Lea Potthoff, Spielführerin der Würgeser Frauen-Mannschaft.
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Lea Potthoff, Spielführerin der Würgeser Frauen-Mannschaft.

NNP-Serie: Die Kapitäne

Lea Potthoff: Von der Tartanbahn ins RSV-Trikot

  • Marion Morello
    VonMarion Morello
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Sie genießen den Respekt ihrer Mitspieler und der Trainer, tragen die Binde am Arm mit Stolz und haben etwas zu sagen: die Kapitäne. In ihrem Vereinsdress auf dem Platz kennt man sie als „Leader“ ihrer Mannschaft. Wir wollen wissen, wer der Mensch ist, der in diesem Trikot steckt. Heute stellen wir Lea Potthoff vom Frauen-Kreisoberligisten RSV Würges vor.

Hätte das Coronavirus nicht dazwischen gefunkt, wäre die abgebrochene Saison wohl vielversprechend verlaufen. Nach nur vier Partien in der Frauen-Kreisoberliga, Gruppe 2, hatten die Frauen des RSV Würges zehn Punkte gesammelt, drei mitunter deutliche Siege sowie ein Remis gegen den ärgsten Konkurrenten, VfR 07 Limburg, eingefahren und ein Torverhältnis von 15:1. Das bedeutete die Tabellenführung für die „Roten“. Grund genug, sich mit dem Gedanken an den Aufstieg in die Gruppenliga Wiesbaden zu befassen.

Wäre es tatsächlich dazu gekommen, wäre es nicht nur ein Meilenstein für die noch junge Frauen-Mannschaft des RSV gewesen - erst seit 2018 wird hier aktiv gespielt -, sondern auch ein persönlicher Aufstieg von Spielführerin Lea Potthoff. Die 20-Jährige hatte verhältnismäßig spät zum Fußball gefunden. Eine Familienfeier hatte sie und den Fußballsport zusammengeführt. Just zu der Zeit, als 2015 in Würges über ein Frauen-Team gesprochen worden war, feierte die Familie Potthoff auf dem RSV-Vereinsgelände. Armin Schweikart, Gründungsvater und gute Seele der Frauen- und Mädchen-Abteilung des RSV, hatte die Gunst der Stunde genutzt und Lea Potthoff angesprochen und zum Probetraining eingeladen. „Warum nicht?“, dachte sich die Jugendliche, die bis dahin ihr Herz eigentlich an die Leichtathletik verloren und ein bisschen im JFV Hünstetten/Würges gekickt hatte.

Bereut hat Lea Potthoff den Wechsel von der Tartanbahn auf den Rasen nicht. Im Gegenteil: Aus heutiger Sicht bedauert es die Bad Cambergerin sogar beinah, nicht schon früher mit dem Fußballspielen angefangen zu haben. „Ich glaube, dann würden die Dinge heute ein bisschen anders aussehen“, mutmaßt Lea Potthoff. „Ab einem gewissen Alter ist es eben sehr schwierig, in einer Sportart noch Entwicklungssprünge zu machen.“

Aus ihrer Zeit als Leichtathletin bringt sie beste Voraussetzungen mit: Nicht nur eine starke Ausdauer und Athletik, sondern auch ein ausgeprägtes Koordinationsvermögen, das neben dem Gefühl für den Ball die wohl größte Hürde für Neueinsteiger im Fußball ist. Glücklicherweise hat die 20-Jährige auch ein gewisses Talent für Ballsportarten und obendrein eine schnelle Auffassungsgabe. Alles weitere macht sie mit einer ordentlichen Portion Ehrgeiz wett. Und davon hat Lea Potthoff vielleicht sogar ein bisschen zu viel, wenn es nach der Einschätzung ihres bisherigen Co.- und künftigen Cheftrainers Mario Naderer geht. Der Nachfolger von Achim Schweikart, der als Polizeihauptkommissar auch berufliche Berührungspunkte mit der angehenden Polizistin hat und die Spielerin die vergangenen drei Jahre von der Seitenlinie aus begleitete, erzählt: „Lea ist sehr ambitioniert und fokussiert. Und das ist sie auch im Fußball. Dabei steht sie sich manchmal selbst im Weg, weil sie zu viel auf einmal möchte.“

