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Long Covid: TTC OE Bad Homburg gehen die Spieler aus

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Von: Thorsten Remsperger

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Cedric Meissner (links) muss wegen Long Covid eine Pause einlegen.
Cedric Meissner (links) muss wegen Long Covid eine Pause einlegen. © Gerhard Strohmann

Ärzte verordnen Cedric Meissner eine Pause. Für das Spiel in der TTBL am Freitag ist ein Griff in die Trickkiste nötig.

Ober-Erlenbach -2022 sollte das Jahr des TTC OE Bad Homburg werden. Spätestens nach dem 3:2-Sieg kurz vor Weihnachten beim TSV Bad Königshofen wähnten die Tischtennis-Enthusiasten in Ober-Erlenbach ihr Profi-Team auf einem guten Weg zum Klassenverbleib in der 1. Bundesliga (TTBL). In Bestbesetzung erwies sich die Mannschaft um den Japaner Yuta Tanaka als absolut konkurrenzfähig. Gut sechs Wochen später könnte die Stimmungslage bei den Tischtennis-Machern im östlichen Stadtteil Bad Homburgs kaum konträrer sein.

"Mir gehen die Spieler aus", sagt Sven Rehde vor dem Auswärtsspiel am Freitag beim TTC Schwalbe Bergneustadt (20 Uhr) und dem sonntäglichen Rückspiel in der Wingert-Sporthalle gegen Bad Königshofen (15 Uhr). Der Sportliche Leiter ist schon froh, wenn er überhaupt eine nicht gänzlich chancenlose Mannschaft stellen kann. Die Corona-Pandemie hat wieder einmal Auswirkungen auf die Kaderplanung. Wegen positiv auf Covid-19 getesteten Spielern hatte der Tabellenletzte aus dem Taunus jüngst bereits die Partien in Bergneustadt und gegen den TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell verlegen lassen.

Als Kimmich sich in Geduld üben musste

Diesmal macht dem Sportlichen Leiter Rehde und Trainer Daniel Ringleb ein unangenehmes Phänomen einen Strich durch die bisherige Rechnung, dass im Sport vor allem durch Fußball-Nationalspieler Joshua Kimmich für Schlagzeilen sorgte: Long Covid. Der Profi des FC Bayern konnte erst eineinhalb Monate nach seiner Infektion wieder mitspielen. Wegen "leichten Infiltrationen in der Lunge" habe er nach seiner Genesung zunächst nicht voll trainieren können, vermeldete sein Verein damals. Viele Beobachter brachten die Spätfolgen der Corona-Infektion damit in Verbindung, dass Kimmich sich nicht gegen das Virus hatte impfen lassen.

Beim TTC OE muss Cedric Meissner wegen Long Covid nun eine mindestens zweiwöchige Pause einlegen. Meissner ist doppelt geimpft und geboostert. Er war von seiner Covid-19-Infektion genesen, als er am Wochenende beim 1:3 seines Teams gegen den SV Werder Bremen zum Einsatz kam. Jedoch stellte sich danach während einer sportmedizinischen Untersuchung beim 21-Jährigen heraus, dass er in seiner Lungenfunktion noch beeinträchtigt ist.

Rückkehr noch nicht absehbar

Diese Entwicklung sei keinesfalls dramatisch, erläutert Rehde. Meissner gehe es gut. Vom Leistungssport rieten die Ärzte dem jungen Profi, der sonst mehrmals täglich im Deutschen Tischtennis-Zentrum in Düsseldorf trainiert, aber erst einmal ab. "Es ist nicht absehbar, wann Cedric für uns wieder spielen kann", sagt Rehde.

Die meisten Sportler würden gut durch die Infektion kommen und sich nach mehreren Wochen wieder auf Leistungsniveau befinden, sagte der Sportmediziner Wilhelm Bloch zum Thema Long Covid in einem Interview des Deutschlandfunkes. Dennoch hätten einige Genesene Probleme, wieder zurück in die Belastung zu kommen.

Bloch beobachtete besonders bei Ausdauersportlerinnen auch nach Monaten noch Einschränkungen. Eine typische Veränderung sei die Sauerstoffschuld bei Belastung. "Die Sportler fangen im Prinzip an, schneller zu atmen." Das deute darauf hin, dass die Sauerstoffversorgung im Gewebe nicht so funktioniere, wie sie sollte. Auch die Regeneration nach der Belastung sei eingeschränkt.

Meissner war nach Rares Sipos und Yuta Tanaka der schon dritte Profi des TTC OE, bei dem eine Corona-Erkrankung festgestellt wurde. Während Sipos wieder im Einsatz ist und am Freitag spielen kann, ist auch Tanaka genesen. Es macht für ihn wegen Quarantäne-Regelungen aber keinen Sinn, auszureisen. Hinzu kommt der Ausfall von Lubomir Jancarik, der sich beim Joggen eine Bänderdehnung am Knöchel zugezogen hat. So dürfte Benno Oehme, wie Meissner ein Perspektivspieler des Deutschen Tischtennis-Bundes und in der TTBL noch sieglos, sowohl in Bergneustadt als auch gegen Bad Königshofen als Nummer zwei nominiert werden.

Das unverhoffte Erstliga-Debüt

Da in der TTBL mindestens drei Akteure benötigt werden, um ein Pflichtspiel zu absolvieren, ist bei den Ober-Erlenbachern Improvisationstalent gefragt. Aus der fünftklassigen Reserve kommen für die Fahrt ins rund 150 Kilometer entfernte Bergische Land am Freitag nämlich weder der berufstätige Dominik Scheja noch Jugendnationalspieler Tayler Fox als Schüler in Frage. Deshalb wurde Adam Janicki für die TTBL-Partie nominiert. So schön diese Überraschung für den 20-jährigen Oberligaspieler ist - eine Siegchance hat Janicki bei seinem Erstliga-Debüt nicht wirklich. Am Sonntag könnten immerhin wieder Scheja und Fox eingesetzt werden - die freilich auch krasse Außenseiter im Duell mit einem TTBL-Profi wären.

Bei der Liga erneut Spielverlegungen zu beantragen, kam für die Ober-Erlenbacher nicht in Frage. Bei Covid-19-Erkrankungen gibt es für Vereine diese Möglichkeit. Abgesehen davon, dass rechtlich erst geklärt werden müsse, ob der ja offiziell als genesen geltende Meissner auch noch als ein solcher Fall gelte, sagt Rehde: "Wir wollen in der TTBL nicht der Buhmann sein. Wir spielen."

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