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Long Covid: Der Kampf an vielen Fronten

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Von: Volker Hofbur

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Miriam Weihe (links, gegen die Eddersheimerin Rabea Grünewald) war im September 2020 mit Corona infiziert. Noch immer kämpft sie mit den Nachwirkungen. FOTO: alix nickel
Miriam Weihe (links, gegen die Eddersheimerin Rabea Grünewald) war im September 2020 mit Corona infiziert. Noch immer kämpft sie mit den Nachwirkungen. © Alix Nickel

Miriam Weihe von der HSG Sindlingen/Zeilsheim bekommt keine Diagnose gestellt

Frankfurt -Melanie Weihe schaffte mit den Handballerinnen der HSG Sindlingen/Zeilsheim den Aufstieg in die Landesliga Mitte und gehörte dort zum Stammpersonal. Alles war gut. Bis zum September 2020, da infizierte sie sich bei der Arbeit mit Corona. "Ich hatte fünf Tage später erste Symptome. Es war ein bisschen Halskratzen. Es fühlte sich wie eine Erkältung an. Als wir erfuhren, dass wir Kontaktpersonen waren, mussten wir einen Test machen. Meiner war positiv", erzählte sie. Und das zu einer Zeit, wo es keine Impfstoffe und FNP2-Masken gab und alle mit Stoffmasken herumliefen.

Da anschließend wegen der Verschärfung der Corona-Lage kein Hallentraining mehr möglich war, merkte Melanie Weihe erst einmal gar nicht richtig, dass ihr Körper in Mitleidenschaft gezogen worden war. Sie hielt das noch für Folge-Erscheinungen. "Ich merkte erst, dass etwas nicht stimmte, als ich laufen gehen wollte. Ich habe total abgebaut und keine Luft mehr bekommen", erinnerte sie sich, "einmal bin ich mit meiner Schwester gelaufen. Da wusste ich, dass ich etwas tun musste".

Im Januar 2021 ging sie zum Arzt. Dort stellte er fest, dass sie nur noch ein Lungenvolumen von 60 und eine Lungenfunktion von 80 Prozent hatte. Die Untersuchungen waren jedoch ohne Befund, die Bilder unauffällig. Ihr Glück war, dass es Vergleichswerte von einer Untersuchung aus dem Jahr 2017 gab, die einen erheblichen Unterschied zeigten. "Die Ärzte können es sich nicht erklären, was ich habe. Sie finden nichts. Wenn ich mal bergauf oder zügiger laufe, merke ich es aber. Ich habe am vergangenen Wochenende bei meiner Mannschaft ausgeholfen, aber mehr als zwei Mal fünf Minuten gingen nicht", berichtete sie.

Die Krux: Da die Ärzte keine Diagnose stellen können, bekommt sie keine Überweisung in die Wiesbadener DKD-Tagesklinik zu weiteren Untersuchungen und Post-Covid-Behandlungen. "Ich habe seit vier Monaten auf einen Termin gewartet und jetzt für Juli einen Termin bei der Post-Covid-Ambulanz des Wiesbadener St. Josef-Hospitals bekommen, als ich selbst Kontakt mit der Klinik aufgenommen habe", erklärte Melanie Weihe, "bei den weiteren Untersuchungen, die alle drei Monate folgten, haben sich die Lungen-Werte jeweils um ein Prozent gesteigert. Aber ich spüre natürlich keine Besserung". Bei dem Termin im Juli hofft sie darauf, doch eine Reha zu bekommen. Derzeit hat sie eine verminderte Lungenfunktion - und das mit 24 Jahren. Das schwächt und belastet den Körper. "Ich hatte meine Lungenfachärztin gefragt, ob ich im letzten Jahr eine Alpenüberquerung machen dürfte, hatte aber keine schlüssige Antwort bekommen. Es war sehr anstrengend für die Lunge. Ich war sehr müde und bin um 17 Uhr schlafen gegangen", erzählte sie, "wenn ich viel Sport gemacht habe, schlafe ich nicht, weil die Lunge brennt und noch arbeitet". Zudem kämpft sie mit weiteren Symptomen wie Störungen des Kurzzeitgedächtnisses und Wortfindungsstörungen. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Melanie Weihe versucht, mit Crossfit-Workouts im Kraft- und Ausdauerbereich eine Besserung ihres körperlichen Zustands zu erreichen. "Ich sehe aber, wo meine Grenzen sind. Es ist unbefriedigend. Ich hatte nachweislich eine Corona-Infektion. Mein Pech war, dass die Nachwirkungen erst drei Monate später herausgebrochen sind", fasst sie ihre Situation zusammen.

Melanie Weihe versucht, vorsichtig zu sein: "Ich vermeide alles und jeden. Aus meinen Erfahrungen heraus versuche ich zu warnen, dass man diesen Virus und seine Konsequenzen nicht auf die leichte Schulter nehmen soll. Deshalb finde ich es auch schwierig, ins Training zu gehen. Ich kann auch nicht verstehen, dass der Hessische Handball-Verband auf Biegen und Brechen die Runde durchzieht." Volker Hofbur

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