Nachdem sie die Kapitänsbinde übernommen hatte, war diese für Lea Potthoff zunächst einmal eine Bürde; das lag möglicherweise an ihrer Jugend. Der Zuspruch der Mannschaft ist ihr allemal sicher. Immerhin waren es ihre Mitspielerinnen, die sie im Rahmen der Abschlussfeier vor zwei Jahren gewählt hatten. Und das, obwohl mit Wiebke Werlein und Sarah Günther-Werlein zwei ehemalige Bundesligaspielerinnen in den Reihen der RSV-Frauen standen.

Starke Persönlichkeit, charakterlich gefestigt

„Sie ist nicht ohne Grund Kapitänin“, stellt Lea Potthoffs größter Förderer, Achim Schweikart, klar. „Lea ist eine starke Persönlichkeit, charakterlich sehr gefestigt und kommt mit allen gut klar. Man kann froh sein, sie im Team zu haben“, adelt sie der nach 16 Jahren emsiger Vereinstätigkeit scheidende RSV-Funktionär.

Bei aller Beliebtheit ist Lea Potthoff jedoch kein Mensch, der die Aufmerksamkeit gerne auf sich zieht. Sparsam mit Worten, handelt und spricht sie meist mit Bedacht; auch auf dem Fußballplatz. Der eine oder andere mag diese Wesenszüge für eine Spielführerin als eher ungeeignet erachten. Das Trainergespann Naderer/Schweikart hingegen weiß sie zu schätzen: „Die Rolle des Kapitäns nimmt sie mittlerweile gut an, macht alles mit der nötigen Ruhe und Zurückhaltung, die die Mannschaft braucht“, sind sich die beiden einig.

Aus sportlicher Sicht ist die eifrige „Blondine“ eine echte Säule im Team: Ein personeller Engpass zwang die pfeilschnelle Offensivspielerin Anfang der Abbruchsaison von rechts außen in die Innenverteidigung. Dass der RSV Würges seitdem nur einen Gegentreffer kassierte, spricht für sich und ist nach Sicht der Trainer zu großen Teilen das Verdienst der Spielführerin. Vor allem mit ihrer Schnelligkeit schafft sie es, viele defensive Löcher zu stopfen.

Geschwindigkeit ist auch ein Faktor in Lea Potthoffs Privatleben. Bleibt ihr neben ihrem stressigen dualen Studium bei der Landespolizei, das viele zusätzliche Kraft- und Konditionseinheiten einfordert, und dem Fußball noch genügend Freizeit, verbringt sie diese am liebsten mit Freunden. Eine Vorliebe hat Lea Potthoff für Freizeitparks. Schon als Kind konnte sie sich besonders für die Fahrgeschäfte begeistern. „Da fühlt man das Adrenalin im ganzen Körper“, beschreibt sie ihr Faible für Achterbahnen. Ein „Adrenalin-Junkie“ sei sie aber nicht: „Entweder schön entspannt oder Action pur - dazwischen gibt es bei mir nichts.“

Lea Potthoff liebt das Mannschaftsgefühl

Lea Potthoff hat ihren sportlichen Platz gefunden - beim Fußball im Goldenen Grund, wo im Übrigen auch ihr älterer Bruder Felix für die Reserve des RSV Würges spielt. Warum sie sich letztlich für Fußball und gegen Leichtathletik entschieden hat? Ganz einfach: wegen des Mannschaftsgefühls. „In der Leichtathletik ist man ein Einzelkämpfer; beim Fußball kämpft man als Team für eine gemeinsame Sache“, sagt Lea Potthoff.

Mit dem RSV Würges will sie im vierten Anlauf den Aufstieg in die Gruppenliga schaffen. Auch wenn sie befürchtet, dass man nach der langen Corona-Pause fast wieder bei Null anfangen muss. Aber wie man in Sekundenschnelle Fahrt aufnimmt, davon versteht Lea Potthoff ja eine Menge . . . ROMINA KUNZE

In der nächsten Folge geht es um einen Immobilienkaufmann, der mit seiner jungen Mannschaft den Sprung in die Gruppenliga anvisiert.

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