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Lilly Conrad mit ihrem schnellen "Spielzeug".

Motorsport

Lilly Conrad: Zwischen Schule, PS und Motoröl

  • Marion Morello
    vonMarion Morello
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Lilly Conrad aus Runkel-Schadeck hat ein aufregendes Hobby: Sie liebt die Geschwindigkeit. Mit ihrer Enduro fährt sie über Stock und Stein. Je schwieriger das Gelände, desto besser. Aber sie braust nicht einfach drauf los, sondern startet bei organisierten Wettbewerben. So liegt inzwischen eine aufregende Rennsaison hinter der erst 16 Jahre alten Lilly Conrad.

Nachdem die Schülerin des Limburger Tilemann-Gymnasiums schon sehr erfolgreich an regionalen Enduro-Rennen teilgenommen hat, startete sie im Corona-Jahr 2020 zum allerersten Mal bei der Deutschen Enduro-Meisterschaft. Das war ein Abenteuer...

Die Läufe zu dieser Meisterschaft sind in der Regel als Ein- oder Zwei-Tage-Veranstaltungen organisiert, bei denen etwa 300 Fahrer in verschiedenen Klassen antreten. Minütlich sind es meist drei Fahrer zur selben Zeit. Die Strecken mit einer Rundenlänge von 55 bis 90 Kilometern werden zwei- bis dreimal befahren und sind durchgängig mit Zeichen (zum Beispiel Richtungspfeilen) markiert. Sie führen teils über öffentliche Wege und Straßen, teils durchs Gelände mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden: Von knietiefem Sand, Geröll gröbster Sorte, anspruchsvollen Schlammpassagen, holpriges Wurzelwerk oder steilen Auf- und Abfahrten ist alles möglich.

Da es vor dem offiziellen Start verboten ist, die Wettbewerbsstrecke zu befahren, und das Ablaufen aufgrund der Länge nicht möglich ist, lässt sich die genaue Beschaffenheit des Geländes zunächst lediglich erahnen, die Überraschungen folgen dann unterwegs.

Den Führerschein in der Tasche

Voraussetzungen für einen Start bei den nationalen Titelkämpfen sind ein Führerschein und ein zugelassenes Motorrad. Lilly Conrad war gut vorbereitet. Rechtzeitig zu ihrem 16. Geburtstag hatte sie den Führerschein A1 in der Tasche, um beim ersten Rennen am 22. März in Dahlen an den Start gehen zu dürfen. Aber die Enttäuschung folgte auf dem Fuße: Wegen der ansteigenden Zahlen an Corona-Infektionen wurde das Rennen eine Woche vor dem Termin abgesagt. In der Hoffnung, dass die Rennserie im Herbst fortgesetzt werden würde, trainierte Lilliy Conrad im Frühjahr und Sommer tapfer weiter. Unterstützung erfuhr sie durch den ADAC Hessen-Thüringen, der sie 2019 in seinen Enduro-Jugend-Kader aufgenommen hatte.

Das lange Warten sollte nicht vergeblich gewesen sein. Das erste Rennen wurde am 12. September in Rehna an der Ostsee gestartet. Auf die Schadeckerin warteten drei Runden à 70 Kilometer sowie eine Fahrtzeit von mehr als sieben Stunden. Lilly Conrad wusste auf der anspruchsvollen Piste trotz der langen Fahrzeit gut mitzuhalten und wurde in ihrer Startklasse Sechste. Besser hätte ihr Debüt kaum laufen können.

Am 3. Oktober traf sich der Renntross in der Nähe von Magdeburg wieder. In Burg im Jerichower Land wartete eine Zwei-Tages-Veranstaltung. Trotz fehlender Erfahrung kam Lilly Conrad auf der mit teilweise tiefem Sand versehenen Strecke sehr gut zurecht. An beiden Renntagen erreichte die 16-Jährige als Dritte ins Ziel.

Im Jerichower Sand festgefahren

Eine Woche später ging es erneut im Jerichower Land weiter; diesmal allerdings in Tucheim. Hier machte ihr der tiefe Sand doch mehr zu schaffen, und sie fuhr sich noch vor der ersten Prüfung fest. Dieses Missgeschick brachten ihr direkt mehrere Strafminuten ein. Trotz alledem schaffte es Lilly Conrad auf Platz sechs.

Beim letzten Serien-Rennen am 25. Oktober in Kempenich kam sie sehr gut mit den Prüfungen und dem Streckenverlauf klar. Allerdings „stempelte“ sie zum Start der dritten Runde zu früh. Der Grund: Lilly Conrad hatte von einem Helfer eine falsche Stempelzeit bekommen und diese vor dem Durchfahren nicht mehr kontrolliert. Dennoch machte ihr das Rennen in der Eifel viel Spaß. Auch hier sammelte sie nicht nur wertvolle Punkte für die Meisterschaft, sondern vor allem kostbare Erfahrung.

Lilly Conrad absolvierte ihre erste Deutsche Enduro-Meisterschaft, den DMSB-Enduro-Damen-Cup, mit Bravour und dem dritten Platz. Über die Bronzemedaille freute sie sich außerordentlich. Zudem weiß die 16-Jährige jetzt für die neue Saison sehr genau, was sie noch verbessern sollte, und wie sie sich noch gezielter vorbereiten kann. Dass sie auch in diesem Jahr wieder bei den Deutschen Meisterschaften an den Start gehen will, ist in Stein gemeißelt.

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