+
Die Nachwuchssportler in großen Abständen auf dem Platz verteilt. Doch nicht einmal so wie hier im Rahmen einer Projektwoche im Sommer in Niederselters ist das Training der Leichtathleten derzeit möglich.

Leichtathletik

Läuft bei den Leichtathleten? Von wegen...

Kein Kontaktsport, dafür ist Individualsport mit Familienmitgliedern oder höchstens einem Partner aus einem anderen Haushalt erlaubt. Das sagen die aktuellen Corona-Vorschriften der hessischen Landesregierung. Läuft also bei den Leichtathleten, sollte man meinen. Die sind ohnehin die meiste Zeit alleine unterwegs. Aber weit gefehlt, auch die Läufer, Springer und Werfer treibt die Sorge um den Fortbestand ihres Sports um.

Martin Rumpf, Vizepräsident des Hessischen Leichtathletik-Verbandes (HLV) sowie Vorsitzender des Leichtathletikkreises Limburg-Weilburg und der LSG Goldener Grund, hat sich über die aktuelle Situation Gedanken gemacht. Er schreibt:

„,Bleibt aktiv und seid füreinander da’ – das fordert aktuell der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), Jürgen Kersting, und er trifft damit die Lage exakt. Das Jahr 2020 haben sich auch die Leichtathleten völlig anders vorgestellt. Die Krönung sollten die Olympischen Spiele in Tokio sein. Doch es kam alles anders als geplant, und dennoch hat auch diese Krise etwas Positives in sich.

Viele Leichtathleten und Sportler gingen zurück zu den Wurzeln. Die hochtechnisierte Welt auch im Sport wurde ersetzt durch Waldlauftraining, Krafttraining im Wohnzimmer oder durch Koordinationstraining mit Alltagsgegenständen wie zum Beispiel Klopapierrollen. Die Fantasie und der Erfindungsreichtum vieler Leichtathletiktrainer waren gefragt, und die Ideen sprudelten nur so.

Es wurden alternative Trainings- und auch Wettkampfformen entwickelt. Die Leichtathletik an sich hat den Begriff der ,late season’ erfunden und ist am Ende des Sommers massiv in den Wettkampfsport eingestiegen. Da krachte es nur so an persönlichen Bestleistungen und sogar sehr vielen Hessenrekorden insbesondere im Jugendbereich. Die Top-Athleten nutzten die Zeit, um ihre Schwächen im Hinblick auf die Olympischen Spiele in ,Tokio 2020+1’ abzubauen und die Stärken weiterzuentwickeln.

Dann kam der zweite Lockdown – auch im Sport. Die Motivation war im Keller. Gerade die Sportvereine, die Fitnessstudios, die Freizeitsportler und die vielen ehrenamtlichen Helfer hatten exzellente Hygienekonzepte erarbeitet, verwirklicht, weiterentwickelt und perfektioniert. Das wurde von der Politik leider nicht belohnt. Ein harter, schneller Lockdown wurde für den Sport verhängt.

Sport für ein starkes Immunsystem

Doch zum Glück gibt es einige kleine Ausnahmemöglichkeiten, und auch hier waren die Sportler wieder diejenigen, die verantwortungsvoll mit der Situation umgegangen sind und neue Lösungmöglichkeiten gefunden haben. 1:1 lautet die neue Devise – das hilft leider nicht allen Sportarten. Der Profibereich darf durchtrainieren, darf auch Wettkämpfe wie etwa Fußballspiele et cetera durchführen – natürlich ohne Zuschauer.

Wichtig ist in dieser Situation der Aufruf des DLV-Präsidenten: ,Bleibt aktiv!’ Das ist wichtig für die Gesundheit der Sportler und unserer gesamten Gesellschaft. Bewegung ist ein Faktor hin zu einem guten Immunsystem und einer starken Konstitution. Noch wichtiger ist der Teil ,seid füreinander da’ – das ist es, was wir jetzt brauchen: Solidarität, Zusammenhalt, Rücksicht, auf andere schauen und die Gemeinschaft in den Vordergrund stellen.

Auch bei einem 1:1-Sport ist es genau das, was uns stark macht und machen wird. Wir müssen durch diese schwere Zeit gemeinsam gehen – wir müssen auf die Schwachen Rücksicht nehmen. Die Gesundheit, insbesondere der sogenannten Risikogruppen, steht im Mittelpunkt und rückt in den Fokus. Das ist für unsere Gesellschaft leider etwas Neues; aber es ist etwas, was eigentlich der Sport schon immer vorgelebt hat. Höher, schneller, weiter ist auch im Sport die Maxime, und dennoch waren und sind uns schon immer die ,Sportler der Herzen’ die Wichtigen. Wenn jemand seine eigenen Interessen zurückstellt, bekommt er den Fair Play-Preis oder andere Formen der Anerkennung. Das waren viele Jahre lang Einzelfälle – jetzt brauchen wir davon mehr, viel mehr, dann kommen wir auch durch diese Zeit und meistern diese Herausforderung.

Lösungen suchen, nicht die Probleme

Dass danach alles sein wird, wie zuvor, bezweifle ich stark, aber es wird anders sein, vielleicht sogar besser. Das müssen wir abwarten. Bis dahin gilt es, Rücksicht zu nehmen, Alternativen zu finden, die Motivation von Tag zu Tag neu zu formulieren und Lösungen zu suchen, nicht Probleme. Aktuell wird mit dem Impfstoff das Bild des Lichts am Ende des Tunnels gewählt – lasst uns bitte jetzt nicht den Tunnel verlängern. Bleibt aktiv und seid füreinander da!“

MARTIN RUMPF

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare