Spektakuläre Flugeinlage von Kitesurfer Lasse Hofmeister aus Königstein.
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Spektakuläre Flugeinlage von Kitesurfer Lasse Hofmeister aus Königstein.

Kitesurfen

Lasse Hofmeister mag es kreativ - 20 Meter über dem Wasser

  • VonKatja Weinig
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So spektakulär treibt aus dem Hochtaunus kaum ein Zweiter Sport: "Big Air" ist die Paradedisziplin eines jungen Königsteiner Kitesurfers, der sein Hobby gern zum Beruf machen würde.

Königstein -"Einen solch starken Wind habe ich in meinem Leben vielleicht erst zwei- oder dreimal erlebt, das war wirklich krass", sagt Lasse Hofmeister und zeigt ein Foto, auf dem ihn Freunde am Trapezgurt festhalten müssen, damit er nicht abhebt. Das Bild ist im spanischen Tarifa entstanden, wo der 19-Jährige im Mai an einem internationalen Wettkampf der "Big Air Kite League" (BAKL) teilgenommen hat.

Der Königsteiner ist ein ambitionierter Kitesurfer, startet noch bei Amateurrennen, will aber den Schritt zu den Profis wagen. "Big Air" ist seine Spezialdisziplin. Bis zu 20 Meter katapultiert er sich dabei mit Hilfe von Wind und Wellen in die Luft, um während einer bis zu zehn Sekunden langen Luftfahrt waghalsige Manöver durchzuführen, die in der Kitersprache "Tricks" heißen. Drehungen, Schräglagen des Boards, Loopings des Segels - der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

In der Luft einfach mal das Board abschnallen

Bei einem seiner neuesten Tricks, dem "Board-off Kiteloop" streift Hofmeister am höchsten Punkt des Fluges das Board von den Füßen, umklammert es kurz und steigt wieder in die Schlaufen, während der Kite gleichzeitig einen 360 Grad Looping fliegt. Es folgt ein kurzer Moment des freien Falls, dann gibt das Segel wieder Druck auf die Leinen, der Surfer kann zur Landung ansetzen.

Er lebt nicht nur wie ein „Beachboy“, er sieht auch aus wie einer: Der Königsteiner Lasse Hofmeister mit seinem Board.

Bis zu 93 Kilometer pro Stunde ist er schnell, wenn er wieder auf der Wasseroberfläche ankommt, hat der Königsteiner einmal über ein mitgeführtes Handy ermittelt. Geschützt werden die Sportler durch eine Prallweste und, wer möchte, durch einen Helm. Mehrere Gehirnerschütterungen hat er schon erlitten, ist in jüngster Zeit aber von schwereren Stürzen verschont geblieben, was er unter anderem darauf zurückführt, dass er neue Tricks geduldig Stück für Stück einübt: "Es baut irgendwie alles aufeinander auf; und erst wenn ich das Gefühl habe, eine Sache sicher stehen zu können, probiere ich das Nächste aus."

"Die Kitesurfer-Szene wächst enorm"

Auch legt er großen Wert auf regelmäßiges Kraftausdauertraining im Fitnessstudio, um den enormen Kräften, die auf dem Wasser und in der Luft auf den Körper einwirken, standhalten zu können. Nicht zuletzt wird das Material immer ausgetüftelter und bietet den Sportlern erhöhte Sicherheit - was wiederum mehr und mehr Akteure anzieht: "Die Szene wächst enorm, es gibt neue Rennserien, und die Performance der Kiter steigt massiv."

Flugobjekt in Schwarz: Hoch über den Dächern von Tarifa scheint Kitesurfer Lasse Hofmeister zu fliegen.

Trotzdem will der junge Königsteiner, der sich in der deutschen Kiterszene bereits einen Namen gemacht hat und mit dem Kitebauer Core einen prominenten Sponsor hinter sich weiß, versuchen, als Profi auf Welttour zu gehen. Das Vorhaben muss allerdings noch etwas warten, denn erst will er seine gerade begonnene Ausbildung als Kfz-Mechatroniker in einem Eschborner Autohaus abschließen.

Beachboy im gelben Surfer-Mobil

So lange pendelt der junge Mann fast jedes Wochenende zwischen Taunus und Nord- oder Ostsee: St. Peter-Ording, Fehmarn, Usedom, Sylt, Dänemark, Holland. "Ich fahre immer dahin, wo der meiste Wind weht." War er als Jugendlicher noch auf die Bahn oder Mitfahrgelegenheiten angewiesen, packt er heute rasch die Ausrüstung in seinen 21 Jahre alten VW Caddy, den er mit Schlafmöglichkeit, Extrabatterie und Dachbox ausgebaut hat, und fährt los. Das gelbe Surfermobil mit den vielen bunten Aufkleber ist nicht nur auf den heimischen Straßen ein Hingucker, es ist eine Art Markenzeichen des jungen Mannes geworden, der braungebrannt, lässig gekleidet und meist gut gelaunt unschwer als "Beachboy" zu erkennen ist.

Multimediale Vorarbeit für eine Profi-Laufbahn

Sein Können, das er unter anderem während eines Auslandsjahrs in Südafrika entwickelte, präsentiert Lasse Hofmeister nicht nur an den Stränden der Weltmeere, sondern auch im Internet; vor allem produziert er YouTube-Videos und pflegt regelmäßig seinen Instagram-Account mit den neuesten Fotos und Filmsequenzen.

Das alles gehört mit dazu, nicht zuletzt weil die Bewerbung für Wettkämpfe über eingereichte Videos erfolgt. Gerade hat er sich in Südfrankreich beworben - und ist etwas enttäuscht, als er seinen Namen nicht in der Teilnehmerliste findet. "Na ja, vielleicht rücke ich ja noch nach", lächelt er.

Seit seinem Auftritt im spanischen Tarifa öffnen sich die Türen etwas leichter, denn der vierte Platz bei einem "Heat" (Regatta) der BAKL ist eine gute Visitenkarte. Beinahe wäre Hofmeister sogar ins Finale eingezogen, führte lange Zeit die Wertung im Halbfinale an, musste sich aber letztendlich dem späteren Sieger um 0,7 Wertungspunkte geschlagen geben.

Lasse Hofmeister weiß, dass es schwer werden wird, einmal den Lebensunterhalt mit dem Kiten zu finanzieren. Versuchen will er es mit einem Mix aus Kitelehrer-Tätigkeit, Sponsoren und Preisgeldern trotzdem. "Ich bin nun mal sehr ehrgeizig, und ich liebe das, was ich tue." Auf seine innere Stimme hört er auch: "Ich glaube, da passiert noch ziemlich viel, das hab' ich einfach im Gefühl!"

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