Vorstand, Macher und Festausschuss-Mitglieder des LC Mengerskirchen.
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Vorstand, Macher und Festausschuss-Mitglieder des LC Mengerskirchen.

Leichtathletik

LC Mengerskirchen: Seit 50 Jahren Spitzenklasse

  • Marion Morello
    VonMarion Morello
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Besser hätte sich der Verein, der seit 50 Jahren die Schlagzeilen auf der Regionalsportseite dieser Zeitung prägt, nicht präsentieren können. Im Schloss ließen die Verantwortlichen rund um den Vorsitzenden Dieter Meuser die letzten fünf Jahrzehnte Revue passieren.

Von der Gründung durch eine kleine Gruppe „Leichtathletik-Verrückter“ um die große, schillernde, leider bereits verstorbene Persönlichkeit Bernd Meuser, über unzählige Top-Ergebnisse bei Hessischen, Deutschen und sogar Europameisterschaften. Immer wieder gespickt mit kleinen Episödchen, eingestreut von Aktiven und Verantwortlichen, zelebrierten die Macher des Leichtathletik-Clubs Mengerskirchen einen äußerst kurzweiligen Vormittag.

Die Anfänge. Hervorgegangen war der LC Mengerskirchen aus der kleinen Leichtathletik-Abteilung des SV Mengerskirchen. Trainiert wurde seinerzeit im Buchwald am alten Sportplatz oder in der berüchtigten „Hölle“ im Neunkircher Wald. Im Winter ging es zweimal wöchentlich auf die berüchtigte „Zimberg-Runde“, auch bei Dunkelheit und widrigsten Bodenverhältnissen. Das härtet ab. Krafttraining wurde in der ehemaligen Kantine der Strickerei Voith absolviert. Heute ist der LCM Mitbesitzer des modernen Sportzentrums mit einer Kunststoffbahn neuester Generation.

Die Erfolge. Nach der Gründung 1971 gewann Bärbel Kaminski die ersten Hessenmeistertitel über 1500 Meter und im Crosslauf der Jugend B. Auch bei Deutschen Meisterschaften tauchten erstmals die roten Trikots auf. Reinhold Strieder holte sich die ersten DM-Titel über 5000 Meter und im Crosslauf der Jugend. Doch damit nicht genug: Der Siegeszug der LCM-Athleten setzte sich bei Weltmeisterschaften, Weltcups, Europameisterschaften und Länderkämpfen fort. Heute blickt der emsige, aber dabei stets bescheidene Verein – einer der wenigen reinen Leichtathletik-Vereine in Hessen – auf 26 gewonnene Deutsche, 28 Süddeutsche und 274 Hessische Meistertitel. In der Aktivenklasse war Dieter Eckert im Dreisprung 1978 der Beste bei den nationalen Titelkämpfen.

Die Meilensteine. 1972 nahm Bernd Meuser am olympischen Fackellauf teil. 2004 stellten die Männer des LC Mengerskirchen mit der 10x10 000-Meter-Staffel eine Weltbestleistung auf. 2012 erhielt der langjährige Vorsitzende und Mitbegründer Bernd Meuser das Bundesverdienstkreuz am Bande. Ein Jahr später verstarb Bernd Meuser nach langer schwerer Krankheit im Alter von 75 Jahren. Die Trauer ist – bis zum heutigen Tag – groß. Das wurde auch in der emotionalen Laudatio des Schirmherrn Robert Heß (immer noch Erster der ewigen LCM-Bestenliste über 100 Meter in 10,6 Sekunden und 200 Meter in 21,7) deutlich. 2018 erfolgte die symbolische Schlüsselübergabe für das Sportzentrum an LCM und SV Blau-Weiß.

Das Interview. Peter Meuser-Fürstenau, Langstreckler und heute 2. Vorsitzender, plauderte in lockerer Runde mit Läufer-„Legende“ Paul Guckelsberger und Antonia Schermuly. Paul Guckelsberger war vom Fußball von der SG Hausen-Fussingen zur Leichtathletik gekommen und sei anfangs „voller Naivität ohne Pulsuhr rein nach Gefühl“ gelaufen. „Ich war der Meinung, wo man mit dem Auto hinfährt, kann man auch hin laufen.“ Das tat Paul Guckelsberger, der es schließlich auf seine ihm eigene Art zu phantastischen Zeiten von den 5000 Metern (15:50,00 Minuten) bis zum Marathon (2:40:19 Stunden) schaffte und zu sage und schreibe vier Deutschen Meistertiteln. Sein Leitspruch: „Das Wesen des Sports ist es, immer sein Bestes zu geben.“ Ihren Erfolg hart erarbeiten müssen hatte sich auch Antonia Schermuly, die anfangs Schule, die Arbeit auf dem elterlichen Hof, ihre berufliche Ausbildung und den zeitintensiven Sport unter einen Hut bringen musste. Noch dazu machte sie Musik. „Ich habe mich trotzdem immer auf das Training gefreut und den Rat von Bernd Meuser befolgt, der stets gesagt hat: ,Carpe diem’ (nutze den Tag)“, erzählte die unter anderem Dritte der Deutschen Meisterschaften 2019 im Halbmarathon sowie zweifache Süddeutsche Vizemeisterin über 5000 Meter (U23) und 3000 Meter in der Halle bei den Frauen.

Das Festbuch. Auch das wunderschöne, in Schwarz-Weiß – aber in Hochglanz – gehaltene Festbuch ist rechtzeitig fertig geworden. Daniel Kremer, Schriftführer im LCM und Mitglied im Festausschuss: „Das Festbuch wird über die Vorstandsmitglieder sowie im Sportzentrum Mengerskirchen zu den üblichen Trainingszeiten verkauft. Darüber hinaus wird es in Kürze auch im Rewe-Markt in Mengerskirchen erhältlich sein.“ Es kostet 15 Euro; dazu gibt es die ewige Bestenliste des LC Mengerskirchen. Stefan Orth, der sich federführend um die Fertigstellung bemüht hat, sagt: „Viele Erlebnisse sind es wert, dokumentiert zu werden.“ In der Tat, findet man im Festbuch viel Lesenswertes. Wie etwa 1970, als sich eine Gruppe Athleten mit 130 anderen beim Crosslauf in Aßlar verirrt hatten und in einer Autobahnbaustelle im Schlamm landeten. Oder wie sich der heutige Kassenwart Richard Wagner vor seinem Start im Frankfurter Riederwald in schwarzer Anzughose und weißem Hemd warmlaufen musste, weil er in der Hektik seinen Trainingsanzug vergessen hatte. Und wie es dazu kam, dass Manni Fauser und Andy Klein Olympiasieger Emil Zatopek einen Besuch abstatteten.

MARION MORELLO

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