich dem ortsansässigen VfB Unterliederbach an, der in der Verbandsliga Mitte kickte. Allerdings, so sagt Wilhelm Scharf, habe er dort nicht wirklich Anschluss gefunden. Manchmal habe er auch nur einmal in der Woche trainieren können.

Also ging es - sowohl wohnungs- als auch fußball-technisch - zurück zum TuS Waldernbach. Dort traf Wilhelm Scharf schließlich auf seinen Spielertrainer Florian Dempewolf. Der habe seinerzeit drei, vier Leute ausgewählt, die den Kapitän ernennen sollten. Die Wahl fiel einstimmig auf Wilhelm Scharf.

Florian Dempewolf lobt den Spielmacher

Florian Dempewolf ist sehr angetan von seinem Spielführer: „Wilhelm ist jemand, der immer vorangeht. Er ist ein echter Spielmacher, der nicht nur nach vorne marschiert und bestimmt 70 Prozent unserer Angriffe vorbereitet; er erzielt auch Tore. Er arbeitet enorm viel, ist überhaupt nicht hochnäsig, sondern sehr bodenständig. Das schätze ich sehr an ihm.“

Doch damit nicht genug. Weil Florian Dempewolf keinen Co.-Trainer im eigentlichen Sinne hat, übernimmt diese Aufgabe kurzerhand ebenfalls sein Kapitän. „Wilhelm hat auch eine beratende Funktion. Ich stehe immer mit ihm in Kontakt, wir telefonieren sehr viel“, erklärt Florian Dempewolf. Die Aufgaben zwischen beiden sind klar verteilt, wie der Trainer beschreibt: „Ich bin hinten und organisiere den defensiven Bereich, Wilhelm ist auf der Zehn für die Offensivmaßnahmen zuständig.“ So sieht‘s aus. Und so wird‘s gemacht.

Lange Spaziergänge mit Labrador Ernie

Bis endlich der Ball wieder rollen wird, muss sich Wilhelm Scharf - wie alle anderen - mit Joggen fit halten. Falls man diesem Pandemie-“Zustand“ irgendetwas Schönes abgewinnen kann, dann sicherlich das: Wilhelm Scharf hat ein bisschen mehr Zeit für seine Freundin - und für deren schwarzen, zwei Jahre alten Labrador-Rüden Ernie. Lange Spaziergänge bringen die drei auf andere Gedanken. marion morello

In der nächsten Folge nehmen wir erstmals eine Spielführerin unter die Redaktions-Lupe. Die 26-Jährige gehört bei ihrem Verein fast schon zum Inventar.

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