Fußball

Was macht eigentlich Jorge Do Carmo?

Aus dem Feldspieler wurde ein begnadeter Schlussmann, bei dem Manuel Neuer in die Schule gegangen schien, und schließlich ein Meistermacher als Trainer.

Bis zu seinem 15. Lebensjahr wuchs Jorge do Carmo in Lissabon auf. Als kleiner Steppke fing er dort an zu kicken – natürlich bei Benfica, dem großen portugiesischen Verein, der damals seine beste Zeit hatte. Zweimal holte man den Europapokal der Landesmeister in die Stadt am Tejo mit dem unvergessenen Superstar Eusebio, der 1965 Europas Fußballer des Jahres war.

Ein anderer aus diesen Zeiten wohnte bei den Do Carmos gleich um die Ecke: der berühmte Rechtsaußen José Augusto. Und auch Eusebios Bruder stammte aus dem Viertel. „Ju-Ju“ genannt, begeisterte damals nicht nur als Fußballer, sondern auch als virtuoser Gitarrenspieler.

Als Do Carmos Eltern 1967 als Gastarbeiter nach Deutschland übersiedelten, war das wichtigste Ziel für dendamals knapp 16-jährigen Jorge, die deutsche Sprache zu erlernen. Dabei halfen ihm seine Mitspieler beim FSV Frankfurt, für den er in der Jugend antrat – damals noch als Feldspieler. Das damalige Vorstandsmitglied Karl Seeger half ihm sehr bei der Eingewöhnung. Ihm sollte er später bei der SG Ober-Erlenbach wieder begegnen.

Als in der A-Jugend ein Torhüter fehlte, übernahm er – eigentlich nur als Notlösung gedacht – ebendiese Position. Und die sollte für ihn genau die richtige sein. Neben Seeger hatte er noch einen weiteren Förderer, dem er ebenfalls vieles zu verdanken habe, wie er heute sagt: „Mit Karl Loweg, dem früheren Bundesligatorwart, hatte ich ein Vorbild im Verein, von dem ich alles von der Pike auf lernen konnte.“

Karl Loweg, der 1973 mit der SpVgg 05 Bad Homburg Deutscher Amateurmeister wurde, schonte den jungen Jorge nicht im geringsten. Dieser erinnert sich: „Im strömenden Regen, bei dem man wohl keinen Hund vor die Tür gejagt hätte, schickte er mich zum Training auf den Platz. Damals habe ich natürlich innerlich geflucht. Heute weiß ich aber, dass mich das weitergebracht hat.“

Vom FSV wechselte er zu zwei damals sehr erfolgreichen Hessenligisten. Zunächst zu RW Walldorf, danach zum 1. FC Hochstadt. Parallel kümmerte sich Do Carmo um seine berufliche Entwicklung in der IT-Branche. Heute ist er – 65 Jahre alt, verheiratet, in Altenstadt lebend – als Personalberater in diesem Fachbereich tätig. Der Beruf stand für ihn stets an erster Stelle, Angebote aus dem bezahlten Fußball schlug er aus.

Bei der Usinger TSG erlebte Do Carmo dann „drei wirklich schöne Jahre“. Dort erinnert man sich auch heute noch an ihn als körperlich robusten Torhüter. Stark auf der Linie, aber auch clever beim Herauslaufen wie ein Manuel Neuer. Mitspielen als quasi elfter Feldspieler, wie es von einem „modernen“ Torhüter erwartet wird, das praktizierte er damals schon. „Nicht selten trieb es mich bis in den Anstoßkreis nach vorne“, erinnert er sich heute noch an so manchen „Ausflug“, der die Nerven von Trainer und Mitspielern belastete.

Als Spielertrainer führte er den SV Teutonia Köppern gleich in seinem ersten Jahr dort zur Meisterschaft in der A-Klasse und zum Aufstieg. Während einer kurzen Station beim VfB Södel, einem Ortsteil von Wölfersheim, erreichte ihn ein Hilferuf von Karl Seeger, inzwischen 1. Vorsitzender der SG Ober-Erlenbach. Der Verein aus dem Bad Homburger Ortsteil stand fast hoffnungslos abgeschlagen auf dem letzten Tabellenplatz. „Don“, wie sie ihn inzwischen nannten („Ein Journalist hatte mal meinen Namen so geschrieben“) übernahm – und schaffte ein kleines Wunder mit den Grün-Weißen, erreichte er doch mit der SGO die Relegation und konnte in dieser den Klassenerhalt unter Dach und Fach bringen.

Do Carmo legte danach eine Pause als Trainer ein – „eigentlich sollte Schluss sein“, merkt er an. Nach längerer Bedenkzeit sagte er dann jedoch bei der damals engagierten TuS Weilnau zu. „Die Lust war schnell wieder da“, erinnert er sich. Mit dem angepeilten Aufstieg wurde es allerdings nichts. Als Tabellenzweiter musste man der TSG Wehrheim den Vortritt lassen.

Das war es dann aber für Do Carmo, was den Fußball betrifft. Heute noch ab und zu Zuschauer bei der Frankfurter Eintracht, hat der Bayern-München-Fan das Golfspielen für sich entdeckt. Bei Handicap 12 liebt er besonders die schönen Plätze in Portugal – von wo aus er einst nach Deutschland kam.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare