+

Sportgericht

Aus Mangel an Beweisen...

Eine Geldstrafe in Höhe von 500 Euro für WGB Weilburg, sechs Punkte Abzug und drastische Sperren für drei Spieler – so das Urteil des Sportgerichts im Fußballkreis Limburg-Weilburg unter Vorsitz von Heinz Schneider. Mit anderen Worten: WGB Weilburg ist einmal mehr mit einem blauen Auge davon gekommen.

VON KLAUS-DIETER HÄRING

Die Verhandlung, zu der die WGB-Delegation mit 20-minütiger Verspätung erschienen waren, entwickelte sich als „schwere Geburt“. Mehr als zwei Stunden tagte das Sportgericht im Offheimer Bürgerhaus mit den Beisitzern Georg Horz (VfL Eschhofen) und Joachim Gärtner (VfR 07 Limburg). Es ging im Kern um die Ausschreitungen am Ende der Fußball-B1-Liga-Partie des SV Wilsenroth gegen WGB Weilburg (1:0) am Sonntag, 18. Oktober.

Anonyme Mail: „Nicht zu verwerten“

Es waren zweieinhalb Stunden mit der Schilderung von teils denkwürdigen, teils erschreckenden Geschehnissen. So sei nach Aussage von Heinz Schneider eine Mail des SV Wilsenroth mit einer Stellungnahme eines Platzwartes zwar eingegangen, könne aber nicht berücksichtigt werden, weil sie anonym versendet worden sei.

Im Zeugenstand war zuerst Schiedsrichter Marvin Conradi (SV Heiligenroth), der das Spiel am 18. Oktober geleitet hatte. Conradi, seit 2012 Schiedsrichter ist und an besagtem Spätnachmittag detailliert die Situation auf dem Fußballplatz in seinem Sonderbericht geschildert hatte. Nach den ersten Minuten der Partie habe er einen Spieler der WGB nach zwei Schwalben erst ermahnt und dann mit einer Gelben Karte bestraft. In der zweiten Halbzeit soll das Spiel in der 58./59. Minute an Schärfe zugelegt haben. „Sechs Gelbe Karten und einmal Gelb-Rot“, so Marvin Conradi. Dann verletzte sich ein Wilsenröther Spieler in der 88. Minute an der Hand und musste lange behandelt werden. Daher waren nach Meinung des Schiedsrichters noch zwei Minuten beim Stande von 1:0 für Wilsenroth zu spielen, „da ich das unsportliche Verhalten der WGB nicht nachspielen lassen wollte“. Grund genug also, für die zurückliegende Mannschaft, in Rage zu geraten.

Schiedsrichter: „Ich hatte Angst“

Mit dem Abpfiff soll es dann rund gegangen sein. Zwei Spieler, „einer von links einer von rechts“, sollen nach Aussage des Schiedsrichters auf ihn zugekommen sein. Dies veranlasste nun die Platzordner, einzuschreiten. Ein WGB-Spieler sei – nach eigenen Angaben – auf den Schiedsrichter zu und habe diesen angefasst sowie am Ziehen der Roten Karte gehindert. „Was ich bedauere, und dafür möchte ich mich auch entschuldigen“, so der Weilburger Spieler. Der Schiedsrichter ließ die Rote Karte stecken, „weil ich Angst hatte“ und bat um Polizeischutz.

Ab jetzt gingen die Aussagen aus beiden Lagern ziemlich auseinander. Der Schiedsrichter sprach von 20, die WGB von 50 Personen auf dem Platz. Auch wer was gesagt haben soll, vermochte keiner der Zeugen zu beantworten. Die Aussage: „Dich kriegen wir auch noch“, konnten nach Ansicht des WGB-Rechtsbeistandes Dr. Burkhard Kirchhoff weder Personen des SV Wilsenroth noch von WGB zugeordnet werden. Lediglich die Aussage in Richtung Schiedsrichter, er solle ein weißes Trikot (SV Wilsenroth) anziehen, wurde durch einen WGB-Spieler bestätigt. Auch ob ein WGB-Akteur von Wilsenröther Ordnern getreten oder geschlagen wurde, blieb letztlich offen, da sowohl die entsprechenden Zeugen von Wilsenroth als die der WGB der Verhandlung ferngeblieben waren. Auch der Referée wollte „etwas gesehen“ haben. Weiter blieb offen, ob ein WGB-Spieler nach der Begegnung von außerhalb des Spielfeldes wieder versucht haben soll, über den Zaun zu klettern, um wieder auf den Platz zu kommen, wo der Schiedsrichter umsäumt von Platzordnern auf die Polizei wartet, wusste niemand zu bestätigen. „Der war oben auf dem Zaun“, hieß es.

All diese Unklarheiten flossen in die Urteilsfindung ein. Nach Ansicht von Dr. Burkhard Kirchhoff waren die Vorkommnisse nach dem Spiel „keine Ausschreitungen“. Daher könne man auch keine Sperren für den Verein verhängen. Stattdessen plädierte er auf Punktabzug. Das Gericht entschied schließlich auf „unsportliches Verhalten“. Ergo: Geldstrafe in Höhe von 500 Euro für den Verein sowie sechs Punkte Abzug.

Das von Kreisfußballwart Jörn Metzler im Anschluss an das Spiel beim Sportgericht beantragte Spielverbot wurde aufgehoben. Daher muss das am 25. Oktober ausgefallene Punktspiel gegen den SC Dombach nachgeholt werden. Die „hohe“ Strafe wurde von Heinz Schneider damit begründet, dass WGB Weilburg schon mehrfach mit Geldstrafen belegt worden sei.

36 Spiele Sperre für den Haupt-Übeltäter

Drastisch fielen die Strafen für die drei „angeklagten“ Spieler der WGB aus. Der 31-jährige Feldspieler wurde wegen Schiedsrichterbeleidigung und versuchter Tätlichkeit gegen Schiedsrichter und Platzordner für 36 Spiele gesperrt, der 47-jährige Abwehrspieler kassierte ein Spielverbot für zwölf Partien wegen versuchter Tätlichkeit gegen den Schiedsrichter, der Dritte wurde wegen unsportlichen Verhaltens gegen den Unparteiischen für drei Spiele auf Eis gelegt. Doch damit nicht genug. 150 Euro müssen der WGB-Vorsitzende Yusuf Cinar und Trainer Ibrahim Ülgüt wegen Unsportlichkeit berappen. Zu guter Letzt Jurist Dr. Burkhard Kirchhoff: „Wir nehmen das Urteil an und verzichten auf Rechtsmittel.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare